Heute ist der 26.04.2026 und wir blicken auf die bemerkenswerte Arbeit der Eberswalder Materialprüfanstalt (MPA), die sich im Herzen Brandenburgs der Zucht und Untersuchung von Insekten widmet. Hier werden nicht nur Hausbockkäfer, Nagekäfer und Splintholzkäfer gezüchtet, sondern auch Termiten, um die Wirksamkeit von Holzschutzmitteln zu testen. Thomas Kolling, der die Insektenzucht leitet, sorgt dafür, dass die Bedingungen für die Larven optimal sind. So dauert der Entwicklungszyklus der Hausbocklarven lediglich etwa 14 Monate. Bei MPA wird eine Vielzahl von Methoden genutzt, um Holzschutzmittel auf ihre Effektivität zu prüfen. Dazu werden frisch geschlüpfte Larven auf behandeltem Holz ausgesetzt oder befallenes Holz behandelt.

Die Wurzeln der MPA reichen tief in die forstliche Tradition Eberswaldes zurück, und die Geschichte im Holzschutz reicht bis ins 20. Jahrhundert. Seit den 2000er Jahren agiert die MPA privatwirtschaftlich und beschäftigt etwa 20 Mitarbeiter. International hat das Unternehmen Kunden aus Europa und darüber hinaus gewonnen. Besonders interessant ist das Labor, in dem Zehntausende Termiten gehalten werden. Diese Insekten sind zwar in Deutschland kein großes Problem, da Winterfrost ihre Etablierung verhindert, dennoch wird ihre Wirksamkeit als Testobjekt geschätzt. Das bekannteste Termitenvorkommen in Deutschland war in Hamburg, doch seit 2008 liegt der Befall unter der Nachweisgrenze.

Die Rolle der Bockkäfer

Eine der interessantesten Arten, die in der MPA gezüchtet werden, ist der Hausbockkäfer (Hylotropus bajulus). Dieser gehört zur Familie der Bockkäfer (Cerambycidae), die in Mitteleuropa etwa 230 Arten umfasst, von denen 177 in Deutschland heimisch sind. Bockkäfer sind nicht nur Pflanzenfresser, sondern auch Blütenbesucher. Ihre Larven ernähren sich oft von totem Holz und sind auf nährstoffarmes Holz spezialisiert. Der Hausbockkäfer ist weit verbreitet von Nordafrika über Europa bis nach Asien und legt seine Eier in abgestorbenes Nadelholz. Dabei kann es zu einem Befall von Bauhölzern kommen, insbesondere bei trockenen, nichtberindeten Hölzern.

Die Weibchen des Hausbockkäfers können eine Legeröhre ausstülpen, um ihre Eier in Unebenheiten an der Holzoberfläche abzulegen. Die Larven entwickeln sich im nährstoffreichen Splintholz von Nadelbäumen und sind weiß bis elfenbeinfarben, deutlich segmentiert und können bis zu 30 mm lang werden. Ihre Entwicklungszeit bis zum erwachsenen Käfer kann zwischen drei und zehn Jahren variieren, wobei sie durch ihren Fraß im eiweißreichen Splintholz gekennzeichnet sind. Die Schlupfzeit der Käfer liegt zwischen Juni und August, wobei sie eine Lebensdauer von lediglich wenigen Wochen haben und in dieser Zeit keine Nahrungsaufnahme erfolgt.

Zusammenarbeit und Zukunftsperspektiven

Die MPA arbeitet eng mit der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) in Berlin zusammen, insbesondere in der Insektenzucht und Normungsarbeit für den Holzschutz. Während die BAM über 25 Termitenarten züchtet und sich mit evolutionsbiologischen Fragen beschäftigt, die neue Bekämpfungsstrategien entwickeln sollen, sorgt die MPA für die praktische Anwendung dieser Erkenntnisse im Holzschutz. Gemeinsam tragen die beiden Institutionen dazu bei, die Herausforderungen im Bereich Holzschutz effektiv zu bewältigen und innovative Lösungen zu finden.

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