In Senftenberg herrscht eine angespannte Stimmung. DB Cargo hat angekündigt, dass die Instandhaltungswerkstatt am 1. Juni 2026 ihre Pforten schließen wird. Der letzte Arbeitstag für die Mitarbeiter ist bereits der 31. Mai – ein Termin, der für die 75 betroffenen Beschäftigten alles andere als erfreulich ist. Während die Stadtverwaltung von einer endgültigen Schließung ausgeht, spricht DB Cargo von Verhandlungen, die möglicherweise zu einem Verkauf des Standorts führen könnten. Man fragt sich, was hinter diesen unterschiedlichen Sichtweisen steckt.
Bürgermeister Andreas Pfeiffer äußert sich besorgt über diese Entwicklung und bezeichnet die Schließung als ein negatives Signal für den Strukturwandel in der Lausitz. Schließlich galt der Standort über Jahre als stark ausgelastet und hoch spezialisiert. Die Werkstatt verfügt über 19 Arbeitsgleise und ein Gleisnetz von über 1.000 Metern – und jetzt? Ein kleines Team von maximal sechs Mitarbeitern wird bleiben, um kleinere Reparaturen durchzuführen. Der Rest? Viele haben bereits neue Arbeitsplätze in Cottbus, Spremberg oder Schwarzheide gefunden. Doch die, die bis zur Schließung keinen neuen Job finden, müssen sich auf eine Kündigung zum 30. Juni einstellen.
Uneinigkeit und Besorgnis
Die Aussagen der Stadtverwaltung und DB Cargo scheinen einander zu widersprechen. Während die Stadtverwaltung die Schließung als endgültig betrachtet, hat die Bahn noch keine konkreten Zukunftspläne für den Standort bekannt gegeben. JAV-Vorsitzende Julia Bahner macht sich Sorgen um die Übernahmechancen für Nachwuchskräfte. Die Gewerkschaft EVG verurteilt die Vorgehensweise in Senftenberg scharf. Sie warnt vor drohenden Kündigungen für die verbleibenden Mitarbeiter, falls keine Vermittlung an andere Standorte erfolgt. Ein Teufelskreis, der vielen den Schlaf raubt.
Der Betriebsrat, vertreten durch René Wüstenhagen, schlägt Alarm: Er warnt davor, dass die Anlage ohne einen schnellen Eigentümerwechsel in eine Investitionsruine verfallen könnte. Externe Interessenten gab es zwar, aber ein konkretes Angebot von DB Cargo steht noch aus. Man fragt sich, ob die ganze Situation nicht nur ein weiteres Kapitel in der leider schon lange währenden Krise von DB Cargo ist.
Ein Blick auf die Gesamtstrategie
DB Cargo plant bundesweite Schließungen von Werkstätten. Zehn von 15 Außenstellen sind betroffen, und insgesamt sollen 170 Arbeitsplätze abgebaut werden. Die Werkstatt in Mainz-Bischofsheim wird ganz geschlossen, und andere Standorte wie Halle (Saale), Seelze und Oberhausen werden ebenfalls drastisch reduziert. Die EU-Kommission hat Druck gemacht: Bis Ende 2026 muss DB Cargo profitabel sein. Ein Umstrukturierungskonzept wurde dem Gesamtbetriebsrat vorgelegt, und die Verhandlungen sollen im September beginnen. Ein harter Kurs, der viele Fragen aufwirft.
Die Schließung in Senftenberg ist Teil eines größeren Plans, der die gesamte Branche betrifft. DB Cargo – seit Jahren in der Krise – muss dringend handeln, um nicht in eine noch prekärere Lage zu geraten. Die verbleibenden Werke in Städten wie Hagen, Köln und Mannheim könnten die einzige Hoffnung für die Belegschaft sein. Doch der Strukturwandel in der Lausitz bleibt eine Herausforderung, und die Unsicherheit schwebt über der Region wie ein dunkler Schatten.