In den letzten zweieinhalb Jahren hat die hessische Polizei eine besorgniserregende Anzahl von 28 Angriffen auf Gedenkorte registriert, die an die Verbrechen des Nationalsozialismus erinnern. Die Dunkelziffer könnte noch höher sein, denn nur zwei der Taten wurden bisher aufgeklärt. Vor allem die Schändungen jüdischer Friedhöfe, insgesamt 21 in den letzten sechs Jahren, werfen ein grelles Licht auf die anhaltende Problematik des Antisemitismus in unserer Gesellschaft. Diese schrecklichen Vorfälle, wie die zuletzt im Oktober 2023 registrierten Angriffe auf die Gedenkstätte für die NS-Tötungsanstalt in Hadamar und das Deportationsmahnmal in Wiesbaden, lassen einen frösteln und zeigen, dass die dunkle Geschichte unseres Landes noch immer nicht abgeschlossen ist.

Die Zahlen stammen aus einer Anfrage der Grünen im Landtag und wurden vom hessischen Innenministerium veröffentlicht. Die Polizei stuft die meisten dieser Taten als politisch rechts motivierte Kriminalität ein. Dabei geht es um die Verwendung verfassungswidriger Kennzeichen, Sachbeschädigung und sogar Volksverhetzung. Das ist nicht nur ein Schlag ins Gesicht für die Erinnerungskultur, sondern auch ein deutliches Zeichen, dass viele Menschen die Lehren aus der Geschichte immer noch nicht verinnerlicht haben.

Die traurige Realität der Friedhofsschändungen

Die Schändungen jüdischer Friedhöfe sind besonders tragisch, da diese Gräber für die Ewigkeit gedacht sind. Sie werden nicht eingeebnet, was sie zu einem besonders verletzlichen Ziel für antisemitische Übergriffe macht. Städte wie Frankfurt und Offenbach sowie kleinere Orte wie Korbach und Babenhausen sind betroffen, und in den meisten Fällen wird von rechtsextremen Motiven ausgegangen. Auch hier hat die Polizei ähnliche Ermittlungsansätze wie bei den Gedenkorten. Aber auch wenn die Ermittlungen im Gange sind, bleibt die Frage: Warum geschieht das immer wieder?

Die hessische Landesregierung hat die gesellschaftliche Bedeutung von NS-Gedenkstätten betont. Diese Orte sind nicht nur Erinnerungsstätten, sondern auch wichtig für die Präventionsarbeit gegen Antisemitismus und Rassismus. Die Polizei bietet individuelle und kostenlose Beratungen zum Schutz von Mahnmalen und Gedenkstätten an. Das klingt gut, aber ob das ausreicht? Nach Übergriffen steht die Polizei bereit, um Zeugen und Geschädigte zu beraten. Doch die Frage der Sicherheit bleibt – wie können wir verhindern, dass solche Anschläge wieder geschehen?

Schutzmaßnahmen und gesellschaftliches Bewusstsein

Die Hessische Landeszentrale für politische Bildung und die Landesregierung stehen den Gedenkstätten als Ansprechpartner zur Verfügung. Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber er bleibt nur so stark wie das gesellschaftliche Bewusstsein. Es braucht ein gemeinsames Engagement, um die Erinnerungsarbeit lebendig zu halten und die Gefahr von Antisemitismus und Rassismus ernsthaft zu bekämpfen. Die schockierenden Angriffe der letzten Jahre machen deutlich, dass wir noch einen langen Weg vor uns haben.

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In einer Zeit, in der es so viel über Toleranz und Vielfalt zu lernen gibt, müssen wir uns auch mit den dunklen Ecken unserer Geschichte auseinandersetzen und die Stimme gegen das Vergessen erheben. Denn nur so können wir sicherstellen, dass das, was geschehen ist, niemals in Vergessenheit gerät und sich nicht wiederholt. Es liegt an uns allen, diese Erinnerungskultur aktiv zu gestalten und zu schützen.