In einer Zeit, in der das Streaming von Filmen und Serien für viele zur Norm geworden ist, gibt es in Wittstock/Dosse eine kleine Oase für Filmfans: die Videothek von Bernd Richter. Die 73-jährige Institution befindet sich in der An der Rackstädt 14 und könnte die letzte ihrer Art in der Region sein. Im Umkreis von 50 Kilometern gibt es keine weitere Videothek, was die Bedeutung von Richters Geschäft noch verstärkt.

Seit 1992 betreibt Bernd Richter seine Videothek, die mit etwa 5000 Titeln, hauptsächlich auf DVD, aufwartet. Blu-rays sind ebenfalls im Angebot, während die klassischen VHS-Kassetten mittlerweile aus dem Sortiment verschwunden sind. Die Preise für die Ausleihe sind moderat: 3,10 Euro pro Tag für Filme, 2,50 Euro für Pornos und bis zu 3,50 Euro für Überlängen. Besonders gefragt sind Horror- und Actionfilme, während deutsche Filme, Komödien und Kinderfilme weniger beliebt sind. Trotz der digitalen Konkurrenz hat Richter tausende registrierte Kunden, auch wenn viele davon inaktiv sind. Rund zehn Stammkunden besuchen die Videothek regelmäßig, die täglich außer sonntags von 15 bis 20 Uhr geöffnet ist.

Ein Hobby mit Herz

Bernd Richter hat die Videothek nicht als Hauptgeschäft, sondern eher als Hobby ins Leben gerufen. Da sich die Videothek in seinem eigenen Haus befindet, entfallen Miet- und Lohnkosten, was ihm erlaubt, die Preise niedrig zu halten. Richter bezieht neue Filme vom Großhandel, die zwischen 25 und 40 Euro kosten. Dennoch stapeln sich im Keller alte Filme, die längst nicht mehr nachgefragt werden.

Im bundesweiten Vergleich ist die Situation alarmierend: Während 1991 noch etwa 9000 Videotheken in Deutschland existierten, sind es heute nur noch rund 50. Bibliotheken bieten ebenfalls DVDs an, doch die Nachfrage ist auch hier rückläufig. Die Zeiten, in denen Videotheken als soziale Treffpunkte für Filmfans dienten, scheinen der Vergangenheit anzugehören.

Nostalgie und soziale Funktion

Die Bedeutung von Videotheken geht jedoch über die reine Ausleihe von Filmen hinaus. In den 80er und 90er Jahren waren sie beliebte Orte für Jugendliche, die nicht nur Filme ausliehen, sondern auch soziale Kontakte knüpften. Filmwissenschaftler Nils Peiler hebt hervor, dass das Streaming die Filmwahl in die private Sphäre verlagert hat und die soziale Interaktion verloren geht. Die Präsentation von Filmen in Videotheken war kreativer, mit individuellen Hüllen und Postern, was die Auswahl oft zu einem Erlebnis machte.

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In Saarbrücken läuft derzeit das Projekt „Soyuz Video“ im Filmhaus, wo nostalgische Videotheken-Atmosphäre erlebbar wird. Videokassetten liegen in Regalen, und die Hüllen werden an der Theke ausgegeben. Für viele, wie die Teilnehmende Leonie Matheis, die zur „Generation Netflix“ gehört, ist dies eine spannende und interaktive Erfahrung. Die Rückkehr zu Videotheken könnte sowohl für Nostalgiker als auch für Neulinge eine interessante Möglichkeit bieten, Filme wieder auf die traditionelle Art auszuwählen und zu genießen.

Bernd Richters Videothek in Wittstock ist somit nicht nur ein Relikt aus vergangenen Tagen, sondern auch ein Beispiel für die anhaltende Liebe zur Filmkultur in einer sich schnell verändernden Welt. Wer mehr über die Videothek erfahren möchte, findet weitere Informationen auf der Website von Richter.

Für die Zukunft bleibt abzuwarten, ob solche kleinen Kinos und Videotheken in der digitalen Welt bestehen bleiben können oder ob sie letztendlich den Streamingdiensten weichen müssen. Doch solange es Menschen wie Bernd Richter gibt, die mit Leidenschaft bei der Sache sind, wird die Möglichkeit, Filme auf die alte Art auszuleihen, weiterhin bestehen.

Quellen: MAZ Online, Videotheken Online, ZDF Heute.