Gestern, am Herrentag, kam es in Neuenhagen bei Berlin zu einem größeren Polizeieinsatz, der für viele eine unschöne Überraschung darstellte. Eine Gruppe von bis zu 30 Fußballfans machte in einem Lokal in der Eisenbahnstraße ordentlich Rabatz und belästigte die Gäste. Um 13:30 Uhr gingen die ersten Notrufe bei der Polizei ein, die von Unruhe und dem Bedrängen der Anwesenden berichteten. Und als die ersten Einsatzkräfte eintrafen, bot sich ihnen ein Bild, das alles andere als friedlich war – verbal aggressive Personen, zerbrochene Bierflaschen und eine Stimmung, die alles andere als entspannt war.

Dank der bereits vorher verstärkten Polizeipräsenz konnte die Situation schnell unter Kontrolle gebracht werden. Anwesende wurden kontrolliert und auf gefährliche Gegenstände durchsucht. Die Ermittlungen ergaben schnell, dass die Gruppe anscheinend zur Fußballszene gehörte. Die Polizeiinspektion Märkisch-Oderland, die Direktion Besondere Dienste und die Bundespolizei standen im Einsatz und verhinderten damit größere Ausschreitungen sowie eine Störung des öffentlichen Friedens. Schließlich wurde die Gruppe zu einer Veranstaltung im Landkreis Märkisch-Oderland begleitet. Trotz der angespannten Lage blieb die Situation durch die starke Polizeipräsenz ruhig.

Ein größeres Problem

Diese Vorfälle sind jedoch Teil eines größeren Problems, das sich seit einiger Zeit im deutschen Fußball anbahnt. Die Gewalt zwischen Polizei und Fans eskaliert zunehmend. Jochen Kopelke, der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft GdP, äußert sich alarmiert über die Situation. Er spricht nicht nur von der hohen Anzahl an Verletzten an Spieltagen, sondern auch von der Notwendigkeit, endlich aktiv zu werden, um weitere Eskalationen zu verhindern. Obwohl die meisten Spiele friedlich verlaufen, gibt es immer wieder Grenzüberschreitungen, die es zu bekämpfen gilt.

Ein besonders auffälliger Vorfall ereignete sich im Januar bei der Zweitligapartie zwischen dem 1. FC Magdeburg und Dynamo Dresden – dort wurden 70 Beamte verletzt. Auch der FC Magdeburg musste für die Ausschreitungen tief in die Tasche greifen und erhielt eine Strafe von über 185.000 Euro. Doch nicht nur die Fans sind in der Kritik, auch die Polizei wird für ihre Einsätze immer wieder hinterfragt. Gabriel Schramm von den Fanhilfen fordert die Polizei auf, ihre Taktiken zu überdenken. Die gegenseitigen Schuldzuweisungen zwischen Fans und Polizei tragen nicht zur Lösung bei.

Ein verlorenes Vertrauen

Die aktuelle Saison hat bereits gezeigt, dass es bei 17 Fußballspielen zu Gewalteskalationen zwischen Fans und Polizei kam. Oliver Wiebe vom Dachverband der Fanhilfen kritisiert die Polizei für ihre eskalierenden Einsätze, die seit dem Ende der Corona-Beschränkungen zugenommen haben. Viele Fanhilfen bieten mittlerweile ehrenamtlich rechtliche Beratung für Fans an, die in Konflikten mit der Polizei stecken. Es wird berichtet, dass kleine Konflikte oft zu massiven Polizeimaßnahmen hochgeschaukelt werden.

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Jochen Kopelke und andere Experten fordern einen Dialog zwischen allen Beteiligten, um die Situation zu entschärfen. Die Innenminister der Länder drängen auf schärfere Maßnahmen gegen Fangewalt, während Fans und Klubs viele dieser Vorschläge ablehnen. Ein weiteres Problem liegt in der Übertragung von Polizeikosten auf Vereine bei Hochrisikospielen – eine Maßnahme, die nicht überall gut ankommt und die Zusammenarbeit zwischen Polizei und Fans weiter belasten könnte.

Die Situation ist angespannt, und es bleibt abzuwarten, wie sich die Dinge entwickeln werden. Ob die verschiedenen Akteure bereit sind, an einem Strang zu ziehen und Lösungen zu finden, steht in den Sternen. Eines ist sicher: Die Diskussion über die richtige Handhabung von Fangewalt und Polizeieinsätzen ist längst überfällig.