Personalmangel in Potsdam: Schockierende Schließungen in der Gesundheitsversorgung
In Potsdam gibt es aktuell einen besorgniserregenden Trend, der die Gesundheitsversorgung betrifft. Die Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am St. Josef Krankenhaus hat ihre Arbeit aufgrund von Personalmangel bereits heute eingestellt – und das Wochen früher als ursprünglich geplant. Was war geschehen? Die angestrebte Schließung der Station war für den 1. August angekündigt, doch die Realität hat die Pläne überholt. Auf der Homepage des Krankenhauses wurde mitgeteilt, dass die personellen Voraussetzungen für eine sichere medizinische Versorgung nicht mehr gegeben sind. Die Leistungen im Bereich der Gynäkologie und Geburtshilfe sind folglich nicht mehr verfügbar, was die Situation für viele werdende Eltern in der Region extrem erschwert.
Rund 50 Beschäftigte sind betroffen, darunter etwa zwei Drittel Ärzte und Hebammen. Das ist ein harter Schlag, nicht nur für die Mitarbeiter, die sich nun um ihre berufliche Zukunft sorgen müssen, sondern vor allem für die Patientinnen, die auf eine umfassende und sichere Betreuung während ihrer Schwangerschaften angewiesen sind. Auch das Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam hat seine medizinischen Leistungen eingeschränkt, insbesondere in den Bereichen Orthopädie und Gefäßchirurgie. Ein besorgniserregender Trend, der sich nicht nur lokal, sondern auch bundesweit abzeichnet.
Der Fachkräftemangel als Ursache
Die Gründe für diese Entwicklungen sind vielschichtig und reichen tief in die Strukturen des Gesundheitswesens hinein. Dr. Roland Stahl, Pressesprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), hat es auf den Punkt gebracht: Die Versorgung in strukturschwachen Regionen, wie wir sie hier in Potsdam haben, ist gefährdet. Ein weiteres Problem ist das Stadt-Land-Gefälle in der hausärztlichen Versorgung. Die Idee, dass „ein Arzt in jedem Dorf“ zu finden ist, gehört längst der Vergangenheit an. Die Bürger müssen nun längere Wege zum Arzt in Kauf nehmen, wobei über 98 Prozent immerhin innerhalb von 15 Autominuten einen Hausarzt erreichen können – aber es wird immer schwieriger, diese Versorgung aufrechtzuerhalten.
Die Abwanderung von Fachkräften ist ein weiteres großes Thema. Deutschland hat die zweithöchste Abwanderung von Ärzten weltweit, nur Indien liegt noch vor uns. Über 30.000 in Deutschland geborene Mediziner arbeiten mittlerweile in anderen OECD-Staaten, und das ist doppelt so viel wie vor 20 Jahren. Die Gründe dafür sind klar: Höhere Einkommen und bessere Arbeitsbedingungen ziehen viele in die Ferne. Auch in der Pflege wird der Wettbewerb um Fachkräfte immer intensiver, seit die generalistische Pflegeausbildung eingeführt wurde. Kliniken und Pflegeeinrichtungen buhlen um examinierte Pflegefachkräfte – das macht die Situation nicht einfacher.
Strukturelle Probleme im Gesundheitswesen
Und als ob das nicht genug wäre, gibt es auch interne Konkurrenz um die Medizinischen Fachangestellten (MFAs). Diese Allroundkräfte sind in Praxen unverzichtbar, da sie zwischen verschiedenen Berufsgruppen vermitteln und zahlreiche Aufgaben übernehmen. Leider werden sie oft von Kliniken und Pflegeeinrichtungen mit besseren Verdienstmöglichkeiten abgeworben, was Lücken in Praxisteams verursacht. AOK-Bundesverband warnt zudem davor, dass die Personalengpässe auch durch ineffiziente Strukturen im Gesundheitswesen verursacht werden. Mehrere Fachleute fordern Reformen, die an Qualitäts- und Bedarfszielen ausgerichtet sind.
Die Situation in Potsdam könnte als Weckruf für andere Städte und Regionen dienen. Während hier die Schließung von Kliniken und die Einschränkung medizinischer Leistungen bereits Realität sind, könnte das bald überall geschehen, wenn nicht schnell gehandelt wird. Es bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen sich dieser Herausforderungen annehmen und die Weichen für eine bessere Gesundheitsversorgung stellen. Denn letztendlich sind es die Menschen, die unter diesen Entwicklungen leiden.
