Missstände in Entenmastbetrieb in Brandenburg: Animal Rights Watch dokumentiert schwere Tierschutzverletzungen
Im brandenburgischen Schwerin hat die Tierschutz-Organisation Animal Rights Watch (Ariwa) alarmierende Missstände in einem Entenmastbetrieb dokumentiert. Bei einer umfassenden Untersuchung wurden rund 1900 Delikte gegen die Enten festgestellt, die in der Anlage unter unmenschlichen Bedingungen gehalten werden. Die neuen Aufnahmen zeigen systematische Gewalt gegen die Tiere, darunter mehr als 1400 Tritte, über 300 Würfe und rund 200 Fälle von grobem Anpacken, die als schwerwiegende Verstöße gegen das Tierschutzgesetz eingestuft werden. Ein besonders schockierendes Detail ist, dass eine schwere Buchtwand gegen Gruppen von Enten geschleudert wurde, wobei mindestens eine Ente verletzt wurde. Trotz dieser schweren Vorwürfe hat der Betrieb weiterhin seine Tätigkeit fortgesetzt, was Ariwa als Versagen der zuständigen Behörden kritisiert.
Die Organisation hat erneut Strafanzeige gegen den Betrieb gestellt, da sich die Zustände seit 2023 nicht geändert haben. Eine tierärztliche Beurteilung des Videomaterials hat die Verstöße gegen das Tierschutzgesetz bestätigt. Der Anwalt des Betriebs hingegen bestreitet strafbare Tierschutzverletzungen und verweist auf eine tierärztliche Inaugenscheinnahme, die keine Mängel festgestellt habe. Dennoch zeigt die Realität, dass die Enten auf harten Gitterböden leben müssen, ohne Bademöglichkeiten oder Einstreu, und in nahezu dauerhafter Dunkelheit gehalten werden. Dies sind alles Anzeichen für gravierende Mängel in der Tierhaltung.
Reaktionen und Forderungen
Die Brandenburger Bündnisgrünen haben gefordert, dass die Kontrollen in der industriellen Tierhaltung verstärkt und strukturelle Reformen umgesetzt werden müssen. Die Tierschutzbeauftragte Anne Zinke hält die Strafanzeige für absolut berechtigt und sieht klare Tierschutzverstöße in den Videoaufnahmen. Zinke weist auch auf die personellen Überforderungen der Veterinärämter hin und befürwortet härtere Strafen für Tierhalter, die gegen das Tierschutzgesetz verstoßen.
Die Praktiken in dem betroffenen Betrieb sind nicht nur lokal von Bedeutung, sondern werfen ein Licht auf die industrielle Tierhaltung in Deutschland insgesamt. Der Betrieb ist eine der wenigen Anlagen in Deutschland, in der Enten auf Gitterboden gehalten werden. Dies verdeutlicht die systematischen Probleme in der Branche, die sich auch in anderen Regionen zeigt. Im Jahr 2023 wurde bereits ein Bußgeld von 2000 Euro gegen den Betreiber verhängt, doch dies scheint nicht ausreichend zu sein, um die Missstände nachhaltig zu beseitigen.
Ein größerer Kontext
Die Situation in Schwerin ist kein Einzelfall. Eine Datenbank, die von führenden Tierrechtsorganisationen wie ANINOVA, SOKO Tierschutz und ARIWA veröffentlicht wurde, zeigt auf, dass 2023 insgesamt 214 Tierschutzfälle dokumentiert wurden, darunter 36 im Jahr 2024. Diese Datenbank, die unter Tierschutz-Skandale.de zu finden ist, bietet nicht nur eine Karte und Suchfunktion für Informationen zu Tierquälerei in der Umgebung, sondern widerlegt auch die Behauptung, es handele sich um Einzelfälle. Viele Anzeigen werden ohne Konsequenzen eingestellt, und in nur 4 von 214 Fällen kam es zu Haftstrafen, in 26 Fällen zu Geldstrafen.
Die aktuellen Entwicklungen in der Entenmast in Brandenburg sind ein eindrückliches Beispiel für die Herausforderungen, vor denen der Tierschutz in Deutschland steht. Es bleibt zu hoffen, dass die Forderungen nach mehr Kontrollen und Reformen nicht nur Gehör finden, sondern auch in konkretes Handeln umgesetzt werden, um das Leiden der Tiere zu beenden.
