Schwedt in der Ölkrise: Kasachstans Wendepunkt für die PCK-Raffinerie
Die Lage rund um die PCK-Raffinerie in Schwedt ist alles andere als einfach. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat sich auf den Weg nach Kasachstan gemacht, um dort die Rohölimporte zu sichern. Denn die Raffinerie, die für die Energieversorgung in Ostdeutschland von zentraler Bedeutung ist, benötigt weiterhin rund 20 % ihrer Rohölimporte aus Kasachstan. Die Druschba-Pipeline, die die Verbindung zu Russland herstellt, wurde im Mai blockiert. Ein echter Schock für alle Beteiligten!
Aktuell hat das kasachische Energieministerium bekannt gegeben, dass die Ölmengen umverteilt wurden. So sollen 100.000 Tonnen über Ust-Luga in Russland und 160.000 Tonnen über das Kaspische Pipeline-Konsortium (CPC) transportiert werden. Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit. Kasachstan arbeitet seit Beginn des Ukrainekriegs an einer Neuausrichtung seiner Exportlogistik, und das ist kein leichtes Unterfangen. Schließlich laufen rund 80 % der kasachischen Ölexporte über das CPC, das durch russisches Staatsgebiet führt. Und nach ukrainischen Angriffen auf die Infrastruktur um Noworossijsk hat Kasachstan beschlossen, die Risiken besser zu steuern.
Die Druschba-Pipeline: Ein alter Bekannter
Die Druschba-Pipeline, die zwischen 1959 und 1964 erbaut wurde, verbindet russische und kasachische Ölfelder mit Raffinerien in Ost- und Mitteleuropa. Sie hat zwei Hauptstränge: Der Nordstrang führt über Belarus nach Polen und Deutschland und versorgt unter anderem die PCK-Raffinerie in Schwedt. Der Südstrang hingegen verläuft über die Ukraine nach Ungarn und Tschechien. Ein dritter Strang führt von der Gabelung in Belarus nach Lettland und Litauen. Damit ist die Pipeline für die Rohölversorgung mehrerer europäischer Länder von zentraler Bedeutung.
Die russische Regierung hat den Öl-Lieferstopp, der ab dem 1. Mai in Kraft tritt, mit technischen Schwierigkeiten begründet. Doch die genauen Ursachen bleiben unklar. Kasachstans Energieminister vermutet, dass Schäden an der russischen Infrastruktur durch ukrainische Angriffe eine Rolle spielen könnten. Deutschland bezieht mittlerweile kein Öl mehr direkt aus Russland. Stattdessen ist man auf Kasachstan angewiesen, dessen Öl durch Russland transportiert wird. Ein echtes Dilemma für die Bundesregierung und die brandenburgische Landesregierung, die dennoch betonen, dass die Versorgung in Deutschland nicht gefährdet sei.
Alternative Wege und Herausforderungen
Die PCK-Raffinerie kann vorerst mit Reserven arbeiten und hat eine Auslastung von etwa 80 Prozent. Doch was kommt danach? Brandenburgs Ministerpräsident plant, alternative Ölmengen über den Hafen Danzig zu beschaffen. Kasachstan wird zudem 260.000 Tonnen Öl, die ursprünglich für die PCK-Raffinerie bestimmt waren, über russische Ölhäfen umleiten. Die Raffinerie verarbeitet jährlich 10 Millionen Tonnen Rohöl, wobei 20 Prozent aus Kasachstan stammen. Ein echtes Puzzle, das es zu lösen gilt!
Die Situation wird noch komplizierter durch den Wasserstand des Kaspischen Meeres, der in den letzten 20 Jahren um rund zwei Meter gesunken ist. Dies betrifft den Hafen Aktau, der für den Export entscheidend ist. Kasachstan investiert Milliarden in neue Exportwege, wie den Ausbau des Hafens Aktau und den Mittleren Korridor zwischen China und Europa, der bis 2030 von 4,5 Millionen auf 20 Millionen Tonnen Fracht wachsen soll. Ein ehrgeiziges Projekt, das Jahre in Anspruch nehmen könnte.
Inmitten all dieser Herausforderungen bleibt die Frage, wie sich die Lieferstopps und Umleitungen auf die Spritpreise auswirken werden. Kurzfristig sind in Berlin und Brandenburg keine Preiserhöhungen zu erwarten, aber langfristig könnte der Lieferstopp zu höheren Preisen führen. Das könnte für die Autofahrer in der Region eine echte Herausforderung werden.
