Zeitreise in Forst: Eine sowjetische Kanone aus dem Zweiten Weltkrieg taucht auf
In der ruhigen Region Spree-Neiße, wo die Natur noch unberührt wirkt und der Alltag beschaulich dahinfließt, hat sich kürzlich ein Stück Geschichte ans Licht der Öffentlichkeit gewagt. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst (KMBD) hat bei Gewässerarbeiten in der Nähe von Forst, nur einen Katzensprung von der polnischen Grenze entfernt, eine sowjetische Kanone aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt. Diese 76-mm-Infanteriegeschütz des Modells M1943 der Roten Armee zeigt sich erstaunlich gut erhalten – obwohl der Rost ihm sichtlich zugesetzt hat. Enrico Schnick vom KMBD berichtete, dass die Räder der Kanone sich bei der Bergung noch drehten – das ist schon fast ein Wunder, wenn man bedenkt, wie lange sie im Schlamm und Sand der Neiße lag.
Forst selbst hat eine ganz eigene Geschichte. Die Stadt wurde im April 1945 während heftiger Kämpfe zwischen der Wehrmacht und der Roten Armee fast vollständig zerstört. Heute leben hier etwa 17.000 Menschen – und sie können sich glücklich schätzen, dass ihre Stadt wieder blüht, auch wenn solche Funde wie die Kanone immer wieder ein Stück Vergangenheit zurückbringen. Über 5.000 dieser Kanonen wurden während des Krieges in der Sowjetunion hergestellt. Funde von Waffen aus dieser Zeit sind in Europa nicht selten, und das erinnert uns daran, dass die Schatten der Geschichte oft näher sind, als wir denken.
Die Kanone und was mit ihr geschieht
Die Regimentskanone wird voraussichtlich nicht ins Museum kommen, was für viele sicherlich schade ist. Stattdessen wird sie im Zerlegebetrieb des KMBD in Kummersdorf „fachgerecht entsorgt“. Ein wenig traurig – immerhin hätte sie viele Geschichten zu erzählen! In anderen Teilen Deutschlands ist der Umgang mit Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg oft ein großes Thema. Jährlich explodieren im Schnitt Blindgänger mit Zeitzündern, und auch wenn es in Nordrhein-Westfalen nicht oft dazu kommt, sind die Erinnerungen an solche Vorfälle noch frisch. Zuletzt beispielsweise detonierte 2014 in Euskirchen eine 1.400 Kilo schwere Bombe, was zu tragischen Folgen führte.
Der Kampfmittelbeseitigungsdienst ist in Deutschland ständig im Einsatz. Sie suchen systematisch nach Blindgängern, basierend auf historischen Luftaufnahmen der Alliierten. In der letzten Zeit wurden über 100 Bomben gefunden – eine beachtliche Zahl, die zeigt, wie viel noch unter der Erdoberfläche schlummert. Vor jeder Räumung wird ein Evakuierungsradius festgelegt. Das kann bedeuten, dass ganze Stadtteile für einige Stunden leergeräumt werden müssen, während die Spezialisten ans Werk gehen.
Ein Blick in die Zukunft
Die Entschärfung erfolgt mit größter Sorgfalt. Manchmal ist die einzige Möglichkeit, eine Bombe kontrolliert zu sprengen, wobei Barrieren zur Minderung der Explosionskraft aufgebaut werden. Das klingt alles sehr technisch, aber dahinter steckt eine Menge Verantwortung. Der Lärm der Explosionen hallt durch die Straßen, und die Anwohner halten den Atem an, während sie in den Evakuierungsstellen ausharren. Die Ordnungsbehörden sind dann gefragt. Sie sorgen dafür, dass alles reibungslos abläuft – Schulen und Sporthallen werden zu vorübergehenden Zufluchtsorten.
Das Schicksal der alten Kanone zeigt uns, dass die Nachwirkungen des Krieges noch lange nicht vorbei sind. Und während sich die Leute in Forst über die Entdeckung wundern, wird der Kampfmittelbeseitigungsdienst weiterhin alles daran setzen, die Gefahren der Vergangenheit zu beseitigen. Vielleicht ist es diese Mischung aus Geschichte und Gegenwart, die das Leben hier so interessant macht. In der Spree-Neiße wird es nie langweilig – selbst wenn die Zeit stillzustehen scheint.
