Proteste gegen AfD-Landesparteitag in Prenzlau: Zivilgesellschaft mobilisiert sich für Demokratie und Vielfalt
Am 14. und 15. März 2026 findet der AfD-Landesparteitag in der Uckerseehalle in Prenzlau statt, und es werden Hunderte Mitglieder der AfD erwartet. Der Parteitag ruft jedoch nicht nur Parteigänger auf den Plan, sondern auch zahlreiche Gruppen, die mit Protestaktionen für Demokratie, Vielfalt und Toleranz auf die Straße gehen wollen. Die Vorbereitungen für diese Aktivitäten laufen bereits auf Hochtouren.
Am 14. März sind zwei bedeutende Kundgebungen geplant. Die VVN (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes) organisiert von 9 bis 15 Uhr eine Veranstaltung auf dem Parkplatz des Scherff-Gymnasiums, die Reden und Musik umfasst. Parallel dazu findet von 10 bis 15 Uhr auf dem Rathausvorplatz eine Kundgebung der Linken statt, die mit Reden und der Band BetterGut.Industries aufwartet. Zudem veranstalten die Grünen ein Stadtgespräch mit Landrätin Karina Dörk, für das eine Anmeldung per E-Mail erforderlich ist.
Proteste und Reaktionen
Der AfD-Fraktionschef Felix Teichner äußert sich besorgt über mögliche Gegenmaßnahmen und Vandalismus während des Parteitags. Bürgermeister Marek Wöller-Beetz hingegen hofft auf einen friedlichen Verlauf der Proteste. Die VVN hat klar Stellung bezogen und betont, dass die Region nicht rechtsextrem werden darf, und will die demokratische Grundordnung verteidigen. Die Linke fordert Menschlichkeit und soziale Gerechtigkeit, um dem Rechtsruck und der Spaltung der Gesellschaft entgegenzutreten.
Die Situation rund um den Parteitag erinnert an die Proteste, die am 8. März 2025 gegen einen AfD-Landesparteitag in Bad Fallingbostel stattfanden. Dort hatten sich rund 700 bis 900 Menschen vor der Heidmark-Halle versammelt, um unter dem Motto „Die Heide ist bunt“ auf die Straße zu gehen. Diese Kundgebung verlief ohne nennenswerte Zwischenfälle, was auf eine gut organisierte und friedliche Protestkultur hinweist. Prominente Redner wie die Klimaaktivistin Luisa Neubauer und lokale Politiker beteiligten sich an den Protesten und machten deutlich, dass die AfD nicht unwidersprochen bleiben kann.
Rechtsextremismus in Deutschland
Die AfD wird vom Verfassungsschutz Brandenburg als gesichert rechtsextremistisch eingestuft, und auch der AfD-Kreisverband Uckermark gilt als rechtsextremistisch. Statistiken zeigen, dass das Personenpotenzial für Rechtsextremismus in Deutschland Ende 2024 bei 50.250 Personen lag, ein Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren. Besonders alarmierend ist die Zunahme rechtsextremistischer Straftaten, die im Jahr 2024 auf 37.835 Fälle angestiegen sind, was einen Anstieg um 47,4% im Vergleich zu 2023 bedeutet.
Die Zahl der Gewaltorientierten unter den Rechtsextremisten betrug im Jahr 2024 etwa 15.300 Personen. Diese Zahlen verdeutlichen die ernsthafte Bedrohung, die von rechtsextremistischen Strukturen ausgeht. Die AfD selbst hat in den letzten Jahren eine neue Satzung beschlossen, die dem Vorstand die Möglichkeit einräumt, Kreisverbände aufzulösen. Dies ist Teil eines größeren Trends, in dem die Partei ihre Strukturen und Strategien nach dem Erfolg bei der Bundestagswahl weiter professionalisieren möchte.
In diesem Kontext sind die bevorstehenden Proteste in Prenzlau nicht nur eine Reaktion auf den Parteitag, sondern auch Teil eines größeren gesellschaftlichen Engagements gegen Rechtsextremismus und für eine demokratische und vielfältige Gesellschaft. Die kommenden Tage könnten daher nicht nur für die AfD, sondern auch für die Zivilgesellschaft in der Region entscheidend sein.
