Heute ist der 5.06.2026, und wir stehen hier in Lübben, einem Ort, der nicht nur von der Natur geprägt ist, sondern auch von der Geschichte eines Mannes, dessen Lieder über Jahrhunderte hinweg Herzen berührt haben. Paul Gerhardt, geboren am 12. März 1607 in Gräfenhainichen, war ein Theologe und Dichter, der in einer Zeit lebte, die von den Schrecken des Dreißigjährigen Krieges, Pestepidemien und tiefgreifenden Glaubenskämpfen geprägt war. Er studierte in Wittenberg, wo seine poetische Reise begann, und wurde später Hauslehrer in Berlin. Doch das war erst der Anfang seiner faszinierenden Laufbahn.

1651 trat er als Propst in Mittenwalde in den Dienst der Kirche. Ein Jahr später folgte die Berufung als Pfarrer an die St. Nikolai-Kirche in Berlin. Dort jedoch geriet er in Konflikt mit der Obrigkeit – die Zustimmung zum Toleranzedikt des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm verweigerte er und wurde 1667 seines Amtes enthoben. Doch Paul Gerhardt gab nicht auf. Er fand seine neue Heimat in Lübben, wo er bis zu seinem Tod am 27. Mai 1676 wirkte. In der Kirche, die heute seinen Namen trägt, fand er seine letzte Ruhestätte, auch wenn das Grabmal nicht erhalten ist.

Ein Erbe der Lieder

Heute, im Gedenkjahr 2026, erinnern wir uns an den 350. Todestag dieses bedeutenden Kirchenliederdichters. Gerhardt verfasste rund 140 Lieder, viele davon sind bis heute bekannt und beliebt. Lieder wie „Befiehl du deine Wege“ und „Nun ruhen alle Wälder“ sind nicht nur in evangelischen Gesangbüchern zu finden. Im katholischen Gesangbuch „Gotteslob“ sind ebenfalls einige seiner Werke enthalten. Die Melodien seiner Texte wurden von großen Komponisten wie Johann Crüger, Johann Georg Ebeling und sogar Johann Sebastian Bach vertont. Tatsächlich hat Bach Teile von Gerhardts „O Haupt voll Blut und Wunden“ in seine Matthäus-Passion integriert – ein Beweis für die zeitlose Schönheit seiner Lyrik.

Im evangelischen Kirchengesangbuch von 1993 sind 26 Lieder von Paul Gerhardt enthalten, und nun, im Rahmen des Paul-Gerhardt-Preises 2026, stehen neue Melodien für seine Texte im Fokus. Über 500 Vorschläge wurden eingereicht, und der erste Preis ging an Daniel Stickan für seine Neuvertonung von „Du meine Seele singe“. Eine aufregende Entwicklung, die am 10. Mai 2026 im ZDF-Fernsehgottesdienst seine Premiere feierte.

Feiern und Erinnern

Das Gedenkjahr wird mit einem bunten Festprogramm in Gräfenhainichen gefeiert, unter dem Motto „Geh aus, mein Herz“. Die Feierlichkeiten beginnen am 24. Januar mit einer Kalligrafie-Ausstellung und einem Orgelkonzert. Darüber hinaus sind Veranstaltungen in Grimma und Berlin geplant, darunter die Verleihung des Paul-Gerhardt-Preises und ein Melodienwettbewerb, der Kitas und Schulen einlädt, „Paul-Gerhardt-Beete“ anzulegen. Schließlich sind es nicht nur die Worte, die zählen, sondern auch die Pflanzen, die in seinen Liedern erwähnt werden – Tulpen, Narzissen, Rosen und Weizen, die allesamt Teil seines poetischen Schaffens sind.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Die Bedeutung von Paul Gerhardt wird auch von Persönlichkeiten wie Johann Hinrich Claussen, Kulturbeauftragter der EKD, und Manja Schüle, Kulturministerin Brandenburgs, hervorgehoben. Sie schätzen seine Fähigkeit, Mut und Hoffnung zu verbreiten. In einer Welt, die oft von Unsicherheit geprägt ist, sind es gerade seine Lieder, die Trost spenden und uns miteinander verbinden. Ein Erbe, das bis heute wirkt und auch in Zukunft wirken wird.