In der Prignitz sieht die Hochwassersituation dank eines trockenen Sommerhalbjahres 2025 glücklicherweise erfreulich aus. Der Pegel der Elbe befindet sich im Niedrigwasserbereich, sodass am 12. Juli 2025 der niedrigste Pegelstand von nur 70 cm am Pegel Wittenberge verzeichnet wurde. Diese Werte sind zwar nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, jedoch stark verbessert im Vergleich zu den extremen Trockenjahren 2018 und 2019, als das Wasser auf 66 und 68 cm sank. Die Stadt kann sich also bis dato entspannt zurücklehnen, allerdings bleibt die Stabilität der Deiche ein wichtiges Thema, das nicht unbeachtet bleiben sollte. Dabei ist die Deichschau des Brandenburger Landesamtes für Umwelt (LfU), die am 5. und 6. November 2025 durchgeführt wurde, von besonderer Relevanz.

Die Resultate dieser Deichschau waren durchwegs positiv. Die Zusammenarbeit mit den örtlichen Schafbetrieben sowie dem Wasser- und Bodenverband Prignitz erwies sich als klug, um die Grasnarbe zu schonen. Zudem sorgten die Niederschläge im Juli für eine Stabilisierung der Grasnarbe. Doch nicht alles ist rosig: Am Breeser Deich gibt es nach wie vor problematische Stellen, für die Bodenverbesserungsmaßnahmen und Nachstabilisierung eingeplant sind. Des Weiteren könnte eine Nachsaat an frisch sanierten Deichabschnitten in Mödlich und Wentdorf notwendig werden.

Sanierungsstatus und Herausforderungen

Während die Deichbauarbeiten in Wentdorf erfolgreich abgeschlossen wurden, bedarf es dennoch einer kritischen Betrachtung: Die Elbdeiche sind nahezu zu 100% grundhaft saniert für das alte Bemessungshochwasser (BHW) von 7,45 m. Allerdings entsprechen nur rund 32% der Deiche dem neuen BHW von 7,99 m, was einen klaren Verbesserungsbedarf in den kommenden Jahren aufzeigt. Hierbei wird der Sanierungsfortschritt durch einen Personalmangel beim LfU verlangsamt, denn derzeit ist nur eine Mitarbeiterin für die Baumaßnahmen zuständig. Es besteht die Sorge, dass der durchschnittliche Sanierungsumfang von 2,74 km pro Jahr nicht erreicht werden kann.

Bereits abgeschlossene Bauarbeiten in Müggendorf, Wentdorf und Mödlich sind positive Schritte in die richtige Richtung. In den nächsten Jahren stehen zudem wesentliche Sanierungsprojekte an, darunter der Ringdeich in Bälow sowie Unterhaltungsmaßnahmen am Breeser Deich, die für 2026 eingeplant sind. Betrachtet man die letzten 30 Jahre, konnte jedoch festgestellt werden, dass bereits viel in den Hochwasserschutz in der Prignitz investiert wurde. Insgesamt wurde der Elbdeich auf circa 70 km grundhaft saniert. Dennoch bleibt mehr als die Hälfte der Prignitzer Elbdeiche hinter den baulichen Anforderungen zurück.

Die Rolle von Vegetation und Klimawandelfolgen

Ein weiterer Aspekt, der enorme Wichtigkeit besitzt, ist der Einfluss von Vegetation auf die Deichsicherheit. Gehölz- und Strauchbewuchs kann die Standsicherheit gefährden. Wurzeln begünstigen eine Durchsickerung und verstärken die Oberflächenerosion. Überdies stellen umstürzende Bäume während starker Sturmereignisse eine direkte Bedrohung dar. Historische Fälle, wie die Schäden während des Elbehochwassers 2013, machen die Problematik deutlich. Es gibt ein Spannungsfeld zwischen dem Erhalt von Bäumen und der Sicherheit der Deiche, das nicht leicht zu lösen ist. Laut Brandenburgischem Wassergesetz müssen gefährliche Bewuchse und Gehölze im Sicherheitsstreifen konsequent entfernt werden, um die Deiche optimal zu sichern.

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In Anbetracht dieser Herausforderungen ist es unabdingbar, sich der Folgen des Klimawandels bewusst zu werden. Extremwetterereignisse wie Starkregen und Dürreperioden nehmen in Deutschland rasant zu. Umso wichtiger ist die Anpassung an diese Veränderungen und die Schaffung eines geeigneten Wassermanagements. Konzepte wie die „Schwammstadt“ gewinnen an Bedeutung, um Wasser besser zu speichern und in Dürrezeiten effizient nutzen zu können. Ein neues Klimaanpassungsgesetz, das Ende 2023 verabschiedet wurde, setzt die Weichen für eine langfristige Umsetzung von Anpassungsmaßnahmen in den Kommunen. So muss die Bundesregierung eine strategische Klimaanpassungsstrategie ausarbeiten, um die Risiken des Klimawandels wirksam zu minimieren.

Insgesamt steht die Prignitz vor der Herausforderung, den Hochwasserschutz auf weiterhin hohem Niveau zu gewährleisten und gleichzeitig den Bedingungen des Klimawandels Rechnung zu tragen. Es liegt viel an den Akteuren vor Ort, mit einem guten Händchen für die notwendigen Investitionen und nachhaltigen Lösungen zu sorgen.