In Potsdam hat sich in der letzten Zeit einiges getan, und das ist nicht nur den Windböen geschuldet, die über den Alten Markt fegen. Aktuell läuft eine spannende Sonderausstellung im Potsdam-Museum unter dem Titel „Platz_für Neues?“. Hier wird nicht nur der Platz selbst, sondern auch die Geschichte und die Veränderungen, die er durchlaufen hat, beleuchtet. Eine Zeitzeugin, die seit 1961 in Potsdam lebt, hat sich auch zu Wort gemeldet. Sie beschreibt den Alten Markt als windig und, ehrlich gesagt, ziemlich charakterlos – ein Ort, den man bestenfalls auf dem Weg in die Innenstadt passiert. Doch es gibt auch positive Erinnerungen, etwa an eine Campingausstellung, die unter der Fachhochschule stattfand. Wer hätte gedacht, dass ein Platz so viele Geschichten zu erzählen hat?
Im Jahr 1991, so erzählt sie weiter, stand die Theaterruine auf dem Platz und wirkte grau und trotzig. Ein Fotograf aus Düsseldorf, der dort Aufnahmen machte, scheint die Stimmung gut eingefangen zu haben. Die Ausstellung im Museum lädt die Besucher ein, ihre Wünsche für den Platz zu äußern, und es ist interessant zu sehen, dass sowohl das Verlangen nach mehr Bänken und Bäumen laut wird als auch der Wunsch nach weniger Bäumen und Veranstaltungen. Das zeigt, wie ambivalent die Meinungen über diesen Ort sind. Hier trifft der Autor, ganz nachdenklich, seinen Freund aus Syrien in einem Café am Landtag, der die Ostdeutschen kritisiert, weil sie immer wieder auf die DDR zurückblicken. Ein spannendes Bild von Potsdam und seinen Bewohnern.
Der Alte Markt im Wandel der Zeit
Der Alte Markt hat eine lange und bewegte Geschichte. Ursprünglich befand sich an diesem Ort eine Burganlage, die den Havelübergang schützte. Im 18. Jahrhundert wurde der Platz dann unter Friedrich dem Großen als römische Piazza umgestaltet. Beeindruckende Bauwerke wie die Nikolaikirche und das Alte Rathaus prägen das Bild des Marktes. Bis 1945 fand dort auch ein Wochenmarkt statt, der von der lebhaften Atmosphäre des Ortes zeugte. Straßenbahnen und die Potsdamer Pferdebahn durchzogen das Geschehen auf dem Markt, und Alexander von Humboldt soll in einem der Wohnungen im Stadtschloss Teile seiner berühmten Schrift „Kosmos“ verfasst haben.
Doch nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Geschichte des Alten Marktes eine tragische Wendung. Das Stadtschloss wurde 1960 auf Anordnung der SED gesprengt, und die Südseite des Platzes wurde zu einem sozialistischen Stadtzentrum umgestaltet. Der Verlust der räumlichen Geschlossenheit ist bis heute spürbar. Im Jahr 1989 wurde der Grundstein für ein Theater gelegt, doch der Rohbau wurde 1991 wieder zurückgebaut. Es ist, als würde die Stadt immer wieder versuchen, ihre Identität zu finden – und das ist nicht immer einfach.
Ein Blick in die Zukunft
Aktuell sind große Veränderungen in Planung. Nach 2018 wird das Institut für Lehrerbildung abgerissen, und stattdessen entstehen Nachbauten friderizianischer Bebauung. Geplant sind insgesamt etwa 40 Neubauten, die Wohnen, Gastronomie, Gewerbe und Kultur vereinen. Ein Drittel der Wohnungen wird sozial gefördert, was durchaus positiv zu vermerken ist. Zudem wird die Ringerkolonnade ergänzt und der Steubenplatz neu angelegt. Der Alte Markt hat also die Chance, sich zu revitalisieren und vielleicht wieder zu einem lebendigen Zentrum zu werden – nicht nur als Durchgangsort.
Im Rahmen des Jubiläums der Stiftung Plansammlung Potsdam, die am 5. November 2025 ihr 15-jähriges Bestehen feiert, wird ein Restaurierungsprojekt für 15 historische Pläne initiiert. Diese Pläne dokumentieren den Wandel der Stadt und sind für die Denkmalpflege von großer Bedeutung. Sie zeigen Entwürfe für Wohnhäuser und historische Lagepläne zur Umgestaltung des Platzes vor der Erlöserkirche. Die wissenschaftliche Bedeutung dieser Sammlung ist enorm und könnte der Stadt helfen, sich ihrer Wurzeln wieder bewusst zu werden.