Inmitten der pulsierenden Straßen Kreuzbergs, direkt am Kottbusser Tor, hat sich der Nachthafen der Johanniter als ein wahrer Lichtblick für obdachlose Menschen etabliert. Diese Anlaufstelle, die in den Räumlichkeiten der Reichenberger Straße 176 untergebracht ist, wurde geschaffen, um vor allem jenen zu helfen, die aufgrund von Suchterkrankungen oder Konsumdruck die regulären Hilfsangebote nicht in Anspruch nehmen können. Seit Jahresbeginn hat die Einrichtung bereits rund 20.000 Mal Hilfsbedürftige empfangen – eine Zahl, die nicht nur die Notwendigkeit, sondern auch den regen Zuspruch dieser Initiative verdeutlicht. Es ist wichtig zu betonen, dass diese Zahl nicht gleichbedeutend ist mit 20.000 unterschiedlichen Personen, da viele Menschen mehrmals Hilfe suchen.

Die Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) und Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann (Grüne) waren kürzlich vor Ort, um sich über die wertvolle Arbeit im Nachthafen zu informieren. Sie betonten die Wichtigkeit von Einrichtungen, die Suchthilfe und Wohnungslosenhilfe miteinander verknüpfen. Das Besondere am Nachthafen? Hier gibt es keine Schlafplätze, aber obdachlose Menschen können in einem geschützten Raum verweilen, wo sie mit Essen und Trinken versorgt werden und Unterstützung bei der Vermittlung in weiterführende Hilfsangebote erhalten. Tagsüber betreibt die gemeinnützige Gesellschaft Fixpunkt in denselben Räumen die Kontaktstelle Kotti, die Drogenkonsumräume und Beratungsangebote bereitstellt.

Ein Rundum-Service für die Bedürftigen

Der Nachthafen ist von 22:30 bis 6:30 Uhr geöffnet – sieben Tage die Woche. Die Idee ist, dass vor allem obdachlose Menschen aus dem Umfeld des Kottbusser Tors hier einen niedrigschwelligen Zugang zu Dienstleistungen erhalten. Neben warmen und kalten Getränken gibt es kleine Speisen wie Suppen und Sandwiches sowie Kleidung und Dinge des täglichen Bedarfs. Die Mitarbeitenden sind darauf geschult, akute Hilfebedarfe zu erfassen und schnellstmöglich Unterstützung zu leisten. Falls medizinische Hilfe benötigt wird, wird der Rettungsdienst alarmiert; auch die Polizei kann bei Übergriffen hinzugezogen werden.

Im ersten Projektzeitraum von dreieinhalb Monaten verzeichnete der Nachthafen über 14.000 Gastkontakte, was einem Durchschnitt von rund 4.000 pro Monat entspricht. Pro Nacht nutzen zwischen 70 und 100 unterschiedliche Gäste die Einrichtung. Das zeigt, wie groß der Bedarf an solchen Anlaufstellen in Berlin ist. Björn Teuteberg, Regionalvorstand der Berliner Johanniter, hat diese Entwicklung verdeutlicht: Der Schutzraum ist nicht nur für die Menschen wichtig, die kommen, sondern gibt auch ein Zeichen der Hoffnung.

Kältehilfe und ihre Bedeutung

Ein weiterer Aspekt, der die Notwendigkeit solcher Einrichtungen unterstreicht, ist die Kältehilfe in Berlin. Diese bietet obdachlosen Menschen unbürokratische Übernachtungsmöglichkeiten während der kalten Jahreszeit, die von Oktober bis April dauert. Diese Initiative wurde bereits 1989 ins Leben gerufen und sieht sich dem Ziel verpflichtet, Menschen vor dem Erfrierungstod zu bewahren. Zahlreiche Kirchengemeinden, Vereine und Initiativen engagieren sich hier, um Notübernachtungen, Nachtcafés und Suppenküchen anzubieten. Die Anonymität der Angebote ist ein weiterer Pluspunkt – niemand soll Angst haben, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

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Die Finanzierung dieser Projekte erfolgt durch Zuwendungen des Landes Berlin, Mittel der Liga der Wohlfahrtsverbände und Spenden. Die Koordinierungsstelle der Berliner Kältehilfe plant und entwickelt Standorte und koordiniert die Angebote im Auftrag der Senatsverwaltung für Soziales.

Die Zukunft des Nachthafens ist bis Ende 2026 gesichert und die Zusammenarbeit mit der Drogen- und Suchthilfe von Fixpunkt gGmbH, die seit Juni 2024 besteht, zeigt, dass man auf einem guten Weg ist. Das alles geschieht in einer Stadt, die ständig in Bewegung ist und wo das Bedürfnis nach solchen Hilfsangeboten ständig wächst. Und so bleibt der Nachthafen ein wichtiger Anker in der städtischen Landschaft – ein Platz der Zuflucht und der Hoffnung für viele.