Die Geschichte der Interflug ist eine faszinierende Reise durch die Luftfahrt der ehemaligen DDR. Gegründet im Jahr 1958, entwickelte sich die Fluggesellschaft rasch und war ein zentrales Element im Verkehrswesen der sozialistischen Republik. Im Vergleich zu anderen Fluggesellschaften war Interflug jedoch von zahlreichen Herausforderungen geprägt, insbesondere durch die Überalterung ihrer Flotte. Trotz dieser Hürden gab es nur vier schwere Unfälle, was in der Luftfahrtindustrie bemerkenswert ist.
Der erste tragische Vorfall ereignete sich am 14. August 1972, als eine IL-62 kurz nach dem Start in Schönefeld über Königs Wusterhausen abstürzte und alle 156 Menschen an Bord das Leben verloren. Der letzte große Unfall fand am 16. Juni 1989 statt, als eine IL-62 beim Start in Schönefeld über die Landebahn hinaus schoss. Bei diesem Vorfall starben 22 der 113 Insassen, was die ohnehin angeschlagene Reputation der Airline weiter belastete.
Die Kontrolle durch die Stasi
Interflug war nicht nur eine Fluggesellschaft, sondern auch ein Instrument der Staatssicherheit. Die Hauptabteilung XIX des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) überwachte die operativen Abläufe. Zwei TU-134A mit MfS-Kennung wurden in Schönefeld stationiert und flogen unter dem Interflug-Label, um DDR-Flüchtlinge zurückzuführen. Diese Maschinen waren für die Rückführung von Flüchtlingen eingesetzt, die oft mit Handschellen an ihren Sitzen fixiert wurden. Die Piloten, von der Stasi abgeworben, flogen in Interflug-Uniformen, was die enge Verknüpfung zwischen Luftfahrt und Staatssicherheit verdeutlichte.
Ein weiterer schwerer Unfall ereignete sich am 17. Juni 1989, als eine Iljuschin Il-62M (Kennzeichen DDR-SEW) beim Start in Schönefeld aufgrund eines blockierten Höhenruders nach nur 40 Sekunden abgebrochen wurde. Die Maschine rollte über das Ende der Startbahn, kollidierte mit Bäumen und einem Wassertank, wodurch sie auseinanderbrach und Feuer fing. Von den 113 Insassen überlebten 92, allerdings waren 22 Menschen tot, was die mangelhafte Notfallreaktion in der DDR unterstrich. Die Rettungsdienste benötigten lange, um vor Ort zu sein, und die ersten Verletzten wurden oft eigenständig in ein Krankenhaus transportiert.
Das Ende einer Ära
Interflug war in den 1980er Jahren stark in der Entwicklung und führte unter anderem eine Kooperation mit Airbus ein, was zur Lieferung von drei Airbus A310 führte. Diese wurden später an die Flugbereitschaft des Verteidigungsministeriums weitergegeben und dienten bis 2021 als Regierungsmaschinen. Trotz des Ausbaus des Streckennetzes und der Bemühungen, im internationalen Markt Fuß zu fassen, war Interflug aufgrund ihrer veralteten Flotte kaum wettbewerbsfähig. 1989 zählte die Fluggesellschaft noch 40 Verkehrsmaschinen im Betrieb, doch die Versuche einer Kooperation mit Lufthansa scheiterten, da kein Interesse an einem starken Partner bestand.
Am 7. Februar 1991 wurde Interflug durch die Treuhand liquidiert. Der letzte Linienflug fand am 30. April 1991 mit einer TU-134 von Wien nach Schönefeld statt. Die Treuhandanstalt hatte im Oktober 1990 zwar bescheinigt, dass Interflug „überlebensfähig“ sei, jedoch war das Schicksal der Airline besiegelt. Nach der Liquidation fanden etwa 1.000 Mitarbeiter von Interflug eine Anstellung bei Lufthansa.
Interflugs Erbe ist vielschichtig – von den Schwierigkeiten und Tragödien, die die Geschichte prägten, bis hin zu den Erinnerungen der Menschen, die mit dieser Fluggesellschaft reisten. Die letzten Jahre der DDR und die Liquidation von Interflug sind nicht nur Teil der Luftfahrtgeschichte, sondern auch ein bedeutender Teil der deutschen Geschichte insgesamt.