Heute, am 28. Mai 2026, fand in Groß Gottschow das siebte Hofgespräch des Vereins „Länderinnen – Frauen für die Prignitzer Landwirtschaft“ statt. Bei strahlendem Wetter versammelten sich Frauen aus Wirtschaft, Politik und Bildung, um die faszinierende Welt der Landwirtschaft besser zu verstehen. Die Idee war, diese Frauen in landwirtschaftliche Betriebe einzuladen und ihnen ein Bild von den grünen Berufen zu vermitteln. Es war ein bunter Mix aus Neugier und dem Wunsch nach Wissen, der in der Luft lag.
Der Gastgeber, der Landwirtschaftliche Betrieb Osters & Voß, zählt zu den größten landtechnischen Lohnunternehmen Deutschlands. Sein Kerngeschäft umfasst die Erbringung landtechnischer Dienstleistungen und die Komplettbewirtschaftung, ergänzt durch eine eigene Spedition und die Bewirtschaftung von Biogasanlagen. Der Fuhrpark ist beeindruckend: Große Mähdrescher, einige davon mit einem Preis von über 600.000 Euro, fügen sich in die Landschaft ein. Geschäftsführer Osters nahm sich die Zeit, um über die Notwendigkeit größerer landwirtschaftlicher Maschinen zu diskutieren. „Größere Maschinen sind effizienter“, erklärte er. Einleuchtend, oder? Aber die Branche hat auch mit einer Nachfolgeproblematik zu kämpfen. Die Beliebtheit der großen Traktoren und Lkw ist ungebrochen, während die Tierhaltungsberufe weniger Begeisterung hervorrufen.
Frauen in der Landwirtschaft: Ein Unterrepräsentiertes Potenzial
Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass in der deutschen Landwirtschaft rund 35 Prozent der Beschäftigten Frauen sind. Das klingt nach einer soliden Zahl, aber im Vergleich zum bundesweiten Durchschnitt von 47 Prozent sieht die Realität eher mau aus. Nur 11 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland werden von Frauen geführt. Deutschland zählt im EU-Vergleich zu den Schlusslichtern, wenn es um weibliche Führungskräfte in der Landwirtschaft geht.
Die Gastrednerin Stefanie Peters berichtete eindrucksvoll von ihrem Werdegang zurück zur Landwirtschaft. Sie betonte die „gelebte Nachhaltigkeit“ in ihrem Familienbetrieb und das Potenzial, das Frauen in dieser Branche haben. Es ist ermutigend zu hören, dass der Anteil weiblicher Auszubildender in den „grünen Berufen“ auf rund 25 Prozent gestiegen ist und im Jahr 2024 bei knapp 26 Prozent lag. Besonders auffällig ist, dass in Agrarberufen wie der Hauswirtschaft oder dem Pferdewirtschaftsbereich Frauen sogar überrepräsentiert sind. Da könnte man fast von einer kleinen Revolution sprechen!
Gleichstellung in der Landwirtschaft: Eine globale Herausforderung
Doch die Herausforderung der Gleichstellung endet nicht an unseren Landesgrenzen. Laut einem FAO-Bericht verfolgen nur 19 Prozent der weltweit analysierten Agrarpolitiken die Gleichstellung der Geschlechter oder die Rechte von Frauen als explizites Ziel. Die Schließung der geschlechtsspezifischen Lücken könnte das globale Bruttoinlandsprodukt um rund 1 Prozent steigern – das sind fast eine Billion US-Dollar! Wer hätte gedacht, dass Gleichstellung so viel finanzielle Power hat?
In vielen Entwicklungsländern sind die Ernteerträge der Bäuerinnen niedriger als die der Männer, vor allem aufgrund des eingeschränkten Zugangs zu Ressourcen. Technologische Lösungen sind gefragt – viele landwirtschaftliche Maschinen sind nach wie vor für Männer konzipiert und getestet. Wenn wir eine geschlechtergerechte Gestaltung von Technik schaffen, könnten wir Frauen den Zugang zu bestimmten Arbeiten erleichtern und ihre Position auf den Betrieben stärken.
Die Begeisterung für die Landwirtschaft, die heute in Groß Gottschow spürbar war, könnte der erste Schritt sein, um das Bild der Frauen in dieser Branche zu verändern. Es liegt in der Luft, dass sich etwas bewegt. Und vielleicht – nur vielleicht – wird der Tag kommen, an dem wir nicht mehr von „Frauen in der Landwirtschaft“ sprechen müssen, sondern einfach von „Landwirten“.