Ein ganz besonderer Anblick hat sich kürzlich in Passau geboten: Ein Storch hat es sich auf dem Schlot der ehemaligen Innstadtbrauerei gemütlich gemacht. Das ist kein neuer Besucher; vor zwei Jahren gab es bereits einen Artikel über ihn. Solche Wiederkehrer haben ihren ganz eigenen Charme. In der Stadt, die von einer tiefen Tierliebe geprägt ist, kommen oft Anrufe von besorgten Bürgern, die Hilfe für allerlei Tiere benötigen – seien es Störche, Bienenschwärme oder Entenmütter. Diese Liebe zur Tierwelt steht jedoch in einem interessanten Widerspruch zum alltäglichen Fleischkonsum. Eine Frage, die viele beschäftigt: Wie kann man einerseits Tiere bewundern und andererseits ihren Verzehr akzeptieren?

In Brandenburg ist die Situation in der Eierindustrie besorgniserregend. Dort gibt es zurzeit kaum regionale Eier, da die Branche stark unter Druck steht. Rund zwei Millionen Hühner mussten in der Geflügelindustrie sowohl in Brandenburg als auch in Bayern massenhaft ihr Leben lassen. Die bekannten Marken wie „Landkost“ und „Deutsche Frühstücksei“ sind kaum noch existent. Die Massentierhaltung hat fatale Folgen und begünstigt Seuchen – ein Teufelskreis, der erst durch den Ausbruch einer solchen zur vollen Tragweite wird. Die Ställe, die nun leer stehen, werden noch Wochen brauchen, um wieder mit Leben gefüllt zu werden.

Der Gedanke an eine Agrarwende

Die Diskussion um die Agrarwende nimmt immer mehr Fahrt auf. Viele Stimmen fordern eine 100 % ökologische Landwirtschaft. Die EU-Öko-Verordnung soll überarbeitet werden, damit Tiere artgerecht gehalten werden. Dazu gehört, dass Ställe mit Stroh eingestreut sind und Rinder im Sommer auf die Weide dürfen; im Winter sollten sie zumindest Auslauf haben. Das Futter für die Rinder sollte aus frischem Gras und Heu bestehen, während Kraftfutter aus Getreide und Soja verboten ist. Es wird immer deutlicher, dass eine kleinteilige, regionale Landwirtschaft mit geschlossenen Stoffkreisläufen nötig ist.

Schweine, die viel Zeit im Freien verbringen und auch mal im Boden wühlen können, sollten Abfälle aus dem Lebensmittelhandwerk verwerten, ohne mit Menschen um Nahrung zu konkurrieren. Ein Verbot von genmanipuliertem Soja aus Südamerika wird ebenso gefordert wie eine Reduzierung des Antibiotika-Einsatzes durch gesündere Tiere. Doch das alles erfordert ein Umdenken in der Gesellschaft: Weniger tierische Produkte zu höheren Preisen akzeptieren – das ist der Schlüssel.

Tierschutz und Verantwortung

Der Kauf von Lebensmitteln hat eine immense Auswirkung auf das Wohl der Tiere. Der WWF empfiehlt, tierische Produkte zu reduzieren oder ganz darauf zu verzichten. Bioprodukte, insbesondere solche mit einem der anerkannten Bioverbands-Logos, sollten bevorzugt werden. Doch die Verantwortung für eine artgerechte Tierhaltung sollte nicht allein den Verbrauchern überlassen werden. Der Einzelhandel, die Industrie und die Politik müssen ebenfalls ihren Teil dazu beitragen, den Umbau der Tierhaltung voranzutreiben.

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Maßnahmen wie die Auslistung von Produkten aus tierquälerischen Haltungsformen und die Festlegung von Mindeststandards für tiergerechte Qualität im Sortiment sind entscheidend. Ein Beispiel dafür ist die Familie Hopmann aus Kappeln, die von der intensiven Schweinemast auf Bio- und Freilandschweine umgestellt hat – eine Entscheidung, die nicht nur das Tierwohl verbessert, sondern auch die Nährstoffbelastung in der Ostsee verringert hat. Ihre Anstrengungen wurden sogar mit dem Titel Ostsee-Landwirt:innen des Jahres 2023 ausgezeichnet.

Während wir über all diese Themen nachdenken, bleibt die Frage, wie wir unsere Beziehung zu Tieren und der Natur nachhaltig gestalten können. Die Zeit ist reif für Veränderungen, und der Weg dorthin ist gepflastert mit Herausforderungen und Chancen. Irgendwie bleibt es spannend, wie sich diese Diskussion weiterentwickeln wird – und wie wir alle Teil davon sind.