Am 26. Mai 2026 fand ein aufmerksamer Passant, Stephan Dreyse, während einer Fahrradfahrt an der B168 in Prädikow ein Storchenküken. Nur wenige Meter vom Nest entfernt lag das kleine Wesen, das offensichtlich Hilfe benötigte. Es war nicht das einzige Küken in diesem Jahr – im Nest waren insgesamt drei Jungtiere. Sofort halfen eine Anwohnerin und ihre Bekannte, das Küken zu sichern und Fachleute zu kontaktieren. Eine wichtige Maßnahme, denn Wildtiere sind grundsätzlich geschützt, aber verletzte oder hilflose Tiere dürfen aufgenommen werden, um ihnen zu helfen.

Doch die Freude über die schnelle Hilfe war nur von kurzer Dauer. Das Küken wurde in eine Auffangstation gebracht, wo es anfänglich gute Überlebenschancen hatte. Leider starb es am Abend des 27. Mai. Experten hatten bereits vorab gewarnt, dass die Aufzucht in privater Hand riskant sein kann, da die Verletzungen oft unklar sind. Eine Obduktion ergab einen heilbaren Flügelbruch, aber auch tödliche innere Blutungen, die dem kleinen Storch letztlich zum Verhängnis wurden. Der Berliner Storchenexperte Karsten Matschei erinnerte daran, dass die Überlebenschancen unter fachlicher Obhut gut sind, doch in diesem Fall war es nicht genug.

Hilfe für Wildtiere

In der Region gibt es leider nur wenige Stellen, die fachkundige Hilfe für Wildtiere anbieten. Gerade bei solchen Notfällen ist es wichtig, schnell zu handeln und die richtigen Kontakte zu knüpfen. Eine Liste von Wildtierauffangstationen ist unerlässlich, um im Ernstfall schnell reagieren zu können. In Schleswig-Holstein beispielsweise gibt es mehrere Stationen, die sich auf die Aufnahme von Wildtieren spezialisiert haben. Dazu gehören das Tier-, Natur- und Jugendzentrum Weidefeld sowie die Wildtierhilfe Fiel, die sich auf heimische Wildsäuger und Wildvögel konzentrieren. Diese Einrichtungen haben alle die Erlaubnis gemäß § 11 Tierschutzgesetz, was ein gewisses Maß an Vertrauen schafft.

Die fachgerechte Betreuung in Auffangstationen ist ein Thema, das nicht nur Tierschützer beschäftigt. Es gibt oft Defizite, und die fehlenden einheitlichen Leitlinien stellen eine Herausforderung für Genehmigungs- und Kontrollbehörden dar. Ein neues Buch, herausgegeben von Dr. Florian Brandes, Fachtierarzt für Wildtiere und Artenschutz, beleuchtet die Organisation und rechtlichen Vorgaben für solche Einrichtungen. Die Schwerpunkte reichen von der tiermedizinischen Versorgung über die Rahmenbedingungen zur Aufnahme und Betreuung bis hin zum Prozess der Auswilderung. Das Buch dient als wertvolles Nachschlagewerk für alle, die in diesem Bereich tätig sind oder eine Auffangstation gründen möchten.

Wildtiere sind ein wertvoller Teil unserer Natur, und es liegt in unserer Verantwortung, ihnen in Notlagen beizustehen. Die tragische Geschichte des Storchenkükens aus Prädikow ist ein eindringliches Beispiel dafür, wie wichtig schnelles Handeln und die richtige Unterstützung sind. Jeder von uns kann einen Beitrag leisten, sei es durch Aufklärung, Unterstützung von Auffangstationen oder einfach durch Aufmerksamkeit in der Natur.

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