In der Uckermark, genauer gesagt an der Weinbergstraße, schwingt die Vergangenheit mit jeder Mauer des ehemaligen Schulgebäudes mit. Ingrid Meyer, eine ehemalige Lehrerin, hat sich auf den Weg gemacht, um die Schule zu besuchen, die von 1980 bis 2010 als Bildungsstätte diente. Es ist ein Gefühl von Nostalgie in der Luft, wenn an diesem besonderen Tag der Baukultur viele Ehemalige, Familien und Interessierte zusammenkommen, um die leerstehenden Räume zu erkunden. Die Aula und der legendäre „Raum 205“ – sie waren einst Schauplätze für Prüfungen und Veranstaltungen, jetzt sind sie nur noch Schatten ihrer selbst.
Seit der Schließung steht das Gebäude leer – die Natur hat sich mit einer beharrlichen Hartnäckigkeit den Schulhof zurückerobert. Die Stadt hat das denkmalgeschützte Gebäude, ein echtes Beispiel des DDR-Schultyps „Erfurt TS 69“, in ihre Obhut genommen. Der Schutzstatus macht einen Abriss unmöglich, was vielen Anwohnern und ehemaligen Schülern ein Gefühl der Erleichterung verschafft. Doch die Stadt steht vor einer Herausforderung: Sie hat weder die finanziellen Mittel noch konkrete Nutzungsideen für das sanierungsbedürftige Gebäude mit seinen etwa 3.500 Quadratmetern Nutzfläche.
Eine Suche nach neuen Perspektiven
Die Verantwortlichen in der Stadt sind auf der Suche nach kreativen Nutzern für ein „gemeinwohlorientiertes Projekt“ am Standort. Martin Hansen, der die Arbeitsgruppe leitet, hat sich fest vorgenommen, die innovative Nachnutzung des denkmalgeschützten Schulgebäudes voranzutreiben. Besucher des Tags der offenen Tür zeigen sich begeistert von den Möglichkeiten, die dieses Gebäude bietet. Kulturelle, touristische und gemeinschaftliche Nutzungen stehen zur Diskussion. Architekten und Fotografen sind ebenfalls vor Ort und spinnen gemeinsam Ideen – von Mehrgenerationenwohnen über Werkstätten bis hin zu Ateliers und Bildungsangeboten. Klaus Schroeter, ein Stadtverordneter der SPD, bringt einen interessanten Vorschlag ein: eine Mischung aus Wohnen, Arbeiten und Begegnung.
Die Frist für Interessenbekundungen endet am 4. Juni. Doch angesichts des großen Besucherzuspruchs wird eine Verlängerung in Betracht gezogen. Ein weiterer Aspekt, der die Diskussion anheizt: In vier Jahren feiert die ehemalige Gesamtschule ihren 50. Geburtstag. Die Unsicherheit über die zukünftige Nutzung schwebt wie ein Damoklesschwert über dem Gebäude, das für viele eine prägende Rolle in ihrer Schulzeit gespielt hat.
Ein Blick über die Grenzen
Es ist interessant zu sehen, wie andere Städte mit ehemaligen DDR-Schulen umgehen. In Erfurt, zum Beispiel, wird das Sportgymnasium im Rahmen des Thüringer Schulbausonderprogramms „19 Schulen auf einen Streich“ saniert. Hier wird nicht nur renoviert, sondern auch aufgestockt und um einen fünfgeschossigen Erweiterungsbau ergänzt. So entsteht eine neue Sporthalle mit einer Mensa auf dem Dach. In Uckermark steht die Zeit dagegen still – zumindest bis jetzt. Der Vergleich zeigt, dass es auch anders gehen kann, wenn die Mittel und Ideen vorhanden sind.
Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz spielt eine wichtige Rolle, wenn es um den Erhalt von historischen Bauten geht. Sie unterstützt Eigentümer, die den Erhalt von Denkmälern nicht alleine bewältigen können. Jährlich werden rund 600 Sanierungsprojekte gefördert, und das nicht nur in großen Städten, sondern auch in kleineren Gemeinden wie Uckermark. Es bleibt zu hoffen, dass die Stadt und die Bürger gemeinsam einen Weg finden, das denkmalgeschützte Schulgebäude zu revitalisieren und ihm eine neue Zukunft zu schenken.