In Frankfurt, einer Stadt, die oft für ihre Wolkenkratzer und das geschäftige Treiben bekannt ist, gibt es eine Gruppe von Musikern, die sich nicht um den Trubel kümmert. Im Probenraum des Heinrich-von-Gagern-Gymnasiums trifft sich das Orchester „Akkordeana“ – ein bunter Haufen von 18 leidenschaftlichen Musikern, die im Alter von 29 bis 82 Jahren einander mit ihren Akkordeons verzaubern. Wer denkt, das Akkordeon sei nur ein Instrument für Volksmusik, der sollte unbedingt einen Blick auf die Vielfalt werfen, die dieses Ensemble zu bieten hat.
Seit 1949 besteht „Akkordeana“ und hat sich im Laufe der Jahre einen Namen gemacht. Zwei- bis dreimal jährlich treten sie in Frankfurt und Umgebung auf, und ihr Repertoire ist so abwechslungsreich wie ihre Mitglieder. Von Dvořáks Neunter Sinfonie bis hin zu der mitreißenden Filmmusik aus „Fluch der Karibik“ – jeder Auftritt ist ein Fest für die Ohren. Bei den Proben schwingt ein Medley aus Leonard Bernsteins „West Side Story“ durch den Raum, und man kann die Freude der Musiker förmlich spüren. Es ist ein Miteinander, das an eine große Familie erinnert.
Das Herzstück Akkordeon
Uschi Rühr, die seit 1958 Teil des Orchesters ist, erzählt von ihrer langen Geschichte mit dem Instrument. Sie hat das Akkordeon entdeckt, nachdem ihr Klavier kaputt war – eine Art glücklicher Zufall, der ihr Leben bereichert hat. „Es ist wie ein Familienersatz für mich“, sagt sie mit einem Lächeln. Und das, was sie und ihre Mitstreiter verbindet, ist nicht nur die Musik, sondern auch die Liebe zu diesem besonderen Instrument, das auch als „Schifferklavier“ oder „Quetschkommode“ bekannt ist.
Die Dirigentin Stefanie Hazenbiller, die seit 2014 die musikalischen Fäden in der Hand hält, hat eine beeindruckende Ausbildung in Wiesbaden genossen. Mit einem Blick für das Besondere zieht sie das Beste aus den Musikern heraus. Das Orchester ist dabei so strukturiert wie ein klassisches Sinfonieorchester, mit vier Stimmgruppen – und das ohne Bass-Knöpfe, denn spezielle Akkordeons für die tiefen Töne kommen hier zum Einsatz. Das gibt dem Klang eine faszinierende Tiefe und Vielfalt. Jutta, eine 66-jährige Musikerin, die erst seit einem Jahr dabei ist, hat bereits eine leidenschaftliche Beziehung zu ihrem Akkordeon aufgebaut. Es ist eine Liebe, die wie ein guter Wein mit der Zeit immer besser wird.
Die Zukunft des Akkordeons
Das Akkordeon wird 2026 sogar zum „Instrument des Jahres“ gekürt – ein Titel, der das Interesse an diesem vielseitigen Instrument noch weiter steigert. In der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar studieren aktuell sechs Akkordeonisten, unterrichtet von Professorin Claudia Buder, die das Akkordeon als „atmendes Instrument“ bezeichnet. Sie hebt die Einheit zwischen Spieler und Instrument hervor, was beim Spielen einfach spürbar ist. Das Akkordeon hat eine interessante politische Geschichte, besonders nach dem Zweiten Weltkrieg in der sowjetischen Besatzungszone, und ist ein Symbol für viele verschiedene Musikstile – von Musette-Walzern in Frankreich bis hin zu Tangos in Argentinien.
Die Ursprünge des Akkordeons reichen bis nach China zurück, wo das Prinzip der freien Zunge bereits vor 2000 Jahren im Sheng verwendet wurde. Das moderne Akkordeon, wie wir es kennen, entstand im 19. Jahrhundert in Europa. Cyrill Demian ließ 1829 das „Accordion“ patentieren, und seitdem hat sich das Instrument rasant verbreitet, nicht zuletzt wegen seiner Transportierbarkeit und Klangvielfalt. In den letzten Jahren ist das Interesse am Akkordeonspielen weltweit gewachsen – es gibt Musikschulen und private Lehrer, die sowohl Kindern als auch Erwachsenen die Freude am Spielen näherbringen.
Ob im klassischen Kontext oder in der Volksmusik, das Akkordeon hat sich einen festen Platz in der Musikwelt erobert. Und während die Musiker von „Akkordeana“ im Probenraum ihre Lieder spielen, wird klar: Es geht nicht nur um die Musik, sondern um die Gemeinschaft, die sie durch das gemeinsame Spiel erleben. Es ist ein Ort, an dem jeder willkommen ist, egal ob jung oder alt, und wo die Melodien nicht nur Töne sind, sondern Geschichten erzählen. Wer einmal in den Genuss kommt, einem Konzert der Akkordeana beizuwohnen, wird verstehen, was es heißt, Teil dieser besonderen Familie zu sein.