Krämerbrückenfest: Wenn ein Pfarrer zum Taufritus im Mittelalter einlädt
Es war ein ganz normaler Samstagabend in Erfurt – oder doch nicht? Der Pfarrer Helmut Kautz aus Marienfließ, der gerade ein Ausbildungsseminar der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland im Augustinerkloster besuchte, entschied sich spontan, das Krämerbrückenfest zu besuchen. Man muss ja auch mal das lokale Leben aufsaugen, oder? Und so fand er sich inmitten von Mittelalter-Fans wieder, die in ihren bunten Gewändern und mit fröhlichen Gesichtern durch die Gassen zogen. Die Luft war erfüllt von dem köstlichen Duft nach Honigwein und frisch gebackenem Brot. In solchen Momenten fühlt man sich einfach zurückversetzt in eine andere Zeit.
Kurz vor Mitternacht, als die Lichter des Festes zu funkeln begannen und die Musik die Nacht erfüllte, kam es zu einer unerwarteten Begegnung. Kautz, der sich schon ein bisschen wie ein Fisch auf dem Trockenen fühlte, wurde von einer Gruppe von Mittelalter-Fans umringt. Unter ihnen waren viele, die sich als Heiden bezeichneten. Und dann – als wäre es das Normalste der Welt – äußerten drei von ihnen den Wunsch, sich spontan taufen zu lassen. Moment mal, wo sind wir hier? War das ernst gemeint? Der Pfarrer war sichtlich unsicher. Aber hey, warum nicht? Es gibt schließlich schlimmere Dinge, die man an einem Samstagabend tun kann. Also wurde eine Verabredung für die Taufe am Mittag des Folgetags getroffen.
Die Dreifachtaufe an der Gera
Am Sonntag, unter dem strahlend blauen Himmel der Erfurter Altstadt, fand dann die Dreifachtaufe in der Gera statt. Ein ungewöhnlicher Ort für einen heiligen Akt, aber irgendwie auch passend. Die Wellen des Flusses plätscherten sanft, während Kautz die Taufe durchführte. Ein Moment voller Emotionen, der nicht nur die drei Taufkandidaten, sondern auch die Zuschauer berührte. Ein Video dieser spontanen Taufe wurde von Kautz auf YouTube veröffentlicht und erntete schnell viel Aufmerksamkeit. Man kann sich nur vorstellen, wie die Gesichter der Passanten ausgesehen haben müssen – eine Mischung aus Verwunderung und Belustigung.
Die ganze Situation erinnert an die Geschichten, die auf dem Benediktsplatz in Erfurt erzählt werden. Dort kämpft Pfarrer Adam, besorgt über die Sünden in seiner Stadt, um einen neuen Lanzelot. Wie er sich einen richtigen Helden wünscht, der gegen das Böse ankämpfen soll! Und komischerweise nimmt der Schelm Till Eulenspiegel, der bekannt für seine Streiche ist, die Herausforderung an. Mit seinem treuen Esel Kasimir an seiner Seite will er Erfurt von den Sünden befreien. Diese Erzählungen sind Teil des lebendigen Geschichtenerzählens, das das Krämerbrückenfest und das Mittelalter im Allgemeinen so faszinierend macht.
Mittelalterfeste – Ein Fest für die Sinne
In Deutschland wird die Zeit zwischen Antike und Neuzeit in vollen Zügen gefeiert. Märkte, Feste, Theateraufführungen und Ausstellungen laden ein, in vergangene Jahrhunderte einzutauchen. Ein schillerndes Treiben mit Musikern, Gauklern und Feuerspuckern, das die Straßen zum Leben erweckt. So wird das Mittelalter lebendig – mit den Gerüchen von gebratenen Würsten und dem süßen Aroma von Baumstriezel in der Luft. Die bunten Gewänder der Besucher, die sich in Leder und Leinen kleiden, schaffen eine Atmosphäre, die zum Träumen einlädt. Männer mit langen Haaren und Hüten mit Federn, Frauen in traditionellen Kopftüchern – ein wahres Fest für die Augen!
Aktivitäten wie Bogenschießen oder Korbflechten lassen die Besucher der Geschichte näherkommen. Und die Händler, die selbst gefertigte Waren offerieren, sorgen dafür, dass man sich wie im Mittelalter fühlt – von Ritterrüstungen bis zu kunstvollem Schmuck. Besonders die großen Mittelalterfeste, wie das Kaltenberger Ritterturnier in Bayern oder die Freienfelser Ritterspiele in Hessen, ziehen Jahr für Jahr Hunderttausende an. Wer würde nicht gerne einen Tag lang in die Rolle eines Ritters oder einer Dame schlüpfen wollen?
So wird das Leben in Erfurt und anderswo nicht nur gefeiert, sondern auch gelebt – zwischen Tradition und modernen Einflüssen. Und wer weiß, vielleicht gibt es ja bald noch mehr spontane Taufen, wenn der Pfarrer wieder auf den Straßen des Krämerbrückenfestes unterwegs ist! Ein bisschen Magie und ein bisschen Unfug – genau das macht das Leben doch lebenswert.
