Schachspiel um Schulplätze: Potsdams Schüler im Dilemma
In Potsdam sieht es im Jahr 2023 zwar etwas besser aus als in den Vorjahren, dennoch bleibt die Platznot an den weiterführenden Schulen ein brisantes Thema. Über 60 Schüler stehen aktuell ohne Zugang zu ihrer Erst- oder Zweitwunschschule da. Ein bisschen ungerecht, oder? Die Alternativen, die sie wählen müssen, sind oft nicht das, was sie sich erhofft haben. Das Ü7-Verfahren, das den Übergang von der Grundschule zu den weiterführenden Schulen in Brandenburg regelt, hat in diesem Jahr über 1800 Schüler und deren Familien in Atem gehalten. Es ist wie ein großes Schachspiel – nur dass die meisten Figuren nicht die gewünschten Züge machen können.
In den letzten Jahren war die Nachfrage nach Gymnasialplätzen besonders hoch – keine Überraschung. Einige Gesamtschulen waren überrannt, und die beliebten Schulen, wie das Humboldt-Gymnasium oder die Da-Vinci-Gesamtschule, vergeben ihre Plätze nach den Leistungen der bewerbenden Sechstklässler. Ein paar mehr Plätze wurden geschaffen, insbesondere an Schulen wie dem Helmholtz- und Bertha-von-Suttner-Gymnasium. Doch die Realität bleibt: 37 Schüler, die ein Gymnasium wollten, wurden an das Helmholtz- und das Nord-Gymnasium in Krampnitz vermittelt. Das hat natürlich seine Tücken.
Schulen als Auffangbecken
Die Steuben-Gesamtschule sowie die Kollwitz- und Fontane-Oberschule haben sich als wichtige Auffangbecken für die betroffenen Schüler etabliert. Hier finden sie zumindest eine Möglichkeit, ihre schulische Karriere fortzusetzen – auch wenn es nicht die Wunschschule ist. Im Vergleich zu den Vorjahren, als bis zu 100 Schüler ohne Wunschschule dastanden, ist die Situation zwar besser geworden, aber der Druck ist spürbar. Im September 2022 wurden noch 421 erfolglose Erstwünsche und 37 Zwangszuweisungen gemeldet. Ein Widerspruch gegen eine Zuweisung liegt derzeit vor, und wie bei einem guten alten Pokerspiel können später noch weitere Widersprüche eingelegt werden.
Die Eltern in Brandenburg stehen unter Druck. Bis Anfang Januar müssen sie einen Antrag auf die Erstellung einer Empfehlung der Grundschule stellen, wenn sie ihr Kind in Jahrgangsstufe 5 an einer der begehrten Schulen anmelden möchten. Und diese Anmeldung erfolgt dann digital im Februar. Ganz schön viel zu beachten! Für Schüler, die aus Grundschulen außerhalb Brandenburgs kommen, gibt es spezielle Hinweise zur Anmeldung – was die Sache nicht einfacher macht.
Leistungs- und Begabungsklassen
Die sechsjährige Grundschule bleibt in Brandenburg bestehen. Nach vier Jahren Grundschulzeit können Schüler in Leistungs- und Begabungsklassen (LuBK) an ausgewählten Gymnasien oder Gesamtschulen aufgenommen werden. Insgesamt gibt es 35 Standorte mit LuBK, verteilt auf 30 Gymnasien und eine Gesamtschule in öffentlicher Trägerschaft sowie vier Gymnasien in freier Trägerschaft. Doch um in eine LuBK zu kommen, reicht es nicht, einfach nur die Schulbank zu drücken. Eine Notensumme von maximal 5 in den Fächern Deutsch, Mathematik und einer ersten Fremdsprache ist Voraussetzung. Wenn die Schulleitung der aufnehmenden Schule dann noch die Empfehlung der Grundschule sowie einen prognostischen Test und ein Eignungsgespräch berücksichtigt, steht dem Weg in die LuBK nichts mehr im Wege. Klingt nach einem echten Auswahlverfahren, oder?
Die Schulen haben die Möglichkeit, LuBK mit verschiedenen Profilen einzurichten – sei es sprachlich, musisch-künstlerisch oder mathematisch-naturwissenschaftlich-technisch. Kombis sind auch denkbar. Das fördert individuelle Begabungen – und das ist doch echt wichtig, oder? Die Förderung individueller Begabungsprofile ohne spezifische Schwerpunktsetzung ist ebenfalls ein Plus. Und wenn man noch zusätzliche Lernangebote wie Schülerakademien und Wettbewerbe einführt, scheint das ganze System doch ein bisschen durchdacht.
So bleibt der Ausblick auf die kommenden Jahre spannend. Prognosen deuten darauf hin, dass die Schülerzahlen an den weiterführenden Schulen steigen werden, während die Kapazitäten gleich bleiben. Erst in den 2030er Jahren wird ein Rückgang der Schülerzahlen erwartet – bedingt durch den deutschlandweiten Geburtenknick. Bis dahin bleibt die Herausforderung, die Wunschausbildung für viele Schüler zu sichern. Und vielleicht, nur vielleicht, wird der Druck auf die Schulen und die Eltern etwas nachlassen. Bis dahin heißt es: Augen auf und durch! Es bleibt spannend in Potsdam.
