In der charmanten Heimstättensiedlung in Hennigsdorf, die von den Bewohnern liebevoll „Heimi“ genannt wird, lebt das Ehepaar Melitta (71) und Rainer Hattke (70) seit Dezember 1991 in einem großzügigen 130 Quadratmeter großen Haus auf zwei Etagen. Die Siedlung, die über 100 Jahre alt ist und 1922 von der Gemeinnützigen Heimstätten GmbH mit dem Bau von Doppel- und Reihenhäusern begann, hat sich zu einem Ort des Zusammenhalts und der Gemeinschaft entwickelt. Die Hattkes zogen aus einer DDR-Platte in ihr neues Zuhause, nachdem das Vorbesitzer-Paar wegen einer Trennung verkaufte. Um ihr Traumhaus zu gestalten, investierten sie eine sechsstellige Summe in Renovierungen, die Türen, Fenster, Heizungen, Dach, Anbau und Treppen umfassten.
Die umfangreichen Renovierungsarbeiten führten zu einem Umbau des ursprünglichen Wohnzimmers ins Erdgeschoss, während Schlafzimmer und Arbeitszimmer nun im Obergeschoss untergebracht sind. Auch das Badezimmer hat seine Funktion geändert und wurde früher als Waschküche genutzt. Die Bausubstanz des Hauses beeindruckt mit 30 cm dicken Ziegelwänden und einer isolierenden Luftschicht von 6 cm. Unter den Fenstern befinden sich Hohlräume, die mit Schutt gefüllt sind, während Stahlwerksschlacke als Bodenisolierung dient. Die Decken waren einst mit geputztem Stroh ausgestattet, und im Kohlenkeller fehlt das Fundament.
Das Leben in der Gemeinschaft
Die Hattkes genießen nicht nur ihr Zuhause, sondern auch den engen Kontakt zu ihren Nachbarn. In der Siedlung gibt es eine Whatsapp-Gruppe, die den Bewohnern hilft, über verdächtige Aktivitäten informiert zu bleiben. Jährliche Feste, bei denen Kuchen, Bier und Bratwurst serviert werden, stärken das Gemeinschaftsgefühl und heben die Anonymität auf, die in vielen modernen Wohngegenden vorherrscht. Der Garten des Paares erstreckt sich über ca. 300 Quadratmeter und bietet Platz für einen Pool, eine Terrasse, einen Schuppen, ein Carport und eine Garage. Zukünftige Renovierungsprojekte sind bereits in Planung, darunter die Umgestaltung von zwei Zimmern im Obergeschoss und die Behebung von Feuchtigkeit in der ehemaligen Waschküche. Rainer Hattke plant zudem, den großen Boden auszubauen.
Historische Einblicke in Hennigsdorf
Die Heimstättensiedlung ist nicht nur ein Ort des Wohnens, sondern auch Teil einer reichhaltigen Geschichte. Hennigsdorf, erstmals 1694 dokumentiert, erlebte im Laufe der Jahrhunderte viele Veränderungen. Die Stadt erhielt 1924 ein Ortsstromnetz und elektrische Straßenbeleuchtung, was den Lebensstandard der Bewohner erheblich verbesserte. Bis 1944 zählte Hennigsdorf 2239 Einwohner, und in den folgenden Jahren entwickelte sich die Stadt zu einem wichtigen Standort für die Industrie. Der VEB Stahl- und Walzwerk „Wilhelm Florin“, benannt nach einem lokalen Antifaschisten, wurde 1951 gegründet und spielte eine zentrale Rolle in der Wirtschaft der Region.
Besonders bemerkenswert ist die Vielfalt der Baudenkmale in Hennigsdorf. Dazu gehören unter anderem das Wohnhaus mit Nebengebäude in der August-Conrad-Straße, das Dieselmotorenkraft- und Umspannwerk sowie zahlreiche Wohnanlagen, die in der ersten Hälfte der 1920er Jahre für die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft mbH Hennigsdorf entstanden sind. Diese historischen Bauwerke erzählen die Geschichte von Hennigsdorf und seiner Entwicklung über die Jahre hinweg. Auch die Martin-Luther-Kirche, erbaut zwischen 1853 und 1855, und das alte Rathaus aus dem Jahr 1912 sind Teil des kulturellen Erbes der Stadt.
Die Kombination aus historischem Charme, modernem Wohnkomfort und einem starken Gemeinschaftsgefühl macht die Heimstättensiedlung in Hennigsdorf zu einem einzigartigen Ort. Es ist ein Beispiel dafür, wie Tradition und Fortschritt harmonisch zusammengeführt werden können.
Für weitere Informationen über die Geschichte Hennigsdorfs und deren Baudenkmale besuchen Sie bitte die Seiten der MAZ, der Wikipedia und des Geschichtsvereins Hennigsdorf.