Am Freitag, dem 20. Februar 2026, versammelten sich die Beschäftigten der Lausitz-Klinik Forst zu einer eindrucksvollen Demonstration, um auf die möglichen Verschlechterungen ihrer Arbeitsbedingungen aufmerksam zu machen. Die Aktion fand als aktive Mittagspause vor dem Krankenhaus statt und wurde von den Gewerkschaften Verdi, dem Deutschen Gewerkschaftsbund sowie dem Marburger Bund organisiert. Anlass der Proteste sind die laufenden Verhandlungen über den geplanten Verkauf der Mehrheitsanteile der Klinik, die derzeit von der Potsdamer Klinikum Ernst von Bergmann gGmbH gehalten werden.

Die Ernst-von-Bergmann-Gruppe plant, ihre Anteile an das Evangelische Diakonissenhaus Berlin Teltow Lehnin zu verkaufen. Aktuell hält die Klinik 51 Prozent der Anteile, während die Stadt Forst 49 Prozent besitzt. Die Verhandlungen über den Verkauf laufen seit November 2023. Beschäftigte der Lausitz-Klinik, die rund 330 Menschen umfassen, darunter etwa 190 Pflegefachkräfte und rund 60 Ärztinnen und Ärzte, fürchten, dass der neue Mehrheitseigentümer separate Tarifverhandlungen anstoßen könnte, die mit niedrigeren Löhnen verbunden sind. Diese Sorge wird von den Arbeitnehmervertretungen als erhebliches Risiko für die Beschäftigten wahrgenommen. Eine Stellungnahme des Diakonissenhauses zu den Protesten blieb während des laufenden Verfahrens aus.

Hintergründe und Sorgen der Beschäftigten

Die Beschäftigten der Lausitz-Klinik bangen um ihre tarifliche Zukunft und die langfristige Sicherung der medizinischen Versorgung in der Region. Der geplante Trägerwechsel kommt nicht von ungefähr: Das Diakonissenhaus Berlin Teltow Lehnin hatte im vergangenen Frühjahr bereits ein anderes Krankenhaus sowie ein Medizinisches Versorgungszentrum in Guben übernommen, nachdem dort ein Insolvenzverfahren eingeleitet worden war. Dies wirft Fragen zur Stabilität des Standorts Forst auf, der stark von den weiteren Verhandlungen abhängt.

Die Gewerkschaften betonen, dass die Beschäftigten seit 2003 zur Standortsicherung beigetragen haben, beispielsweise durch Arbeitszeitreduzierungen ohne Lohnausgleich. Zwischen 2004 und 2014 wurde die wöchentliche Arbeitszeit für nichtärztliche Vollzeitbeschäftigte um bis zu fünf Stunden gesenkt. Zudem gab es von 2015 bis 2021 keine Tarifbindung, was bedeutete, dass Tariferhöhungen ausblieben. Mit dem Inkrafttreten eines neuen Tarifvertrages am 1. Januar 2022 wurde das Entgeltniveau für nichtärztliche Beschäftigte wieder auf 92,5% des TVöD angehoben, doch die aktuelle Situation sieht düster aus: Das Entgeltniveau in der Pflege könnte ab Mai 2026 auf etwa 89% sinken.

Die Herausforderungen der Krankenhausfinanzierung

Die finanziellen Herausforderungen, mit denen die Lausitz-Klinik konfrontiert ist, sind Teil eines größeren Problems im deutschen Gesundheitssystem. Krankenhäuser, die im Landeskrankenhausplan aufgenommen sind, erhalten von den Krankenkassen eine Erstattung der Behandlungskosten, die jedoch seit 2020 nicht mehr über Fallpauschalen, sondern über ein kostendeckendes Pflegebudget vergütet werden. Diese Reformen zielen darauf ab, die Transparenz und Wirtschaftlichkeit der Krankenhausversorgung zu verbessern, bergen jedoch auch Risiken.

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Die Einführung des DRG-Systems hat zwar die Prozessorganisation in vielen Krankenhäusern optimiert, jedoch kann es auch Fehlanreize erzeugen. So besteht die Möglichkeit, dass medizinisch nicht notwendige Eingriffe durchgeführt werden, um Erlöse durch die behandelten Fälle zu generieren. Die aktuelle Krankenhausreform zielt darauf ab, diese Fehlanreize zu mindern und die Vorhaltung bedarfsnotwendiger Krankenhäuser unabhängig von der Leistungserbringung zu sichern. Angesichts dieser Entwicklungen ist die Zukunft der Lausitz-Klinik Forst umso ungewisser, und die Beschäftigten hoffen auf eine angemessene Finanzierung durch die Politik und die öffentliche Hand.

Für weitere Informationen zu den aktuellen Entwicklungen rund um die Lausitz-Klinik Forst und die damit verbundenen Proteste können Sie die Berichterstattung auf Radio Cottbus sowie die Analysen auf MedConWeb nachlesen. Außerdem bietet das Bundesgesundheitsministerium umfassende Informationen zur Krankenhausfinanzierung in Deutschland.