Die Situation in der Notaufnahme des Stadtkrankenhauses in Korbach spitzt sich zu. Immer wieder berichten Mitarbeitende von Übergriffen, die das Arbeitsumfeld erheblich belasten. Nicole Peiran, die stellvertretende Leiterin der Notaufnahme, hebt hervor, dass insbesondere nachts und an Wochenenden das Gewaltpotenzial erheblich steigt. Sie schildert, dass nicht nur die körperliche Gesundheit der Beschäftigten gefährdet ist, sondern auch deren psychische Belastung durch ständige verbale Angriffe. „Es ist eine Ausnahmesituation, die wir so nicht länger hinnehmen können“, sagt sie, und man merkt ihr die Sorgen an. Um dem entgegenzuwirken, wird nun eine Befragung unter den Mitarbeitenden durchgeführt, um den Einsatz von Bodycams zu prüfen. Ein Schritt, der vielleicht helfen könnte, dieses explosive Klima zu entschärfen.

Die Klinikleitung hat bereits festgestellt, dass eine überwiegende Mehrheit der Angestellten den Einsatz von Bodycams befürwortet. Das zeigt, wie sehr die Menschen an vorderster Front eine Veränderung herbeisehnen. Die rechtlichen Rahmenbedingungen müssen jedoch noch geklärt werden, und die Zustimmung des Betriebsrats steht auch noch aus. Datenschutz ist schließlich ein Thema, das nicht einfach ignoriert werden kann. Die Diskussion steht also noch am Anfang. Dennoch – die Notaufnahme in Bad Arolsen wurde geschlossen und hat zu einem Anstieg der Patientenzahlen in Korbach geführt. Für 2023 rechnet das Stadtkrankenhaus mit rund 18.000 Patienten, wobei monatlich etwa 1.500 Behandlungen in der Zentralen Notaufnahme stattfinden.

Gewalt an Kliniken: Ein zunehmendes Problem

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Im Jahr 2025 wurden in Hessen 189 Klinikangestellte Opfer von Gewalt, darunter 34 Ärzte und 155 Pflegekräfte. Eine Umfrage der Deutschen Krankenhausgesellschaft zeigt, dass 73% der Krankenhäuser einen Anstieg von Übergriffen melden. Besonders häufig kommen solche Übergriffe in Notaufnahmen vor. Oft sind es die langen Wartezeiten und der damit einhergehende Respektverlust, die die Gemüter erhitzen. In Korbach berichten Mitarbeitende von täglichen verbalen Angriffen, die unverhofft und ohne Vorwarnung über sie hereinbrechen. Das ist kein Zustand, den man einfach hinnehmen kann!

Um die Situation zu entschärfen, setzt Korbach seit vier Jahren auf Sicherheitsdienste, die vor allem nachts und an Wochenenden präsent sind. Auch Deeskalationstrainings sind ein Teil des Plans, um das Personal auf den Umgang mit aufgebrachten Patienten vorzubereiten. „Manchmal hilft es, einfach ruhig zu bleiben und zuzuhören“, so eine Krankenschwester. Doch auch das kann nicht immer die Wogen glätten. Langfristig fordert Peiran strukturelle Lösungen im Gesundheitswesen, um die Anzahl der Patienten in Notaufnahmen zu reduzieren. Schließlich liegt die Frustration oft im Übermaß an Wartenden und dem Druck, der auf dem Personal lastet.

Bodycams als mögliche Lösung?

Bodycams wurden zuletzt in Dortmund getestet, wo sie zur Deeskalation aggressiver Situationen eingesetzt wurden. Das Pilotprojekt ist mittlerweile beendet, aber die Erfahrungen daraus könnten wertvolle Erkenntnisse für Korbach bringen. Die Frage bleibt, ob diese Technologie tatsächlich dazu beitragen kann, die Situation zu verbessern, oder ob sie nur eine kurzfristige Lösung darstellt. Das Ganze muss auch mit der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und dem Bundesdatenschutzgesetz in Einklang gebracht werden. Es bleibt also spannend, wie die Diskussion über Bodycams in Korbach weitergeht.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Die Entwicklung in den Kliniken ist symptomatisch für ein größeres Problem im Gesundheitswesen. Der Druck auf das Personal wächst, während die Zahl der Patienten steigt. Wenn nicht bald umfassende Lösungen gefunden werden, könnte die Gewalt in Kliniken zur Normalität werden – und das wäre für alle Beteiligten ein absolutes No-Go. Ein Umdenken ist gefragt, um den Beschäftigten die notwendige Sicherheit und Unterstützung zu bieten, die sie verdienen.