In einer kleinen, aber feinen Wohngemeinschaft im Berliner Stadtteil Grünau wohnen sieben Menschen zwischen 30 und 70 Jahren unter einem Dach. Das Leben in dieser WG ist eine bunte Mischung aus verschiedenen Lebensgeschichten und Charakteren. Für rund 8 Euro pro Quadratmeter haben die Bewohner ihre eigenen, gemütlichen Einheiten, die mit Bad und Küche ausgestattet sind. Ein wahrer Schatz ist der Gemeinschaftsraum unter dem Dach, wo wöchentliche Videoabende stattfinden – das perfekte Rezept gegen die Einsamkeit, die viele Senioren nach dem Auszug der Kinder oder dem Verlust eines Partners manchmal überkommt.

Die Idee von Senioren-WGs nimmt in Deutschland immer mehr Fahrt auf. Laut einer Forsa-Umfrage sind zwei von drei Senioren offen für das Leben in einer Wohngemeinschaft. Es zeigt sich, dass die Vorteile klar auf der Hand liegen: weniger Einsamkeit, sinkende Kosten und eine höhere Lebensqualität. Doch wie so oft im Leben gibt es auch Herausforderungen. Unterschiedliche Vorstellungen von Ordnung und Sauberkeit können zu Konflikten führen, und Empfindlichkeiten gegenüber Geräuschen und Gerüchen sind nicht selten. Ein Beispiel aus der Praxis: In einer anderen Senioren-WG gibt es gelegentlich Reibereien wegen der gemeinschaftlichen Tiefkühltruhe – ein kleiner Scherz, der jedoch zeigt, wie wichtig das Miteinander ist.

Das Leben in der WG

Hartwig Michelsen hat eine ehemalige Gaststätte in Rehm-Flehde-Bargen in eine Senioren-WG umgebaut. Sechs altersgerechte Wohnräume warten dort auf neue Bewohner, und auch hier liegt der Mietpreis zwischen 8 und 9 Euro je Quadratmeter. Die erste WG-Generation zog vor drei Jahren ein, und die Warteliste ist lang. Interessanterweise kommen 90 % der Anfragen von Frauen. Momentan leben dort fünf Frauen und ein Mann im Alter von 60 bis 70 Jahren. Die Idee, Kosten für Haushaltshilfen und Pflegekräfte zu teilen, ist ein weiterer Pluspunkt, der für viele Senioren ansprechend ist.

Ein ganz neues Modell ist das „Wohnen gegen Hilfe“. Hier leben jüngere Menschen kostenlos oder zu einem ermäßigten Preis, wenn sie im Gegenzug älteren Bewohnern unter die Arme greifen. Das fördert nicht nur den Austausch zwischen den Generationen, sondern schafft auch ein Gefühl der Gemeinschaft. Juliane Scholz beschreibt in ihrem Buch „Die fidele Alten-WG in Laboe“ das harmonische Zusammenleben von drei Paaren in einer umgebauten viktorianischen Villa, was zeigt, dass solche Gemeinschaften auch ganz unterschiedliche Gesichter haben können.

Vielfalt der Wohnformen

Die Vielfalt der Anzeigen in Internetportalen spiegelt die verschiedenen Charaktere und Wohnsituationen wider. So sucht beispielsweise eine 58-jährige Frau nach einer Mitbewohnerin für ihre 180 Quadratmeter große Wohnung auf einem Gutshof. Auch auf einem Bauernhof leben sechs Menschen zwischen 56 und 80 Jahren und vermieten Wohnwagen. Diese kreativen Wohnlösungen sind nicht nur praktisch, sondern auch eine Antwort auf die Frage, wie man im Alter gut und bezahlbar wohnen kann.

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Doch nicht jeder möchte aus seinem vertrauten Zuhause ausziehen. So wie die 78-jährige Angelika Berthel, die in ihrem geliebten Haus mit Garten bleiben möchte, aber dennoch eine seniorengerechte Wohnung reserviert hat – ein Zeichen dafür, dass das Bedürfnis nach Sicherheit und Selbstbestimmung auch im Alter stark ausgeprägt ist.

Die Idee von Mehrgenerationen-Gemeinschaften, in denen Senioren mit jüngeren Menschen leben, die Unterstützung bieten können, nimmt immer mehr Gestalt an. Es ist ein faszinierendes Konzept, das nicht nur das Miteinander fördert, sondern auch den Alltag bereichert. Die verschiedenen Wohnformen zeigen, dass es viele Wege gibt, das Leben im Alter zu gestalten – und dass jeder seinen eigenen Weg finden kann.