Die Diskussion um die Zuckerabgabe auf Getränke wie Limonaden und Colas wird immer lauter. Ärztepräsident Klaus Reinhardt fordert eine zügige Einführung dieser Abgabe, die er als „richtig und längst überfällig“ bezeichnet. Schließlich ist die gesundheitliche Lage in Deutschland alles andere als rosig. Reinhardt wird nächste Woche auf dem Deutschen Ärztetag in Hannover sprechen und hat sich bereits klar positioniert: Die Abgabe soll nicht nur zur Verteuerung führen, sondern viel mehr Anreize für Hersteller schaffen, den Zuckergehalt ihrer Produkte zu senken. Das klingt doch nach einem Schritt in die richtige Richtung, oder?
Die schwarz-rote Bundesregierung hat zwar bereits beschlossen, die Abgabe im Jahr 2028 einzuführen, doch Reinhardt sieht hier Handlungsbedarf. „Die positiven Effekte werden erst nach ein paar Jahren sichtbar“, meint er und verweist auf internationale Erfahrungen, die zeigen, dass eine Zuckerabgabe durchaus Wirkung zeigen kann. In Großbritannien beispielsweise ist der Zuckergehalt von Softdrinks nach Einführung der Abgabe um etwa 30 Prozent gesunken – ein ganz schöner Brocken, wenn man bedenkt, wie viel Zucker wir täglich konsumieren! Zudem gibt es Hinweise auf rückläufige Kariesraten und weniger Übergewicht bei Kindern, was die Abgabe umso dringlicher erscheinen lässt.
Ein ernstes Ernährungsproblem
In Deutschland ist das Übergewicht ein ernstzunehmendes Problem. Rund die Hälfte der Erwachsenen bringt ein paar Pfunde zu viel auf die Waage, und etwa ein Viertel gilt sogar als adipös. Die Zahlen bei Kindern und Jugendlichen sind ebenfalls alarmierend. Reinhardt spricht von einem „erheblichen Ernährungsproblem“, das Millionen belastet und zu gesundheitlichen Folgeschäden führt – Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Karies lassen grüßen. Die Kosten, die die Adipositas verursacht, liegen in Deutschland bei über 60 Milliarden Euro jährlich. Das sind Summen, die uns allen weh tun sollten.
Eine Studie aus dem Mikrozensus 2021 zeigt, dass 61 % der Männer und 38 % der Frauen im Alter von 18 bis 65 Jahren übergewichtig sind. Besonders betroffen sind die 60- bis 64-Jährigen, wo die Zahlen auf erschreckende 72 % bei Männern und 51 % bei Frauen steigen. Und während die Häufigkeit von Übergewicht bei älteren Erwachsenen stagniert, sieht es bei den Jüngeren leider ganz anders aus. Hier zeigt sich ein besorgniserregender Trend: immer mehr junge Menschen tragen zu viel Gewicht mit sich herum.
Gesundheitsrisiken und sozialer Kontext
Der Zusammenhang zwischen Übergewicht und einem niedrigen sozioökonomischen Status ist ebenfalls nicht zu ignorieren. Menschen mit einem solchen Hintergrund haben ein höheres Risiko, übergewichtig zu werden – das gilt sowohl für Erwachsene als auch für Kinder. Auch Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund sind häufig übergewichtig. Das ist ein Thema, das nicht nur auf individueller Ebene, sondern auch gesellschaftlich angegangen werden muss. Wir müssen die Lebensbedingungen gesünder gestalten, damit für alle die Chance auf ein besseres Gewicht und damit auch auf eine bessere Gesundheit steigt.
Die geplante Zuckerabgabe könnte also nicht nur den Herstellern von Softdrinks einen Denkzettel verpassen, sondern auch der Gesellschaft insgesamt helfen, ein Stück weit gesünder zu werden. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Dinge entwickeln und ob die Politik den Mut hat, diese notwendigen Schritte zu gehen. Ein bisschen mehr Gesundheit für alle wäre ja ein echter Gewinn.