Heute ist der 30.04.2026 und im malerischen Spreewald, genauer gesagt in Lübbenau, beginnt eine ganz besondere Zeit: Andrea Bunar, die seit Mittwoch wieder als Postzustellerin im Spreewald aktiv ist, startet ihre 15. Saison der traditionellen Spreewaldkahnzustellung. Diese einzigartige Form der Postzustellung, die laut der Deutschen Post die einzige ihrer Art in Deutschland ist, erfreut sich großer Beliebtheit und hat eine lange Tradition.

Mit ihrem neun Meter langen Kahn durchquert Bunar die idyllischen Wasserwege des Biosphärenreservats Spreewald. Ihre Route führt sie an 65 Uferhäusern vorbei, wo sie pro Woche über 600 Briefe und rund 80 Pakete ausliefert. Die Zustellung erfolgt von April bis Oktober, Montag bis Samstag, und dauert in der Regel zwei bis drei Stunden. Da viele Häuser im Spreewald keine direkte Straßenanbindung haben, ist die Kahnzustellung eine willkommene Erleichterung für die Anwohner.

Die Kunst der Kahnzustellung

Andrea Bunar, 55 Jahre alt, hat in den letzten 14 Jahren nicht nur Post zugestellt, sondern auch eine besondere Verbindung zu den Bewohnern der Region aufgebaut. Mit einem langen Paddel navigiert sie ihren Kahn durch die schmalen Kanäle und genießt die ruhige, entspannende Atmosphäre auf dem Wasser. Dabei hat sie in der ersten Wochen nach Saisonstart oft mit Muskelkater in den Armen zu kämpfen – schließlich bewegt sie den Kahn ganz ohne Fitnessstudio! Ihre Tour erstreckt sich über etwa 8 Kilometer, und sie ist nicht nur für die Zustellung von Briefen und Paketen zuständig, sondern verkauft auch Briefmarken, damit die Bewohner ihre eigene Post versenden können.

Die Kahnzustellung hat eine lange Geschichte, die bis vor 129 Jahren zurückreicht. Früher holten die Dorfbewohner ihre Post sonntags nach dem Kirchgang ab. In den 1980er Jahren wurde der Postkahn von Holz auf Aluminium umgestellt, was die Wartung erheblich erleichtert hat. Auch wenn die Zeiten sich geändert haben, bleibt diese Tradition ein fester Bestandteil des Lebens im Spreewald.

Besondere Lieferungen und Herausforderungen

In der täglichen Lieferung von Bunar finden sich immer wieder Überraschungen. Zu den jüngsten Paketen gehörten unter anderem ein E-Scooter, ein Kühlschrank und sogar ein großer Baum. Sie hat sich nie von bellenden Hunden oder anderen Herausforderungen abschrecken lassen – Verletzungen oder ein Sturz ins Wasser sind ihr bislang erspart geblieben.

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Im Winter, wenn die Kahnzustellung pausiert, wechselt Bunar zu einem Postauto und muss oft lange Strecken zu Fuß zurücklegen. Doch ihre Leidenschaft für die Arbeit auf dem Wasser bleibt ungebrochen. „Es ist mein Traumberuf“, sagt sie, und das merkt man ihr in jeder Lieferung an. Die Kahnzustellung ist nicht nur eine effektive Methode, um die Post zu liefern, sondern auch ein Stück lebendige Tradition, das die Menschen in der Region miteinander verbindet.

So zeigt sich einmal mehr, dass die Postzustellung im Spreewald weit mehr ist als nur ein Job – es ist eine Lebensart, die Geschichte, Natur und Gemeinschaft vereint. Für Andrea Bunar und die Bewohner von Lehde ist die Ankunft des Postkahns jedes Jahr ein kleines Fest.