Zukunft der medizinischen Versorgung in Wittstock/Dosse: Krankenhausbetrieb wird eingestellt, neue Konzepte in Planung
In Wittstock/Dosse stehen die gesundheitlichen Versorgungsstrukturen vor einer entscheidenden Zeitenwende. Die KMG Kliniken Nordbrandenburg haben beschlossen, den stationären Betrieb im Wittstocker Krankenhaus spätestens zum 1. Januar 2027 einzustellen. Dieser Schritt wirft Fragen zur zukünftigen medizinischen Versorgung auf, die sowohl die Bevölkerung als auch die politischen Akteure der Region beschäftigen. Dabei ist es ein zentrales Ziel der KMG, die notärztliche Versorgung am Standort aufrechtzuerhalten und ein ambulantes kardiologisches Angebot für Herzpatienten zu etablieren. Die regelmäßige Kontrolle von Herzschrittmachern und implantierten Defibrillatoren soll somit gesichert werden. Auch für Arbeits- und Wegeunfälle soll ein Arzt in der Region zur Verfügung stehen, bis die geplante Poliklinik oder das medizinische Versorgungszentrum (MVZ) eröffnet wird.
Bereits am 27. Februar sollen weitere Informationen über das Betreiberkonzept der Poliklinik bereitgestellt werden. Unklar bleibt jedoch, wie viele Arztsitze in der Poliklinik zur Verfügung stehen werden und wer letztlich als Betreiber fungieren wird. Die Uniklinik Neuruppin hat bereits ein Konzept für die Poliklinik präsentiert und betreibt seit 2022 ein Facharztzentrum nach dem Poliklinik-Prinzip. Der lokale Widerstand gegen die Veränderungen wird angeführt von Birgit Illgner, Sprecherin der Initiative „Wittstock zeigt Gesicht“, die eine Unterschriftenaktion plant, um auf die fehlende Freigabe der Arztsitze durch die Kassenärztliche Vereinigung aufmerksam zu machen.
Politische Dialoge und zukünftige Strategien
Im Rahmen der politischen Diskussionen haben Gesundheitsministerin Britta Müller und Bürgermeister Dr. Philipp Wacker in Potsdam über die Zukunft des Krankenhausstandorts Wittstock/Dosse gesprochen. Müller betonte, dass Wittstock nicht aus der Versorgungskarte Brandenburgs verschwinden dürfe und dass Veränderungen in den stationären Angeboten nur erfolgen sollten, wenn neue Versorgungsformen geschaffen werden. Sie kündigte die Einberufung eines Runden Tisches Anfang September an, um tragfähige Lösungen zu entwickeln. Dabei hat das Gesundheitsministerium seine aktive Teilnahme an dieser Diskussion zugesichert und will Gespräche mit der Geschäftsführung der KMG führen, um deren Verantwortung in der gesundheitlichen Versorgung zu betonen.
Ein zentrales Anliegen ist die dauerhafte Gewährleistung der Notfallversorgung. Wittstock ist nicht als Sicherstellungskrankenhaus eingestuft, was bedeutet, dass es nicht unter die Ausnahmeregelungen der aktuellen Krankenhausreform fällt. Die Landesregierung sieht hier Nachbesserungsbedarf auf Bundesebene, insbesondere für ländliche Standorte. Die aktuelle Gesetzgebung wird als unzureichend erachtet, und viele Akteure fordern gesetzliche Regelungen, um die Verzahnung von ambulanter und stationärer Versorgung zu verbessern.
Integration von ambulanter und stationärer Versorgung
Ein weiterer Aspekt in dieser Debatte ist das Konzept der „stambulanten“ Versorgung, das von Gesundheitsministerin Müller gefördert wird. Dieses Modell zielt darauf ab, ambulante und stationäre Leistungen an einem Ort zu kombinieren. Michael Zaske, Abteilungsleiter für Gesundheit, hebt hervor, dass die Trennung zwischen stationären und ambulanten Angeboten überwunden werden muss. Brandenburg plant daher eine engere Kooperation zwischen den beiden Sektoren, was zu einer verbesserten Patientenversorgung und effizienteren Abläufen führen soll.
Die Entwicklungen in Wittstock sind Teil eines größeren Trends, der die Notwendigkeit einer sektorenübergreifenden Versorgungsplanung betont. Ein gemeinsames Landesgremium hat die Einrichtung eines solchen Modells bis Ende 2024 gefordert. Diese Initiative soll nicht nur die Koordination zwischen den Gesundheitsakteuren verbessern, sondern auch die Patientensicherheit erhöhen. In diesem Kontext ist es entscheidend, dass die Region Wittstock in den Gesamtplan aufgenommen wird, um so auch die medizinische Grundversorgung vor Ort langfristig zu sichern.
Die Unsicherheiten über die Umsetzung des millionenschweren Projekts in Wittstock bleiben jedoch bestehen, und die politischen sowie finanziellen Rahmenbedingungen werden entscheidend sein für den Erfolg der geplanten Veränderungen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob es gelingt, die medizinische Versorgung in Wittstock nachhaltig zu gestalten und die Bevölkerung in der Region angemessen zu betreuen. Weitere Informationen zu den aktuellen Entwicklungen sind in einem Artikel auf maz-online.de zu finden.
