In Österreich leben 361.000 Menschen, die als „Working Poor“ gelten – das sind etwa 9% der Erwerbstätigen im Alter von 18 bis 64 Jahren. Eine erschreckende Zahl, wenn man bedenkt, dass diese Personen mehr als sechs Monate gearbeitet haben, aber trotzdem nicht genug Geld verdienen, um über die Armutsgrenze von 1.800 Euro netto im Monat zu kommen. Da fragt man sich doch: Wie kann das sein? Die Sozial- und Arbeitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) hat die aktuellen Budgetmaßnahmen verteidigt, doch Kritiker warnen, dass diese die Situation der „Working Poor“ sogar noch verschärfen könnten. Martin Schenk, ein Experte für Sozialpolitik von der Diakonie, bringt es auf den Punkt: Diese Menschen passen nicht ins klassische Bild von Armut.
Die Realität sieht anders aus. Erwerbsarmutsbetroffene sind in allen Branchen und Altersgruppen vertreten, doch besonders in Niedriglohnbereichen wie im Handel oder in der Reinigung. Oft arbeiten sie in prekären und unsicheren Jobs, die nicht ausreichend abgesichert sind. Haushalte mit Kindern und solche, in denen Frauen die Hauptverdienerin sind, sind überproportional betroffen. Besonders alarmierend ist, dass Erwerbstätige ohne österreichische Staatsbürgerschaft mehr als doppelt so oft zur Gruppe der „Working Poor“ zählen. Über 200.000 von ihnen arbeiten sogar in Vollzeit, schaffen es aber dennoch nicht, die grundlegenden Bedürfnisse des Alltags zu decken. Die steigenden Kosten, vor allem für Wohnraum, machen das Ganze noch schlimmer.
Globale Perspektiven
Wenn wir den Blick über die Grenzen hinweg richten, wird das Problem noch deutlicher. Weltweit leben 664 Millionen Menschen trotz Arbeit in Armut, definiert als Einkommen unter 3,65 US-Dollar pro Tag. Das ist ein Rückgang gegenüber 1,1 Milliarden im Jahr 2005 – ein kleiner Lichtblick, aber immer noch erschreckende Zahlen. In vielen Regionen sind die Rückgänge bemerkenswert, besonders in Ostasien, wo die Zahl der „Working Poor“ dank massiver Fortschritte in China von 600 Millionen im Jahr 1991 auf unter 15 Millionen im Jahr 2023 gesenkt wurde. Doch in Südasien leben 42,5 Prozent der Beschäftigten in Armut, während in subsaharischem Afrika 32,8 Prozent betroffen sind.
In Deutschland sieht die Lage nicht viel besser aus. Im Jahr 2024 lebten 6,5 % aller Erwerbstätigen unterhalb der Armutsgefährdungsgrenze. Besonders betroffen sind dabei Menschen mit befristeten Arbeitsverträgen und Teilzeitbeschäftigte. Auch hier zeigt sich, dass Frauen und Männer gleichermaßen unter dieser Form von Armut leiden. Der EU-weite Durchschnitt liegt bei 8,2 % – da ist also noch ordentlich Luft nach oben, um die Situation zu verbessern.
Ein Blick in die Zukunft
Die Herausforderungen der „Working Poor“ sind nicht nur eine momentane Krise, sondern eine sozialpolitische Zeitbombe. Diese Menschen müssen oft mehrere Jobs kombinieren, um über die Runden zu kommen – und das hat langfristige Folgen. Wenn Krankheiten oder Arbeitsunfähigkeit ins Spiel kommen, stehen sie oft vor einem finanziellen Ruin. Politische Maßnahmen, die höhere Abgaben für die „Working Poor“ bedeuten, führen zu spürbaren Lohnkürzungen von 30 bis 45 Euro pro Monat. Ein Personenhaushalt hat derzeit Ausgaben von 1.787 Euro, und viele haben kaum Anspruch auf Sozialleistungen, wie den Familienbonus, was die Situation noch prekärer macht.
Es bleibt zu hoffen, dass die politischen Entscheidungsträger die Dringlichkeit dieser Thematik erkennen und bereit sind, Maßnahmen zu ergreifen, die den zahlreichen Betroffenen helfen. Schließlich geht es hier nicht nur um Zahlen, sondern um Menschen, die für ihre Existenz kämpfen. Die Frage ist, wie lange die Gesellschaft noch wegschauen kann.