Der Flughafen Berlin Brandenburg (BER) scheint auch im Jahr 2026 ein Krisengebiet zu bleiben. Während die Luftfahrtbranche sich langsam von den Auswirkungen der Pandemie erholt, kämpft der BER weiterhin mit einer Vielzahl von Herausforderungen. Eine der jüngsten Entwicklungen ist die Entscheidung von Ryanair, seine Basis am Flughafen bis Ende Oktober 2023 zu schließen und das Winterangebot um die Hälfte zu kürzen. Dies betrifft nicht nur die Flugverbindungen, sondern auch die rund 210 Piloten und Crewmitglieder, die in Berlin leben und möglicherweise alternative Positionen innerhalb des Ryanair-Netzwerks erhalten könnten.
Die Gründe für Ryanairs drastische Einschnitte sind vielfältig. Die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) hat angekündigt, die Gebühren zwischen 2027 und 2029 um 10 % zu erhöhen, was die Airline als untragbar empfindet. Ryanair behauptet sogar, dass die Flughafenentgelte seit der Covid-Pandemie um satte 50 % gestiegen sind. Obwohl die FBB diese Erhöhung zurückweist, bleibt die Unsicherheit bestehen. In der Zukunft könnte der Flughafen weiterhin von Ryanair angeflogen werden, jedoch nur mit außerhalb Deutschlands stationierten Flugzeugen. Verbindungen nach Bologna, Tallinn und Pisa fallen weg, während die größeren Verbindungen nach London drastisch reduziert werden.
Die finanziellen Herausforderungen des BER
Der BER hat im vergangenen Jahr rund 26 Millionen Passagiere begrüßt, was jedoch nicht ausreicht, um die hohen Fixkosten zu decken. Die planmäßigen Abschreibungen für 2024 belaufen sich auf über 210 Millionen Euro, und der Konzernjahresfehlbetrag liegt bei 134,4 Millionen Euro. Die hohen Entgelte für Airlines, vor allem für Low-Cost-Carrier wie Ryanair, machen den Standort zunehmend unrentabel. Die Situation wird zusätzlich durch einen angekündigten Anstieg der Luftverkehrsteuer ab Mai 2024 kompliziert. Kerosinpreise und die Abhängigkeit von der Raffinerie PCK Schwedt könnten ebenfalls Einfluss auf die wirtschaftliche Lage des Flughafens haben.
Ein Ransomware-Angriff im September 2025 und ein Warnstreik im März 2026, der den Passagierverkehr komplett zum Stillstand brachte, haben die ohnehin fragile Situation weiter verschärft. Die Geschäftsführung des BER verzeichnete im Jahr 2024 Gesamtbezüge von über 1,7 Millionen Euro, was in der Öffentlichkeit für Diskussionen sorgt, während die Situation der Passagierzahlen und der Airlines weiterhin angespannt bleibt.
Marktfaktoren und Airline-Strategien
Eine Studie im Auftrag von T&E beleuchtet die Abhängigkeit der Passagierzahlen im Luftverkehr von Airline-Strategien und Markttrends. Sie zeigt, dass nationale Luftverkehrssteuern und -gebühren nicht die alleinigen Faktoren für den Rückgang der Passagierzahlen nach der Pandemie sind. Flughäfen mit hohen Standortkosten können durchaus hohe Passagierzahlen verzeichnen, während niedrigere Kosten nicht automatisch mit mehr Reisenden einhergehen. Ein Beispiel dafür ist der Flughafen Heathrow, der trotz der höchsten standortbezogenen Kosten auch die meisten Passagiere in Europa verzeichnet.
Die langfristige Nachfrage im Luftverkehr wird vor allem durch das Angebot bestimmt. Die Airline-Strategien, die oft schon Monate im Voraus festgelegt werden, haben maßgeblichen Einfluss auf die Passagierzahlen. In den letzten Jahren haben viele große deutsche Unternehmen ihre Emissionen aus Geschäftsreisen deutlich gesenkt, während Urlaubsreisen an Bedeutung gewonnen haben. All diese Faktoren spielen in die Zukunft des BER und die allgemeine Luftfahrtlandschaft hinein.
Die Situation am Flughafen BER bleibt angespannt und von Unsicherheiten geprägt. Während Ryanair und andere Airlines ihre Strategien anpassen, bleibt abzuwarten, wie sich die Lage in den kommenden Jahren entwickeln wird. Die Luftfahrtbranche wird weiterhin ein spannendes, aber auch herausforderndes Terrain bleiben.