Block Stories: Geschichten aus der Platte und das Leben dahinter
In der charmanten Kulisse des KOMM-Hauses in Leipzig, genauer gesagt in der Selliner Straße 170, wird am 16.07.2026 ein ganz besonderes Event stattfinden. Die Veranstaltung, die unter dem Titel „Block Stories – Literatur trifft Platte“ firmiert, verspricht ein spannendes Gespräch und eine Lesung mit zwei bemerkenswerten Autorinnen: Grit Lemke und Sara Gmuer. Moderiert wird der Abend von Carolin Haentjes, einer freien Journalistin, die für Deutschlandradio und den Mitteldeutschen Rundfunk tätig ist.
Der Eintritt ist frei, was für viele ein willkommener Anreiz ist, um sich mit dem Thema „Einfluss der Kindheit und Jugend in der ‚Platte‘ auf das Leben“ auseinanderzusetzen. Im Mittelpunkt steht die Hauptfigur Wanda aus Sara Gmuers Roman „Achtzehnter Stock“. Die Autorinnen werden Lesepassagen aus ihren Büchern zum Besten geben und Fragen zu alltäglichen Herausforderungen in Großwohnsiedlungen sowie den damit verbundenen Träumen und Traumata aufwerfen. Es wird spannend zu erfahren, wie das Leben in diesen oft als trist empfundenen Plattenbauten die Lebenswege prägt.
Ein Blick auf die „Platte“
Die „Platte“, das sind die Plattenbauten, die in der DDR errichtet wurden, um das immense Wohnungsproblem zu lösen. Als Teil des Wohnungsbauprogramms WBS 70 (Wohnungsbauserie 70) unter Erich Honecker entstanden diese Gebäude, deren erster Block 1973 in Neubrandenburg vollendet wurde. Stadtplaner wie Michael Bräuer erinnern sich an die Herausforderungen und die Kreativität, die in den Bau dieser Wohnanlagen geflossen sind. Die Idee, Backstein mit Plattenbau zu kombinieren, war ein mutiger Schritt in der Architektur der DDR.
Über 50 Jahre haben die Plattenbauten nun schon Bestand, und sie stehen nicht nur für eine bestimmte Bauweise, sondern auch für ein Stück Geschichte. In Mecklenburg-Vorpommern stehen mehr als 31.000 dieser Gebäude sogar unter Denkmalschutz. Ein gewagtes Unterfangen, denn der Denkmalschutz hat oft mit der Frage zu kämpfen, wie man mit diesen unkonventionellen Bauwerken umgeht. Claus Sesselmann, ein Architekt, sieht die WBS-70-Gebäude durchaus als Denkmale an – eine Ansicht, die in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen hat.
Literarisches Erbe und kulturelle Reflexion
Doch nicht nur der architektonische Aspekt ist von Interesse. Das literarische Erbe der DDR ist ebenso ein faszinierendes Thema, das in der Veranstaltung beleuchtet werden wird. Werke, die aus der Zeit stammen, haben oft einen tiefen Einblick in die Lebensrealitäten dieser Ära gegeben und sind bis heute relevant. Die Lesungen von Grit Lemke und Sara Gmuer bieten die Möglichkeit, sich mit diesen Erinnerungen und Geschichten auseinanderzusetzen. Ein Dialog über Traum und Trauma, der nicht nur die Vergangenheit reflektiert, sondern auch die Gegenwart in einem neuen Licht erscheinen lässt.
Die Veranstaltung findet im Rahmen der Wechselausstellung „Platte. Leben in der Großwohnsiedlung“ statt, die zudem Teil der Feierlichkeiten zum 50. Geburtstag des Stadtteils Grünau ist. Es ist eine Gelegenheit, die Geschichten hinter den Mauern der Plattenbauten zu entdecken, die oft mehr sind als nur Wohnraum – sie sind Zeugen einer bewegten Geschichte.
Wenn also der Abend des 16. Juli anbricht, werden sich Literaturbegeisterte und Geschichtsinteressierte im KOMM-Haus versammeln, um gemeinsam in die Welt der „Platte“ einzutauchen und zu erfahren, wie das Leben in diesen großen Wohnsiedlungen die Träume und Erinnerungen ihrer Bewohner formte. Eine Veranstaltung, die sicherlich zum Nachdenken anregen wird – und vielleicht auch die ein oder andere Träne oder ein Lächeln hervorruft.
