Heute ist der 29.04.2026 und die Saison für die Kahnzustellung im malerischen Spreewald hat begonnen. In Lübbenau-Lehde, wo die Kanäle wie ein Netz durch die Landschaft ziehen, ist Andrea Bunar die einzige kahnfahrende Postbotin Deutschlands. Sie startet nun ihre 15. Saison und hat sich für ihre Zustellungen einen beeindruckenden Kahn der Deutschen Post zu eigen gemacht. Es ist nicht nur ein gewöhnliches Fortbewegungsmittel – manchmal sieht er aus wie ein kleines Containerschiff, wenn Bunar ihn mit einer Vielzahl von Paketen belädt.
Jede Woche bringt Andrea über 600 Briefe und Postkarten sowie rund 80 Pakete zu den Bewohnern des brandenburgischen Dorfes Lehde. Der Tag beginnt für sie mit einem Elektrofahrzeug in Lübbenau, bevor sie am Nachmittag ihren Kahn in Betrieb nimmt, um durch die kanalmäßigen Wasserstraßen zu gleiten. Während sie über das Lehder Fließ schippert, umgeben von blühenden Tulpen und Kirschblüten, wird sie am heutigen Donnerstagmorgen sogar von über zehn Reporter*innen begleitet, die ihre einzigartige Arbeit dokumentieren.
Ein Stück Tradition im Wandel der Zeit
Die Tradition der Kahnzustellung hat eine lange Geschichte, die bis ins Jahr 1897 zurückreicht. Vor dieser Zeit mussten die Bewohner Briefe am Sonntag in der Kirche abholen – eine umständliche Sache! Die Einführung der Kahnzustellung fiel mit der Industrialisierung und der Landflucht zusammen, was die Anbindung an die Außenwelt erheblich erleichterte. Bis 1983 wurden hölzerne Kähne verwendet, doch dann stellte die Deutsche Post auf robustere Aluminiumkähne um, die weniger korrosionsanfällig sind und auch bei den oft wechselhaften Wetterbedingungen im Spreewald bestehen können.
Andrea Bunar hat im Laufe ihrer Karriere schon allerlei Kuriositäten per Kahn zugestellt. Von Hollywoodschaukeln über Kühlschränke bis hin zu Gartenhecken – ihre Liste an Lieferungen ist so bunt wie die Natur um sie herum. Ein regionaler Wissenschaftler hat kürzlich darauf hingewiesen, dass der Spreewald mit Wasserknappheit zu kämpfen hat, was die Kahnzustellung umso bemerkenswerter macht. Diese Form der Kommunikationsübertragung hat nicht nur eine praktische, sondern auch eine kulturelle Bedeutung für die Region.
Kulturelle Wurzeln und Herausforderungen
Andrea trägt während ihrer Fahrten oft eine sorbische Festtagstracht, die in der Regel von Generation zu Generation weitergegeben wird. Die Sorben und Wenden, deren Anteil in der Region unter einem Prozent liegt, haben eine reiche Kultur, die es zu bewahren gilt. Allerdings gibt es Herausforderungen, insbesondere wenn es darum geht, Kinder für das Erlernen der sorbischen Sprache zu motivieren, da nur wenige es sprechen.
So setzt Andrea Bunar nicht nur Briefe und Pakete zu Wasser in Bewegung, sondern auch Traditionen und kulturelle Werte. Wenn sie mit ihrem Kahn durch die idyllischen Kanäle fährt, verschmelzen Vergangenheit und Gegenwart zu einem lebendigen Bild des Spreewaldes, das es wert ist, bewahrt zu werden.
Für weitere Informationen zur Kahnzustellung und zur Geschichte der Region, besuchen Sie bitte n-tv.de und nd-aktuell.de.