Heute ist der 11.05.2026 und die Stimmung in Schwedt/Oder könnte nicht gemischter sein. An einem Ort, der so stark von der PCK-Raffinerie geprägt ist, spürt man die Unsicherheit, die durch den Lieferstopp von Öl aus Kasachstan entstanden ist. Die Raffinerie, die fast ein Viertel ihres Bedarfs aus diesen Quellen deckte, muss nun ohne diese wichtige Zufuhr auskommen – ein Schock für die Region, die auf ihre größte Arbeitsstelle angewiesen ist. Katherina Reiche, die Bundeswirtschaftsministerin, hat sich heute persönlich ein Bild von der Lage gemacht. Die Sorgen der rund 1.200 Mitarbeiter sind spürbar, und die Worte von Betriebsratsvorsitzendem Danny Ruthenberg klingen wie ein Hilferuf in die politische Landschaft.
Die Druschba-Pipeline, über die die Öl-Lieferungen flossen, ist wegen „technischer Probleme“ abgestellt worden. So einfach lässt sich das allerdings nicht abtun. Die Vorräte in Schwedt reichen noch bis Juni 2026 für einen Betrieb zu 80%, aber was danach kommt, bleibt ein Rätsel. Die Raffinerie versorgt nicht nur Brandenburg und Berlin, sondern auch Mecklenburg-Vorpommern und Teile des Nordwestens Polens mit Benzin, Diesel und Heizöl. Besonders brisant: Der Flughafen BER wird vollständig mit Kerosin aus Schwedt beliefert. Ein Ausfall hier hätte gravierende Folgen.
Hoffnung auf alternative Rohölquellen
Doch es gibt auch positive Nachrichten. Brandenburgs Wirtschaftsministerin Martina Klement (CSU) berichtet von ermutigenden Gesprächen mit Polen, die möglicherweise helfen können, die Lieferungen schnell wieder in Gang zu bringen. PERN plant sogar, die bisherigen Rohöllieferungen an Schwedt zu verdoppeln – mit einer zusätzlichen Kapazität von zwei Millionen Tonnen jährlich. Das klingt vielversprechend, doch die Pipeline aus Rostock ist bereits ausgelastet. Die Regierung sieht sich daher auch der Kritik gegenüber, dass beim Ausbau dieser Infrastruktur nicht genug Fortschritte gemacht wurden.
Die Ängste der Schwedter Bürger sind nicht unbegründet. Die Raffinerie ist der größte Arbeitgeber der Region, und jede Unsicherheit schürt Sorgen um die eigene Existenz. Einige Anwohner sind optimistisch und glauben fest daran, dass alternative Rohölquellen gefunden werden können, während andere in puncto Zukunft der Raffinerie eher skeptisch sind. Andreas Schröder, ein Energieexperte von ICIS, warnt zudem vor kurzfristigen Preissteigerungen für Öl, was die ohnehin angespannten Nerven weiter strapaziert.
Politische Besuche und Fördermittel
Zusätzlich zu diesen Herausforderungen wird heute auch ein Fördermittelbescheid in Höhe von 250 Millionen Euro für ein Projekt zur Herstellung klimaneutraler Flugkraftstoffe übergeben. Ein Schritt, der in der aktuellen Lage wie ein Lichtblick wirkt, auch wenn die PCK-Raffinerie zu 54% im Besitz des russischen Staatskonzerns Rosneft ist. Das macht die Subventionierung durch die EU zu einer heiklen Angelegenheit.
Wenn man durch die Straßen von Schwedt schlendert, spürt man die Ambivalenz der Menschen. Die Sorgen um Arbeitsplätze und die Zukunft der Raffinerie stehen im Kontrast zu einem leisen Hoffnungsschimmer, der durch die Gespräche mit Polen und die neuen Fördermittel entsteht. Ob das alles ausreicht, um die Ängste zu zerstreuen? Das bleibt abzuwarten. Aber eines ist sicher: Schwedt ist ein Ort im Wandel, und die kommenden Monate könnten entscheidend sein.