Am 18. Juni 2026 trifft sich die Linke in Potsdam zu ihrem Bundesparteitag. Doch der Andrang ist eher mau. Jüdinnen und Juden zeigen wenig Interesse an diesem Event, und das hat seine Gründe. Viele aus der jüdischen Gemeinschaft haben die Partei aufgrund antisemitischer Ausfälle längst abgeschrieben. Die Stimmung ist angespannt, und die innerparteilichen Konflikte sind nicht zu übersehen. Dabei hat die Linke im vergangenen Jahr ihre Mitgliederzahlen verdoppelt – insbesondere unter den jüngeren Generationen. Einige dieser neuen Mitglieder sind aus radikalisierten israelfeindlichen Protesten in die Partei eingetreten, was die Sorgen der jüdischen Gemeinschaft noch verstärkt.

Die Beobachtungen sind alarmierend: Autoritär organisierte Gruppen innerhalb der Linken scheinen einen stalinistischen Antizionismus zu vertreten. Das sorgt nicht nur für Unmut, sondern auch für ein Gefühl der Unsicherheit. Die demokratische Linke, vor allem in den Ostverbänden, ist genervt von diesen sogenannten „Hardlinern“. Inmitten dieser Herausforderungen wächst jedoch die Bundesarbeitsgemeinschaft „Shalom“, die sich aktiv gegen Judenhass in der Partei einsetzt. Interessanterweise hat die BAG „Shalom“ mittlerweile mehr Mitglieder als die BAG „Palästinasolidarität“, die gegen den „real existierenden Zionismus“ mobilisiert. Das zeigt, dass es durchaus eine Gegenbewegung gibt, die sich für die jüdische Perspektive starkmacht.

Ein Antrag mit Bedeutung

Der Parteivorstand plant, einen zentralen Antrag zu Antisemitismus auf dem Parteitag einzubringen. Dieser Antrag hebt drei zentrale Punkte hervor: das Existenzrecht Israels, die Zweistaatenlösung und die Bekämpfung des Antisemitismus in allen Formen. Eine Einigung auf diese Grundsätze könnte der Partei helfen, sich wieder auf soziale Gerechtigkeit zu konzentrieren – ein Anliegen, das viele Mitglieder mit Überzeugung verfolgen. Denn nicht zu vergessen ist, dass Jüdinnen und Juden in Deutschland überdurchschnittlich häufig von Armut betroffen sind und auf Sozialleistungen angewiesen sind. Hier gibt es viel zu tun, und der Antrag könnte ein erster Schritt in die richtige Richtung sein.

Aber das Bild ist nicht nur rosig. Josef Schuster, der Vorsitzende des Zentralrats der Juden, hat den Beschluss der Linken zur Definition des Antisemitismus kritisiert. Seiner Meinung nach steht die Linke nicht an der Seite der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland. Die Partei hat einen Antrag angenommen, der sich der Jerusalemer Erklärung zum Antisemitismus anschließt. Diese Erklärung, erarbeitet von einer Gruppe überwiegend jüdischer Wissenschaftler, soll die Arbeitsdefinition der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) konkretisieren, da sie als „in wichtigen Punkten unklar“ angesehen wird. Ein wichtiges Thema, das aber auch zu Spannungen führt, denn die Erklärung unterscheidet zwischen Antizionismus und Antisemitismus und führt Beispiele von Israelkritik auf, die nicht als antisemitisch gelten.

Ein radikaler Kern?

Schuster sieht in der Linken einen radikalen Kern, der Antisemitismus verschweigt. Das wirft Fragen auf und sorgt für Diskussionsstoff. Jan van Aken, ein Mitglied der Linken, hat sich gegen den Antrag ausgesprochen und betont, dass eine wissenschaftliche Debatte nicht durch einen Parteitagsbeschluss beendet werden sollte. Dennoch stimmte eine knappe Mehrheit des Parteitags für den Antrag. Es bleibt abzuwarten, wie sich das auf die zukünftige Ausrichtung der Partei auswirken wird. Die Linke selbst sieht in der IHRA-Definition ein repressives Instrument, das kritische Stimmen zum Verstummen bringen soll.

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Der jüdische Verein WerteInitiative hat ebenfalls den Beschluss der Linken kritisiert und der Partei vorgeworfen, israelfeindlicher Agitation Vorschub zu leisten. Das ist ein heißes Eisen, und die Debatte darüber wird auch in den kommenden Wochen und Monaten sicherlich nicht abreißen. Der Parteitag könnte also eine entscheidende Weichenstellung für die Zukunft der Linken darstellen – sowohl in Bezug auf ihre innere Ausrichtung als auch auf die Beziehungen zur jüdischen Gemeinschaft in Deutschland.