Bürgerversammlung in Berlinchen zur drohenden Schließung von Kindertageseinrichtungen
In der kleinen Gemeinde Berlinchen, Teil der Stadt Wittstock, wird am Mittwoch, den 18. Februar, um 19.30 Uhr eine Bürgerversammlung im Dorfgemeinschaftshaus stattfinden. Anlass ist die drohende Schließung der Kindertageseinrichtungen „Regenbogen“ in Berlinchen und „Villa Sonnenschein“ in Fretzdorf. Die Schließungspläne beruhen auf dem integrierten Schul- und Kita-Entwicklungsplan von Complan Kommunalberatung, der aufgrund der rückläufigen Einwohnerzahl und des sinkenden Bedarfs an Kita-Plätzen empfiehlt, diese Einrichtungen zu schließen. Die Versammlung wird von Mitgliedern der Ortsbeiräte, Abgeordneten der Stadtverordnetenversammlung Wittstock, Eltern, Großeltern und anderen Einwohnern besucht.
Die Kritiken an dem Plan sind laut und vielfältig. So äußert Fretzdorfs Ortsvorsteher Raimond Koop Bedenken und bezeichnet die Studie als „nicht nachvollziehbar und nicht durchdacht“. Auch die Ortsvorsteherin von Berlinchen, Astrid Struck, bemängelt die fehlende Transparenz seitens der Stadt. Bereits im Herbst 2022 kam es zu Protesten gegen die Schließungspläne, die von einer Petition und vielen Protestbriefen begleitet wurden. Die Bürgerversammlung soll nun offene Fragen klären, bevor am Mittwoch, den 25. Februar, um 19 Uhr die nächste Sitzung des Ortsbeirates im Dorfgemeinschaftshaus Berlinchen stattfindet. Hier werden die Themen Schließung der Kitas und die geplante Verlagerung der Hortbetreuung an den Standort Kita Waldring zum 1. August 2026 auf der Agenda stehen.
Hintergrund zur Kita-Landschaft in Deutschland
Die Problematik der Schließungen von Kitas ist nicht nur ein lokales Phänomen, sondern spiegelt einen bundesweiten Trend wider. In den letzten 20 Jahren hat sich in Deutschland der Trend zur Einrichtung von Familienzentren verstärkt. Diese Einrichtungen, oft unter verschiedenen Begriffen wie „Eltern-Kind-Zentren“ oder „Familienkitas“ bekannt, sollen sicherstellen, dass Kinder und ihre Familien ganzheitlich wahrgenommen und unterstützt werden. Laut dem Bundesverband der Familienzentren sind diese Einrichtungen besonders geeignet, um den Lebenslagen von Familien gerecht zu werden. Sie fungieren als Begegnungsorte, Bildungsstätten und Unterstützungszentren, die an nachbarschaftliche Lebenszusammenhänge anknüpfen.
Allerdings gibt es große Unterschiede in der Organisation und den bereitgestellten Mitteln, welche die Nachhaltigkeit der Ansätze in den verschiedenen Bundesländern beeinflussen. In zehn von 16 Bundesländern wird die Einrichtung von Familienzentren im Kita-Bereich durch Landesförderung unterstützt, was in Thüringen beispielhaft zu sehen ist. Diese Entwicklungen stehen im Kontrast zu den Schließungsplänen in Berlinchen und Fretzdorf, wo ein ganz anderer Bedarf an Betreuung und Unterstützung vermutet wird.
Statistische Grundlagen der Kindertagesbetreuung
Um die Diskussion um die Zukunft der Kitas zu untermauern, sind auch aktuelle statistische Erhebungen von Bedeutung. Das Statistische Bundesamt erhebt regelmäßig Daten zu Kindertageseinrichtungen, genehmigten Plätzen und betreuten Kindern. Ziel ist es, einen Überblick über das Angebot an Betreuung in Tageseinrichtungen zu erhalten und die personellen Voraussetzungen für den bedarfsgerechten Ausbau zu planen. Diese Daten sind besonders wichtig, da es einen gesetzlich festgelegten Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz für Kinder gibt und der Ausbau des Betreuungsangebots für unter Dreijährige vorangetrieben werden muss.
Die Erfassung aller Kinder in öffentlichen Einrichtungen und die Anzahl der tätigen Personen sind entscheidend für die Planung und Umsetzung von Betreuungsangeboten. Zusammen mit den Entwicklungen in der Kita-Landschaft und den aktuellen Protesten in Berlinchen und Fretzdorf zeigt sich ein komplexes Bild, das sowohl lokale Herausforderungen als auch bundesweite Trends in der Kindertagesbetreuung umfasst.
