Im Kolpinghaus Kleve wurden am Donnerstagabend, dem 9. November 2025, die drängenden Fragen zur ärztlichen Versorgung im Kreis Kleve besprochen. Die Veranstaltung, organisiert von Bündnis 90/Die Grünen, fand reges Interesse und lockte etwa 70 Besucher an. Moderiert von Andreas Gebbink, Redaktionsleiter der NRZ, diskutierten Gesundheitsverantwortliche und Patienten über die Herausforderungen der aktuellen Versorgungsstrukturen.
Ein zentrales Thema der Podiumsdiskussion war die anhaltende bürokratische Belastung im Gesundheitswesen. Es wurde deutlich, dass der Austausch zwischen Hausärzten, Krankenhäusern und Fachärzten oft nicht so funktioniert, wie es sollte. Dringend gefordert wird eine Lösung für das „Ärzte-Hopping“, bei dem Patienten häufig den Arzt wechseln, ohne dass die Informationen ausreichend geteilt werden. Ein Vorschlag zur Verbesserung war die Einführung einer einheitlichen Patientenakte, welche Transparenz schaffen und den Austausch erheblich beschleunigen könnte.
Herausforderungen und Lösungsansätze
Einer der besprochenen Verbesserungsvorschläge war die Absenkung des Numerus Clausus für das Medizinstudium, um mehr angehende Mediziner zu gewinnen. Parallel dazu sollte die Durchlässigkeit zwischen stationären und ambulanten Angeboten erhöht werden, inspiriert von Modellen, die in der Schweiz erfolgreich praktiziert werden. Diese Vorschläge könnten entscheidend sein, denn die Nachfrage nach angestellten Tätigkeiten unter jungen Ärzten wächst, während weniger Interesse an selbständigen Praxen herrscht.
In diesem Kontext wird auch die Gründung einer Startpraxis in Kleve für das Jahr 2026 ins Spiel gebracht. Diese soll mit zwei angestellten Ärzten starten und durch die Kassenärztliche Vereinigung ins Leben gerufen werden, um das drängende Hausarztproblem zu mildern. Langfristig ist eine Übernahme durch die Ärzte geplant, die die Praxis selbstständig betreiben sollen.
Politische Reaktionen und Initiativen
Auch auf politischer Ebene wird der Ärztemangel diskutiert, was sich beispielsweise in einem aktuellen Positionspapier der CSU widerspiegelt. Diese sieht vor, tausende zusätzliche Studienplätze im Bereich Humanmedizin zu schaffen, um dem Mangel effektiv entgegenzutreten. Die Abiturnote soll hierbei kein alleiniges Kriterium mehr darstellen, und es wird gefordert, auch soziale Engagements stärker zu berücksichtigen. Die CSU hat bereits 2.700 neue Studienplätze geschaffen und appelliert an andere Bundesländer sowie den Bund, ebenfalls mehr Stellen anzubieten, um das Problem bundesweit anzugehen. Bayern hat bis dato bereits rund 10.000 Plätze für das Wintersemester 2023/24 zur Verfügung gestellt, schreibt br.de.
In der Diskussion über die medizinische Versorgung in Kleve kommt es jedoch auch zu kritischen Anmerkungen hinsichtlich der medizinischen Infrastruktur. Die stark gesunkene Zahl der Krankenkassen, die von über 1.800 in den 70er Jahren auf 95 im Jahr 2025 zurückgegangen ist, wirft Fragen auf. Auch die 2.400 Ärzte, die beim Medizinischen Dienst angestellt sind, werden oft als ineffizient wahrgenommen, was die Notwendigkeit von Reformen unterstreicht. Wie die Grünen in ihrer nächsten Veranstaltung am 18. November 2025 zum Thema „Krise am Pflegebett – Zukunft ohne Pflegekräfte?“ erneut betonen werden, steht die gesamte Gesundheitsversorgung unter Druck und bedarf einer grundliegenden Überarbeitung.