Am 4. Juni wird in Hamburg ein ganz besonderes Stück Geschichte versteigert: eine ehemalige Militärplattform aus der DDR, die im Greifswalder Bodden thront. Diese Auktion, organisiert von der Norddeutschen Grundstücksauktionen AG, könnte für den einen oder anderen eine einmalige Gelegenheit sein. Mit einem Mindestpreis von 39.000 Euro lockt die Plattform Käufer an, die sich für ein Stück Vergangenheit interessieren – oder einfach nur das Abenteuer suchen.
Die Plattform wurde in den 1950er-Jahren erbaut und diente der Volksmarine als Entmagnetisierungsstation, um Schiffe vor gefährlichen Magnetminen zu schützen. Ganz schön clever, oder? Dazu wurden Kabel im Meeresboden verlegt, um das Magnetfeld der Schiffe zu reduzieren. Heute präsentiert sich die Plattform allerdings in einem ziemlich desolaten Zustand. Rost, Risse und zerstörte Fenster zeugen von den vielen Jahren des Verfalls, nachdem sie nach der Wiedervereinigung ihre militärische Funktion verlor. Pläne, sie für Kunstprojekte oder Ferienanlagen zu nutzen, blieben allesamt auf der Strecke.
Ein Rückzugsort für die Natur
Komischerweise hat sich die Plattform inzwischen zu einem Rückzugsort für Vögel entwickelt – insbesondere für die charmanten Kormorane, die hier ein neues Zuhause gefunden haben. Erreichbar ist die Plattform nur per Boot, was ihr einen gewissen Reiz verleiht. Aber bevor du in die Bootsplanung einsteigst, sei gewarnt: Eine Besichtigung ist aufgrund der baulichen Schäden nicht möglich. Käufer erwerben ein Nutzungsrecht für die Wasserfläche, was irgendwie auch eine ganz besondere Art von Freiheit mit sich bringt.
Und falls du noch ein bisschen mehr für dein Geld bekommen willst, gibt es auf der Plattform eine mehrere Tonnen schwere Keramikskulptur, die separat erstanden werden kann. Das ist doch mal eine originelle Beigabe, oder? Die Auktion beginnt um 11 Uhr im Haus der Patriotischen Gesellschaft, und der Einlass in den Reimarus-Saal erfolgt etwa 30 Minuten vorher. Wer sich für die Plattform interessiert, sollte sich also besser rechtzeitig registrieren – am besten ein paar Tage vorher, um auf der sicheren Seite zu sein.
Ein Blick auf die Ostervilm
Interessanterweise erinnert diese Plattform an die künstliche Insel Ostervilm, die sich ebenfalls in der Ostsee nahe Rügen befindet. Diese wurde, wie die Hamburger Plattform, zu DDR-Zeiten als Entmagnetisierungsstation genutzt. Dort steht ein verfallenes Wohnhaus auf 600 Pfählen – auch hier hat die Natur ihr Werk getan, und Vandalismus sowie Vogelkot haben ihren Teil zum Verfall beigetragen. Die Parallelen sind unübersehbar, und die Geschichte der beiden Orte zeigt, wie tief die Spuren der Vergangenheit in unserer Gegenwart verwurzelt sind.
Ein Erbe der DDR
Der Erhalt solcher historischen Stätten wurde auch kürzlich von Ministerin Dr. Schüle gewürdigt, die die Bedeutung des baukulturellen Erbes der DDR betonte. Das Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung hat eine Sammlung zur DDR-Alltags- und Architekturgeschichte eröffnet. Eine digitale Schatztruhe aus zehntausenden Fotos und Plänen, die uns einen einzigartigen Einblick in die Vergangenheit gewährt. Das Archiv ist eine Einladung an alle, sich an der Erschließung der Bestände zu beteiligen – wie spannend!
In einer Zeit, in der wir uns oft in den Strömungen der Gegenwart verlieren, kann der Blick zurück auf solche Orte wie die Hamburger Plattform oder die Ostervilm helfen, ein Gefühl für die eigene Geschichte zu entwickeln. Es ist, als ob die Wellen der Ostsee uns die Geschichten von damals zuflüstern.