Heute ist der 28. Mai 2026 und die Luft in Eberswalde ist von einem merkwürdigen Gefühl durchzogen. Die Verbraucherzentrale Brandenburg hat, wie es scheint, die Wurstfabrik EWN Wurstspezialitäten und den Discounter Kaufland wegen Verbrauchertäuschung abgemahnt. Der Grund? Die Schließung der Wurstfabrik in Britz, die erst Ende Februar diesen Jahres aufgrund wirtschaftlicher Unrentabilität den Betrieb eingestellt hat. Das ist schon ein Schlag für die Region, denn die Marke „Eberswalder“ steht seit jeher für eine vermeintlich regionale Herkunft aus Brandenburg – und jetzt das!
Was genau hat die Verbraucherzentrale auf den Plan gerufen? Trotz der Schließung suggeriert die Werbung weiterhin, dass die Produkte aus der Region stammen. Die Realität sieht jedoch ganz anders aus: Die Bockwürste werden beispielsweise in Sachsen hergestellt, die Käsewürstchen in Sachsen-Anhalt und die Wacholdersalami gar in Schleswig-Holstein. Auf der Verpackung prangt weiterhin die alte Adresse in Britz, die nunmehr nur noch als Firmensitz dient. Ein klarer Hinweis auf die tatsächlichen Produktionsorte fehlt, was Annett Reinke, Juristin bei der Verbraucherzentrale, als Verbrauchertäuschung bezeichnet hat.
Verwirrung um die Kennzeichnung
Das ist nicht nur ein rechtliches, sondern auch ein ethisches Dilemma. Kaufland wird aufgefordert, die betroffenen Produkte nicht mehr mit dem Hinweis „Hergestellt in Brandenburg“ zu bewerben. EWN Wurstspezialitäten hingegen verteidigt sich: Man habe am 20. Mai eine positive Rückmeldung zur Umgestaltung der Verpackungskennzeichnung erhalten und arbeite an Verbesserungen, um die Produktionsorte klarer zu kennzeichnen. Das verspricht ja, die Wurstliebhaber beruhigen zu können, aber wie glaubwürdig ist das wirklich?
Uwe Ledwig, ein Gewerkschafter der NGG, hat sich ebenfalls zu Wort gemeldet und die Schließung des Werks in Britz kommentiert. Die IHK Ostbrandenburg, die die Namensrechte der „Eberswalder Würstchen“ hält, äußert ähnliche Bedenken zur Kennzeichnung. Ein Durcheinander, das nicht nur die Verbraucher, sondern auch die regionalen Produzenten verunsichert.
Die Suche nach regionalen Lebensmitteln
In Deutschland wächst die Nachfrage nach regionalen Lebensmitteln kontinuierlich. Laut dem Ernährungsreport 2022 des BMLEH halten 45% der Bürger die regionale Vermarktung für wichtig. Und das aus gutem Grund! Regionalprodukte bieten kurze Transportwege, saisonale Frische und tragen zur Stärkung der lokalen Wirtschaft bei. Sie sind oft von höherer Qualität und intensivem Geschmack – und man kann sich auch darauf verlassen, dass die Erzeuger ihre Produkte mit Leidenschaft herstellen.
Doch die Begriffe „Region“ und „regional“ sind nicht klar definiert. Anbieter können selbst bestimmen, was für sie „regional“ ist. Hier kommt das Regionalfenster ins Spiel, eine Kennzeichnung, die Verbrauchern helfen soll, die Herkunft ihrer Lebensmittel besser nachzuvollziehen. Seit 2014 gibt es dieses Zeichen im Handel, und die Glaubwürdigkeit ist hoch: 80% der Verbraucher halten es für vertrauenswürdig. Wenn man bedenkt, dass über 5510 Produkte das Regionalfenster tragen, könnte man meinen, dass die Verbraucher sich in der Kennzeichnung der Produkte sicher fühlen sollten.
Doch zurück zur Wurst: Der Fall EWN Wurstspezialitäten und Kaufland ist ein Beispiel dafür, wie wichtig klare und ehrliche Kennzeichnungen sind. Es ist nicht nur eine Frage des Rechts, sondern auch eine Frage des Vertrauens zwischen Verbrauchern und Erzeugern. In einem Zeitalter, in dem Regionalität hoch im Kurs steht, ist es unerlässlich, dass die Herkunft der Produkte tatsächlich transparent und nachvollziehbar ist.