In der Stadt Eisenhüttenstadt wurde kürzlich der Brandenburger Arbeitsschutzbericht 2025 vorgestellt, der spannende Einblicke in die aktuelle Situation der Arbeitssicherheit in Brandenburg bietet. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 1.949 Unternehmen überprüft, was einen Anstieg von 73 Kontrollen im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Dabei stieg die Zahl der festgestellten Mängel auf alarmierende 7.390, was 1.040 mehr als im Jahr 2024 entspricht. Trotz dieser besorgniserregenden Zahlen ist die Anzahl der eingeleiteten Ordnungswidrigkeitenverfahren von 444 auf 368 gesunken und die förmlichen Anordnungen halbierten sich nahezu von 149 auf 87.
Das Landesamt für Arbeitsschutz setzt vermehrt auf sofortige Korrekturen, insbesondere in der Baubranche, die als risikoreichster Sektor gilt. Hier stiegen die Baustellenbesuche von 522 auf 652. Besonders in der Region Dahme-Spreewald wächst der Kontrolldruck aufgrund der zunehmenden Logistik- und Technologiezentren. Mit nur 51 Gewerbeaufsichtsbeamten für etwa 63.700 bis 64.000 Betriebe in Brandenburg ist es eine Herausforderung, den Überblick zu behalten. Brandenburger Firmen geben im Durchschnitt 2,4 Prozent ihrer Gesamtkosten für Arbeitssicherheit aus, ein Zeichen dafür, dass das Thema zwar ernst genommen wird, aber noch erhebliches Verbesserungspotenzial besteht.
Psyche am Arbeitsplatz im Fokus
Ein neues Thema wird in diesem Bericht erstmals ausführlich behandelt: die psychische Gesundheit am Arbeitsplatz. Eine Umfrage der DGUV unter über 2.000 Beschäftigten zeigt, dass 50% sich durch die Arbeitsorganisation belastet fühlen, während 35% unter dem Arbeitsinhalt leiden. Soziale Konflikte werden von 29% als Stressfaktor benannt, und 45% sehen hohe Arbeitsbelastung und Zeitdruck als Unfallursache. Psychische Erkrankungen stellen mittlerweile den häufigsten Grund für Langzeitausfälle dar, und besorgniserregend ist, dass 67,2% der Beschäftigten schon krank zur Arbeit gegangen sind – ein Phänomen, das als Präsentismus bekannt ist.
Gesundheitsminister Warken hat bereits die Einführung der Teilkrankschreibung geplant, um diesen Trend zu bekämpfen. Laut DAK-Daten wurden im Jahr 2025 durchschnittlich 19,5 Fehltage pro Person verzeichnet. Auf EU-Ebene müssen bis Ende 2026 alle Mitgliedstaaten eine digitale Brieftasche einführen, um Bürokratie abzubauen – ein Schritt, der auch im Kontext der psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz von Bedeutung ist.
Gesundheitsförderung als Pflicht
Die Herausforderungen der modernen Arbeitswelt, geprägt durch Wandel und Digitalisierung, führen zu erhöhtem Stress und Belastungen. Arbeitgeber sind gesetzlich verpflichtet, gesundheitsfördernde Arbeitsbedingungen zu schaffen. Hierbei spielt die Gefährdungsbeurteilung, die auch psychische Belastungen berücksichtigt, eine zentrale Rolle. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat bereits 2017 die Rolle der Arbeitsgestaltung für die psychische Gesundheit untersucht und Empfehlungen zur Berücksichtigung psychischer Belastungen in der Gefährdungsbeurteilung veröffentlicht.
Das Thema psychische Gesundheit ist somit nicht nur ein dringendes Anliegen, sondern auch gesetzlich verankert. Viele Unternehmen bieten bereits freiwillige betriebliche Gesundheitsförderung an, um psychische Belastungen zu reduzieren. Dazu gehören beispielsweise Kurse zur Stressbewältigung und Schulungen für Führungskräfte. Diese haben eine besondere Verantwortung für das Arbeitsklima und sollten Herausforderungen im Team erkennen und gemeinsam Lösungen finden.
Gemeinsam für ein gesundes Arbeitsumfeld
Die Verantwortung für ein gesundes Arbeitsumfeld tragen sowohl Arbeitgeber als auch Beschäftigte. Offene Kommunikation über psychische Belastungen hilft, Probleme frühzeitig zu erkennen und zu verhindern. Beschäftigte können ihre psychische Gesundheit aktiv stärken, indem sie gesunde Gewohnheiten pflegen, wie beispielsweise kurze Spaziergänge in der Mittagspause oder das Setzen von Grenzen.
Das Thema psychische Gesundheit ist für die Leistungsfähigkeit, Motivation und Zufriedenheit im Berufsalltag von größter Bedeutung. Ein ganzheitlicher Ansatz, wie ihn die Offensive Psychische Gesundheit verfolgt, kann helfen, die Akteure besser zu vernetzen und zu unterstützen. In diesem Sinne ist es wichtig, die psychische Gesundheit am Arbeitsplatz als gemeinsames Ziel zu betrachten und aktiv an der Verbesserung der Bedingungen zu arbeiten. Für weitere Informationen zum Thema psychische Gesundheit am Arbeitsplatz lohnt sich ein Blick auf die Website des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales.