Die Mondreise: Auf der Suche nach dem verlorenen Selbst zwischen Erde und Mond
Im Herzen von Frankfurt, im Produktionshaus Naxos, wird ein ganz besonderes Theaterstück vorbereitet: „Die Mondreise“. Die kreative Schaffenskraft von Chiara Marcassa, die nicht nur als Autorin, sondern auch als Regisseurin und Darstellerin agiert, bringt frischen Wind auf die Bühne. Das Stück ist in Zusammenarbeit mit dem Nemetski-Theater in Almaty, Kasachstan, entstanden und behandelt die berührende Reise einer Frau, die auf den Mond fliegt, um auf der Suche nach sich selbst und ihrem Verstand etwas zurückzuholen, das sie auf der Erde verloren hat.
Die Inspiration für die Handlung entspringt der berühmten Erzählung von Ludovico Ariosto, „Rasendem Roland“, in der alles, was auf der Erde verloren geht, seinen Platz auf dem Mond findet. Chiara Marcassa, die 1997 in Treviso, Italien, geboren wurde und seit 2017 in Deutschland lebt, hat sich durch ihr Studium der Angewandten Theaterwissenschaften in Offenbach einen Namen gemacht. Die mehrsprachige Ausrichtung des Nemetski-Theaters entspricht ihrem Interesse an kultureller Diversität, da es Stücke in Deutsch, Russisch und Kasachisch präsentiert.
Ein-Personen-Stück mit internationalem Flair
Ursprünglich war eine Aufführung im Nemetski-Theater geplant, doch diese scheiterte an fehlenden Fördermitteln. Aus der Not wurde eine Tugend: „Die Mondreise“ entwickelte sich zu einem Ein-Personen-Stück, in dem Chiara Marcassa die Hauptrolle übernimmt. Unterstützt wird sie von einem engagierten Team, darunter Dramaturg Christopher Krause und technische Mitarbeiter, die dazu beitragen, dass das Stück auch visuell beeindruckend wird. Es ist sogar denkbar, dass Videoaufnahmen von drei kasachischen Schauspielerinnen in die Inszenierung integriert werden, was dem Stück eine zusätzliche Dimension verleiht.
Die Premiere findet am Donnerstag, den 30. April, um 20 Uhr im Produktionshaus Naxos statt, gefolgt von weiteren Aufführungen am 7. und 8. Mai, ebenfalls um 20 Uhr. Karten sind online erhältlich unter produktionshausnaxos.de.
Mehrsprachigkeit als Ausdruck sozialer Diversität
Die Thematik der Mehrsprachigkeit, die auch in „Die Mondreise“ eine Rolle spielt, ist ein zentrales Merkmal zeitgenössischer Dramatik. Insbesondere in Deutschland, wo trotz der Präsenz von sieben gesetzlich anerkannten Minderheitensprachen oft eine Einsprachigkeit vorherrscht, wird mehrsprachige Theaterarbeit immer wichtiger. Sivan Ben Yishai, die 2022 den Mülheimer Dramatikpreis für ihr Stück „Wounds Are Forever“ erhielt, zeigt eindrucksvoll, wie Mehrsprachigkeit die Diversität in der Gesellschaft widerspiegelt. Ihr Stück integriert Hebräisch, Englisch, Deutsch, Jiddisch und Arabisch und thematisiert komplexe historische Zusammenhänge.
Ein weiterer Aspekt, der die mehrsprachige Theaterarbeit prägt, ist das sogenannte Code-Switching, das von mehrsprachigen Schauspielerinnen beherrscht wird. Diese Fähigkeit ermöglicht es, unterschiedliche Perspektiven zu vermitteln und verschiedene Wahrnehmungen im Publikum zu erzeugen. Mehrsprachige Inszenierungen können zudem soziale Hierarchien und Machtverhältnisse thematisieren, was nicht nur den künstlerischen Wert erhöht, sondern auch zur gesellschaftlichen Diskussion anregt.
Insgesamt zeigt sich, dass die Zukunft des Theaters durch neue Sprachen und kulturelle Einflüsse geprägt wird. Die Zusammenarbeit zwischen Autorinnen, Übersetzerinnen und Schauspielerinnen ist entscheidend für den Erfolg mehrsprachiger Produktionen. „Die Mondreise“ ist ein aufregendes Beispiel dafür, wie Theater nicht nur unterhalten, sondern auch wichtige kulturelle und soziale Themen ansprechen kann.
