Die nächtlichen Straßen Berlins sind in Aufruhr, denn eine skrupellose Bande hat es auf Geldautomaten abgesehen. Zwischen 1 und 5 Uhr morgens, wenn die meisten Menschen schlafen, schlagen die Täter in Einkaufszentren zu. Besonders betroffen sind die Bezirke Reinickendorf, Pankow, Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf. Die Polizei geht davon aus, dass eine bestimmte Tätergruppe hinter diesen Sprengungen steckt, da die Vorgehensweise immer gleich bleibt.
Vor der Sprengung stehlen die Täter in der Regel SUVs mit Allradantrieb, die sie in der Nähe des Tatorts abstellen. Mit einem technischen Know-how, das ihresgleichen sucht, nutzen sie Schweißlanzen, um brennbares Gas in die Geldautomaten einzuleiten. Dieses Gasgemisch, meist aus Sauerstoff und Acetylen, wird dann mit einer Zündvorrichtung zur Explosion gebracht. In den letzten Jahren sind die Banden dazu übergegangen, auch Explosivstoffe wie TATP einzusetzen, die eine noch verlässlichere Sprengwirkung erzielen.
Die Gefahren der Geldautomatensprengungen
Diese kriminellen Machenschaften sind nicht nur ein finanzielles, sondern auch ein großes Sicherheitsproblem. Die Explosionen verursachen Schäden in Höhe von mehreren Hunderttausend Euro und stellen eine erhebliche Gefahr für Anwohner und Passanten dar. Trümmerteile fliegen durch die Luft, während die Täter rücksichtslos mit ihren hochmotorisierten Fahrzeugen fliehen, was Dritte und Polizeieinsatzkräfte in Gefahr bringt.
Die Polizei hat in den letzten Jahren einen Anstieg der Fallzahlen registriert. Im Jahr 2021 wurden 392 Geldautomatensprengungen verzeichnet, mit einem Rückgang von 5% im Vergleich zu 2020. Interessanterweise wurden 250 dieser Sprengungen mit festen Explosivstoffen durchgeführt, was einen deutlichen Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren darstellt. Auch die Täterzahlen sind alarmierend: 2021 gab es 124 Tatverdächtige, wobei die Mehrheit niederländische Staatsangehörige waren.
Neue Maßnahmen zur Bekämpfung
Um dem Ganzen Herr zu werden, haben Banken und Sparkassen verschiedene Maßnahmen ergriffen, um Geldautomaten sicherer zu machen. Sie setzen auf modernere Geräte und schließen die Filialen nachts, um die Risiken zu minimieren. Laut dem Bundeskriminalamt (BKA) wurden im Jahr 2023 insgesamt 461 Geldautomaten gesprengt, was einem Rückgang von 7,1 Prozent im Vergleich zu 2022 entspricht. Doch trotz dieser positiven Entwicklung bleibt die erbeutete Bargeldsumme mit 28,4 Millionen Euro auf hohem Niveau.
Die Bundesregierung plant zudem, Geldautomatensprengungen mit Freiheitsstrafen von mindestens zwei Jahren zu bestrafen und Änderungen am Sprengstoffgesetz vorzunehmen. In diesem Kontext wurde am 8. November 2022 eine gemeinsame Erklärung zur Bekämpfung von Geldautomatensprengungen unterzeichnet, und ein „Runder Tisch“ wurde eingerichtet, um präventive Maßnahmen zu fördern.
Die Dunkelheit der Nacht mag für die Täter ein Verbündeter sein, doch die steigenden Ermittlungszahlen und präventiven Maßnahmen zeigen, dass die Polizei und die Politik entschlossen sind, dem Treiben ein Ende zu setzen. Die Sicherheit der Bürger hat oberste Priorität, und es bleibt zu hoffen, dass die Maßnahmen Früchte tragen werden, um diese kriminellen Banden aus dem Verkehr zu ziehen.
Für weiterführende Informationen zu diesem Thema, besuchen Sie bitte die Artikel von Bild, BKA, und Tagesschau.