Einzigartiges Chorprojekt in Rostock: Brücken zwischen Gehörlosen und Hörenden
In Rostock blüht ein ganz besonderes Projekt, das die Grenzen zwischen Gehörlosen und Hörenden überwindet: Ein Gebärden-Chor, geleitet von Wolfgang Mescher, der nicht nur das Singen, sondern auch die Verständigung auf eine neue Ebene hebt. Das Projekt, das mittlerweile zum zweiten Mal stattfindet, hat bereits viele Teilnehmer zusammengebracht – und das nicht ohne Grund! Nordkurier hebt hervor, dass Musik hier als eine gemeinsame Sprache fungiert, um Frieden und Harmonie auszudrücken.
Mit 25 Jahren Erfahrung in der Leitung von Gebärdenschören bringt Mescher viel Know-how mit. Unter seiner Anleitung lernen die Teilnehmer, Gebärden und Lieder zu kombinieren. Ein erfrischendes Element des Chores ist die aktive Einbeziehung des Publikums, das nicht nur zuschaut, sondern auch lernt, wie man Gebärden einsetzt. Es ist eine fröhliche, zugleich anspruchsvolle Umgebung, in der das Lernen hoch im Kurs steht. Diakonin Dorothea Engelbrecht hilft als Mittlerin zwischen den Welten, wodurch sowohl Gehörlose als auch Hörende davon profitieren. Rahel, die mit ihren zehn Jahren jüngste Teilnehmerin, belegt eindrucksvoll, dass Inklusion schon in jungen Jahren erlernt werden kann.
Die Bedeutung der Gebärdensprache
Gehörlose Menschen sind zwar eine kleine, aber bedeutende Gruppe – in Deutschland leben etwa 80.000 gehörlose Menschen, die in ihrer Kommunikation oft auf Gebärdensprache, Lippenlesen und Fingeralphabet angewiesen sind. Inklusion beschreibt, dass die Sichtbarkeit dieser Menschen in der Gesellschaft oft zu kurz kommt. Gehörlosigkeit wird häufig als unsichtbare Behinderung wahrgenommen, und doch sind Menschen mit Gehörlosigkeit nicht defizitär, sondern Teil einer eigenen kulturellen Gemeinschaft mit eigenen Persönlichkeiten und Rechten.
Für die Gemeinschaft ist auch die Technik entscheidend – die Gebärdensprachen sind nicht nur Kommunikationsmittel, sie sind auch grundlegende Elemente der Identitätsbildung. Gebärdensprache hat in Deutschland seit 2002 den Status einer eigenständigen Sprache, was als ein großer Schritt in Richtung Inklusion gefeiert wird. Dennoch, wie ein Bericht der bpb aufzeigt, besteht in vielen Bereichen Nachholbedarf, besonders im Bildungssektor und in der Gesellschaft allgemein. Der Zugang zu Bildungsinhalten ist für Gehörlose oft unzureichend, was die Inklusionsförderung erheblich erschwert.
Persönliche Geschichten und Erfahrungen
Ein weiterer wertvoller Aspekt dieses Projektes sind die Geschichten, die die Teilnehmer, wie Sven Rathmann, miteinander teilen. Diese persönlichen Erlebnisse schaffen ein tiefes Verständnis füreinander und fördern die Solidarität innerhalb der Gruppe. Viele hörende Teilnehmer, wie Claudia Herzog, lernen gezielt Gebärdensprache, um Brücken zu bauen und Vorurteile abzubauen. Wenn die Teilnehmer in den Proben zur Hochform auflaufen, ist die positive Atmosphäre spürbar – eine Herausforderung, die alle gerne annehmen.
Ein Werkstattkonzert wird die Ergebnisse dieser intensiven Zusammenarbeit präsentieren, wo Gesang und Gebärden eine harmonische Einheit bilden. Dieses besondere Event zeigt, dass Inklusion nur dann gelingt, wenn Barrieren abgebaut werden und das Verständnis füreinander wachsen kann. Es ist klar, dass es nicht nur um das Singen geht, sondern um das Zusammenbringen von Kulturen und Verständnis – eine Herausforderung, die alle im Projekt mit Herz und Engagement annehmen.
