Die Luftfahrtbranche sieht sich im Jahr 2025 mit turbulenten Zeiten konfrontiert, und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Der Flughafen Berlin-Brandenburg (BER) sticht dabei besonders heraus: Die Kosten für Flüge ab diesem Standort haben sich im Vergleich zu 2019 fast verdoppelt. Wer heute am BER abhebt, zahlt im Durchschnitt stolze 7390 Euro, was die Flüge dreimal teurer macht als vom benachbarten Flughafen in Warschau. Während Flüge dort nur einen Bruchteil der Kosten verursachen, treiben hohe staatliche Abgaben und Flughafenentgelte die Preise in die Höhe. Die Bundesvereinigung der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) beklagt die steigenden Gebühren und fordert dringend Veränderungen, um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Flughäfen zu sichern. Moz berichtet von einem Anstieg der Standortkosten von 5151 Euro auf 7390 Euro seit 2019.

Ein weiterer Wermutstropfen? Die staatlichen Abgaben sind allein seit 2019 um mehr als 90 Prozent gestiegen. So sind unter anderem die Luftverkehrssteuer, Sicherheitsgebühren und Flughafenentgelte dafür verantwortlich, dass Deutschland zu den teuersten Luftverkehrsstandorten in Europa zählt. Die durchschnittlichen Standortkosten betragen hier 2330 Euro. Im Vergleich dazu erhebt der Flughafen Warschau-Modlin lediglich 383 Euro für die Flugsicherung und 1825 Euro für den Flughafen. Am Spitzenreiter London Heathrow liegen die Kosten für eine Landung sogar fast bei 15.000 Euro! Kein Wunder, dass Fluggesellschaften wie Ryanair ihre Flüge verlagern, um ein besseres Geschäft zu machen, und Easyjet Schwierigkeiten hat, die Hauptstadtregion anzubinden.

Hohe Abgaben und ein drohender Wettbewerbsvorteil

Die steigenden Gebühren treffen nicht nur Airlines, sondern auch Passagiere. Der Geschäftsführer des BDF, Dr. Michael Engel, merkt an, dass die Belastung für einen Flug ab Stuttgart zu einem europäischen Ziel beispielsweise von 2029 Euro im Jahr 2019 auf heute 4926 Euro gestiegen ist – ein Anstieg von 143 Prozent! Wenn dieser Trend anhält, könnte Deutschland im internationalen Vergleich ins Hintertreffen geraten. Verbände warnen, dass ohne Maßnahmen zur Reduzierung der Gebühren der Anschluss an die positive Entwicklung in anderen europäischen Ländern verloren geht.

Um die Situation zu entschärfen, plant die Bundesregierung eine Senkung der Luftverkehrssteuer ab Juni 2026. Diese soll für Kurzstrecken von 15,53 Euro auf 12,48 Euro, für Mittelstrecken von 38,72 Euro auf 31,61 Euro und für Langstrecken von 70,83 Euro auf 56,91 Euro sinken. Doch Experten wie Germanwatch äußern Skepsis: Sie befürchten, dass diese Senkung den Passagieren kaum zugutekommt, da sie nur einen geringen Anteil an den Gesamtkosten ausmacht. WDR konstatiert, dass die Luftverkehrsteuer bereits 2023 um 25 Prozent erhöht wurde und ein Abbau der Steuer im Grunde eher das Problem verlagert als löst.

Zukunft der Luftfahrt: Suchen nach Lösungen

Die hohe steuerliche und gebührenmäßige Belastung drängt die Luftfahrtindustrie dazu, Lösungen zu finden, um in der internationalen Konkurrenz nicht unterzugehen. Dabei wird unter anderem gefordert, dass Kerosin nicht länger steuerfrei bleiben sollte, um der Wettbewerbsfähigkeit anderer Verkehrsträger nicht im Weg zu stehen. Gleichzeitig wird ein Vorstoß unternommen, die Subventionen für die Luftfahrt zu kritisch zu hinterfragen, da diese den Wettbewerb verzerren und umweltfreundliche Alternativen weniger attraktiv machen könnten.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Das, was in der deutschen Luftverkehrswirtschaft gerade passiert, ist ein echtes Wechselbad der Gefühle. Die Airlines stehen unter Druck, die Passagiere auf der Strecke zu halten und gleichzeitig die Kosten zu drücken. Wir können gespannt sein, ob die angekündigten Maßnahmen tatsächlich helfen, die Situation zu verbessern, oder ob die Reise für die Fluggesellschaften und ihre Kunden weiter so beschwerlich bleibt wie bisher. Eines ist sicher: Bei diesen Preisen liegt ein guter Teil der Planung in der eigenen Hand – auch beim Fluggast.