Baukrise im Saarland: Alarmstufe Rot für die Wohnungswirtschaft
Die Bauwirtschaft im Saarland steckt in einer echten Zwickmühle. Das wird bei den aktuellen Zahlen mehr als deutlich. Joachim Reinert, Präsident des AGV Bau Saar, hat beim Tag der saarländischen Bauwirtschaft 2026 im Saarbrücker Schloss Alarm geschlagen. Der Auftragseingang im Wohnungsbau ist im ersten Quartal um sage und schreibe 50 Prozent eingebrochen. Das ist ein gewaltiger Rückschlag für die Branche, die ohnehin schon mit vielen Herausforderungen kämpft.
Die finanziellen Sorgen vieler saarländischer Kommunen tragen zur angespannten Lage bei. Investitionen, die dringend nötig wären, bleiben oft auf der Strecke. Laut einer Verbandsumfrage berichten 38 Prozent der rund 900 Mitgliedsbetriebe von sinkenden Auftragseingängen. Nur 19 Prozent können sich über ein Plus freuen. Und auch die Automobilindustrie, eine wichtige Säule der saarländischen Wirtschaft, schwächelt – das lässt sich nicht leugnen.
Die Herausforderungen im Detail
Wenn wir genauer hinschauen, wird das Bild noch trüben. Über 80 Prozent der Betriebe erwarten, dass sich die Geschäftslage in den nächsten sechs Monaten weder verbessern noch verschlechtern wird. Im privaten Wohnungsbau bewerten mehr als die Hälfte der Unternehmen die Lage als schlecht. Im öffentlichen Bau sind es rund ein Drittel, und im gewerblichen Bau ist die Stimmung ebenfalls nicht rosig. Umsatzrückgänge von 24,4 Prozent im Wohnungsbau und 13,1 Prozent im Wirtschaftsbau machen das Ganze nicht einfacher. Im Tiefbau gibt es zwar geringfügig bessere Ergebnisse, doch das tröstet kaum.
Ein weiterer Knackpunkt ist der Fachkräftemangel. Die Branche hat nicht nur mit sinkenden Aufträgen zu kämpfen, sondern auch mit einem akuten Mangel an qualifizierten Arbeitskräften. Das führt dazu, dass viele Unternehmen ihre Projekte nicht wie geplant umsetzen können. 53 Prozent der Betriebe sind mit der allgemeinen Politik im Land unzufrieden, und 47 Prozent kritisieren die Landesbaupolitik. Das Präsidium der Baubranche kündigt für die nächste Landtagswahl im April 2027 Wahlprüfsteine an, um die Politik auf die drängenden Probleme aufmerksam zu machen.
Der Wohnungsbau in der Krise
Und während im Saarland die Alarmglocken läuten, sieht es bundesweit nicht viel besser aus. Der Wohnungsbau in Deutschland steht vor einer Krise. Genehmigungszahlen sinken, Baukosten steigen, und die Bürokratie nimmt immer mehr zu. Im Saarland wurden 2020 noch 1009 Wohngebäude genehmigt, für 2024 werden nur noch 250 erwartet. Fehlender Wohnraum führt nicht nur zu steigenden Mieten, sondern auch zu sozialen Spannungen. Die Mehrheit der Unternehmen glaubt nicht, dass die Krise im Wohnungsbau bis 2025 enden wird.
In einer Umfrage unter saarländischen Bauunternehmen beklagen über zwei Drittel zu niedrige Auftragsbestände, gerade im Wohnungsbau. Hohe Zinsen und gestiegene Baukosten haben dazu geführt, dass viele Projekte auf Eis gelegt wurden. 58 von 109 Unternehmen sehen Bürokratie als Hauptproblem, gefolgt von Fachkräftemangel und fehlenden Aufträgen. Das zeigt den enormen Druck, unter dem die Branche steht. Dennoch gibt es auch Lichtblicke: 68 % der Unternehmen planen, ihre Beschäftigtenzahlen zu halten oder sogar zu erhöhen, was eine hohe Ausbildungsbereitschaft signalisiert.
Die Notwendigkeit politischer Maßnahmen
Ein funktionierender Wohnungsbau ist entscheidend für den sozialen Frieden. Die Politik ist gefordert wie nie. Forderungen an die Politik sind klar: Neustart in der Baupolitik, langfristige Förderprogramme und weniger Bürokratie. Die Unternehmen sind bereit zu investieren, zu bauen und auszubilden, doch die Politik muss handeln. Ein Appell an die Bundesregierung, den Wohnungsbau prioritär zu behandeln und Planungssicherheit zu schaffen, ist mehr als überfällig.
Die Prognosen für die kommenden Jahre sind düster. Während der Bundestag im Oktober 2025 den „Bauturbo“ beschloss, um Genehmigungsverfahren zu vereinfachen, bleibt abzuwarten, ob dies tatsächlich den gewünschten Effekt hat. Überbelegung und ungleich verteilte Wohnflächen nehmen zu, und die Nachfrage nach kleinen, bezahlbaren und barrierefreien Wohnungen steigt. Das alles geschieht vor einem Hintergrund, in dem die durchschnittliche Zeitspanne von der Baugenehmigung bis zur Fertigstellung bei 26 Monaten liegt – eine Zeitspanne, die für viele einfach nicht tragbar ist.
