Am 28. Februar 2026 war es wieder einmal soweit: Eine Boeing 777 der Qatar Airways hob um 8:10 Uhr vom Flughafen Berlin-Brandenburg (BER) ab, auf dem Weg nach Doha. Ein ganz normaler Flug, könnte man meinen, aber manchmal kommt es anders als geplant. Nach gerade einmal 55 Minuten in der Luft, um 9:05 Uhr, drehte das Flugzeug um. Der Grund? Ein gesperrter Luftraum über der arabischen Halbinsel. Das bedeutet Stress für die Crew und die Passagiere – und das Ablassen von Kerosin.
Während das Flugzeug in 5500 Metern Höhe über östlichem Sachsen und südlichem Brandenburg flog, ließ die Besatzung etwa 20 Tonnen Kerosin ab. Das ist eine beachtliche Menge, vor allem wenn man bedenkt, dass eine Boeing 777 bis zu 181.000 Liter Kerosin tanken kann – das sind immerhin siebenmal mehr als bei einem Airbus A320. Das Ablassen fand etwa 100 Kilometer vor dem Flughafen statt und war laut der Deutschen Flugsicherung (DFS) notwendig, um die Landegewichtgrenzen einzuhalten. Ein bisschen wie das Ausleeren eines übervollen Rucksacks, bevor man auf einen schmalen Weg geht.
Warum Kerosin abgelassen wird
Die Gründe für einen Treibstoffablass sind vielfältig. Technische Probleme am Flugzeug oder medizinische Notfälle eines Fluggastes können dazu führen, dass ein Flug vorzeitig abgebrochen werden muss. In solchen Fällen kann es notwendig sein, Kerosin abzulassen, um das Gewicht des Flugzeugs zu reduzieren. Dabei geschieht der Treibstoffschnellablass in einer Höhe von mindestens 1.800 Metern. Das Kerosin wird dabei in feinste Tröpfchen zerstäubt, um möglichst schnell zu verdunsten. Das Umweltbundesamt (UBA) hat in einem Positionspapier festgestellt, dass solche Ablassaktionen in der Regel unkritisch für Mensch und Umwelt sind.
In den letzten acht Jahren wurden vom Luftfahrtbundesamt (LBA) 200 Fälle von Treibstoffablass dokumentiert, davon elf seit 2018 über Brandenburg. Die Einschätzungen des UBA basieren auf umfangreichen Forschungen, die zeigen, dass beim Ablassen kaum Rückstände am Boden zurückbleiben, weil das Kerosin größtenteils verdunstet. Die Forscher untersuchten sogar verschiedene Worst-Case-Szenarien und fanden heraus, dass die Auswirkungen auf die Umwelt minimal sind. Ein bisschen wie bei einem Gewitter, das schnell vorbei ist und nur ein paar Pfützen hinterlässt.
Die Auswirkungen des Luftverkehrs auf die Umwelt
Natürlich sind die Auswirkungen des Luftverkehrs auf die Umwelt ein vielschichtiges Thema. Kohlendioxid, das in die Atmosphäre gelangt, trägt zur globalen Erwärmung bei. Kondensstreifen können sogar das Wetter beeinflussen. Eine Studie aus den USA hat gezeigt, dass diese Kondensstreifen messbare Auswirkungen auf die Wetterlage haben können, insbesondere nach dem Flugverbot nach dem 11. September 2001. Der Luftverkehr war von der Industrialisierung bis 2018 für etwa 3,5 % der globalen Erwärmung verantwortlich. Ohne schnelle Anpassungen könnte dieser Anteil sogar auf 5 % oder mehr steigen.
Besonders interessant ist, dass die nicht-CO2-Effekte des Luftverkehrs, wie die Bildung von Kondensstreifen, oft einen größeren Einfluss auf das Klima haben als die CO2-Emissionen selbst. Das bedeutet, dass die Klimawirkung des Luftverkehrs deutlich höher ist, als man zunächst denken könnte. Man schätzt, dass bis zu zwei Drittel der Klimaschädigung beim Fliegen auf diese nicht-CO2-Effekte zurückzuführen sind. Und mal ehrlich, nur ein kleiner Teil der Menschheit verursacht die meisten dieser Klimaauswirkungen. 2018 nahmen nur etwa 11 % der Weltbevölkerung am Luftverkehr teil, wobei ein großer Teil dieser Emissionen von Vielfliegern und Passagieren in der Business- oder First-Class stammt.
Das Thema Kerosinablass ist also nur ein kleiner Teil eines viel größeren Puzzles. Die Luftfahrt hat ihren Preis, und es ist wichtig, sich der Umweltauswirkungen bewusst zu sein. Aber während Kerosinablass in den meisten Fällen als unproblematisch gilt, bleibt die Frage, wie sich unser Flugverhalten auf die Umwelt auswirkt – und wie wir diese Auswirkungen minimieren können. Schließlich fliegen wir nicht nur zum Spaß; oft sind es wichtige Reisen, Geschäftsflüge oder Besuche bei Freunden und Familie. Ein bisschen wie ein Drahtseilakt zwischen Notwendigkeit und Verantwortung.