40 Jahre Breitwand-Kino: Ein Jubiläum voller Erinnerungen und cineastischer Leidenschaft
Am vergangenen Samstag wurde in Gauting ein ganz besonderes Jubiläum gefeiert: Matthias Helwig, der Macher hinter den Breitwand-Kinos, lud rund 200 Gäste ein, um das 40-jährige Bestehen seiner Kinos zu zelebrieren. Die Atmosphäre war geprägt von Erinnerungen und herzlichen Begegnungen, denn ehemalige und aktuelle Mitarbeiter, Freunde und Unterstützer versammelten sich, um diesen Meilenstein gebührend zu würdigen.
Matthias Helwig, mittlerweile 66 Jahre alt, hat eine bewegte Geschichte hinter sich. 1986 übernahm er das Kino in Gilching, nachdem der vorherige Betreiber, Willy Velten, tragisch verstorben war. Ein echter Neuanfang! Zunächst hatte Helwig es schwer, eine Bank für sein Vorhaben zu überzeugen – kein Kredit, kein Business-Plan, und ja, seine legere Kleidung war vielleicht nicht gerade hilfreich. Doch seine Mutter, die 94-jährige Ursula Helwig, gab ihm den entscheidenden Ratschlag, es bei einer anderen Bank zu versuchen. Und siehe da, dieser Versuch war erfolgreich!
Ein Treffpunkt für Jung und Alt
Heute betreibt Helwig drei Kinos: in Seefeld, Starnberg und Gauting. Über 50 Preise hat er im Laufe der Jahre gewonnen, und das aus gutem Grund. Mit einem Café und einem anspruchsvollen Programm schuf er einen Treffpunkt für Jugendliche und Cineasten gleichermaßen. Die Idee, ein anspruchsvolles Programm mit Spätvorstellungen, Matineen und Kinderfilmen anzubieten, hat sich als goldrichtig erwiesen. Und die Tatsache, dass das Café im ersten Breitwand-Kino in Gilching ein großer Erfolg war, zeigt, wie wichtig solche Begegnungsorte sind.
Zur Feier des Tages wurde auch Helwigs Abschlussfilm von der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) gezeigt. Vor 35 Jahren hatte er diesen 25-minütigen Kinderfilm in Schwarz-Weiß, der von einem Mädchen erzählt, das Stofftiere aus einem Kaufhaus befreit, in Gilching präsentiert. Ein echter Leckerbissen für die Nostalgiker im Publikum!
Eine lange und bewegte Kinogeschichte
Die Geschichte der Breitwand-Kinos ist nicht nur die Geschichte von Matthias Helwig. Es ist auch die Geschichte einer Institution in der Region südlich von München. Was viele vielleicht nicht wissen: Die Reise begann vor 40 Jahren nach einem tödlichen Unfall des Kinobetreibers in Gilching. Helwig, damals 26 und noch Student an der HFF München, bewarb sich um die Leitung des Kinos und bekam die Zusage. Das Kino wurde mit einem neuen Namen, einem frischen Programmkonzept und einem jungen Publikum wiedereröffnet. Ein mutiger Schritt in eine ungewisse Zukunft, der sich jedoch gelohnt hat!
Helwig hat sich viel Wissen selbst angeeignet, denn Betriebswirtschaft oder Verleihgeschäft hatte er vorher nicht studiert. Bei der ersten Vorstellung von „Rosa Luxemburg“ saßen nur drei Zuschauerinnen im Saal – eine bittere Pille! Doch sein neues Konzept mit dem Café sprach schließlich vor allem ein jüngeres Publikum an. Das Einzugsgebiet der Kinos reicht mittlerweile über die Landkreise hinaus, und die Jubiläumsfeierlichkeiten, die bereits im Frühjahr mit Sondervorstellungen begannen, laufen bis Anfang August weiter.
Open-Air-Kino und Fünf-Seen-Filmfestival
In den 1990er Jahren begann Helwig mit Open-Air-Kino-Veranstaltungen, die in der Region schnell zu einem Hit wurden. 2007 gründete er das Fünf-Seen-Filmfestival, das weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt wurde. Es ist faszinierend, wie sich die Kinonutzung über die Jahre verändert hat, besonders in Zeiten von Streaming-Diensten. Auch wenn die Breitwand-Kinos heute mehr Filme zeigen, erreichen sie insgesamt weniger Zuschauer als früher.
Ein Höhepunkt der Jubiläumsfeier war die Live-Begleitung des Stummfilms „Nur nicht schwach werden“ von 1921 durch die Musiker von Tempo Nuevo. Ein echtes Erlebnis für die Sinne, das die Gäste sicherlich noch lange in Erinnerung behalten werden. Und wer hätte gedacht, dass das Kino einmal mit einer solch bewegten Geschichte und so vielen Herausforderungen starten musste? Es ist ein Beweis dafür, dass Leidenschaft und Entschlossenheit immer belohnt werden!
