Die Ölraffinerie PCK in Schwedt hat sich über Jahre hinweg als ein zentraler Pfeiler der ostdeutschen Bauindustrie etabliert. 2021 produzierte die Raffinerie noch beeindruckende 4.108.450 Tonnen Bitumen, ein Material, das nicht nur für den Straßenbau, sondern auch für die Abdichtung von Gebäuden unverzichtbar ist. Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache: 2022 sank die Produktion auf 3.671.646 Tonnen und 2023 sogar auf 3.109.720 Tonnen. Mit Blick auf 2024 wird eine Stabilisierung auf 3.287.531 Tonnen und für 2025 auf 3.220.159 Tonnen prognostiziert. Dennoch bleibt die Produktion weiterhin unter den Vorkriegszahlen.
Ein entscheidender Faktor für die aktuelle Situation ist der drohende Stopp des kasachischen Schweröls ab dem 1. Mai. Dr. Robert Momberg, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes Ost, äußert Bedenken über mögliche kurzfristige Versorgungsengpässe. Diese Entwicklung könnte nicht nur die Raffinerie selbst, sondern auch die gesamte ostdeutsche Bauindustrie erheblich treffen. Die Versorgung erfolgt zwar nicht ausschließlich über Schwedt, sondern auch über Standorte wie Karlsruhe und Brunsbüttel sowie internationale Lieferketten, dennoch bleibt Schwedt aufgrund der kurzen Transportwege und der etablierten Strukturen zentral für den Markt.
Steigende Preise und Unsicherheiten
Die Unsicherheit rund um die Rohölversorgung hat bereits zu einem Anstieg der Bitumenpreise geführt. Von Februar bis März 2026 stieg der Preis um 36,4 Prozent, was auf die globalen Spannungen, insbesondere den Iran-Konflikt und die Situation in der Straße von Hormus, zurückzuführen ist. Unternehmen berichten von Mehrkosten, aufgekündigten Preisbindungen und unsicheren Lieferbedingungen, die sich direkt auf die Baukosten auswirken. Für den Bau von einem Kilometer Bundesautobahn mit zwei Fahrstreifen werden rund 500 Tonnen Bitumen benötigt – eine enorme Menge, die bei den aktuellen Entwicklungen schwer zu beschaffen sein könnte.
Der Druck auf den Bund wächst, insbesondere in Bezug auf Stoffpreisgleitklauseln. Unternehmen müssen ihre Angebotspreise anpassen oder Risikoaufschläge einkalkulieren, was die Situation weiter verschärfen könnte. Die Mehrheitseigner der PCK-Raffinerie, Rosneft Deutschland und der Bund, sind bereits auf der Suche nach Lösungen, um die Anlagenauslastung und die Treibstoffproduktion zu sichern. Ein klarer Handlungsbedarf ist spürbar, um die Bauindustrie in Ostdeutschland nicht ins Stocken zu bringen.
Ein Blick auf die Statistiken
Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) spielt eine wichtige Rolle in diesem Kontext, da es monatliche Statistiken über den Handel, die Produktion und den Bestand von Mineralöl in Deutschland veröffentlicht. Allerdings ist die Qualität der Veröffentlichungen derzeit nicht sichergestellt, und die Veröffentlichung der amtlichen Mineralöldaten ist vorerst ausgesetzt. Die Datenerhebungen sind jedoch unerlässlich für die nationale und internationale Krisenvorsorge.
In Anbetracht der aktuellen Entwicklungen, die durch die geopolitischen Spannungen und die Unsicherheiten auf dem Rohölmarkt geprägt sind, bleibt abzuwarten, wie die Bauindustrie in Ostdeutschland reagieren wird. Die kommenden Monate könnten entscheidend für die Zukunft des Bitumenmarktes und damit der gesamten Branche sein.